Fußball Verwarnung wegen Etikettenschwindels

Führungskrise beim TSV 1865 Dachau

Bei der Jahresversammlung der Fußballabteilung des TSV 1865 Dachau ist diese Woche die komplette Abteilungsleitung zurückgetreten. Als Grund für den überraschenden Schritt gab die bisherige Führungsriege um Abteilungsleiter Marcel Richter, Stellvertreter Konrad Kirschberger, Hans Vogelsang und Kassier Toni Schröter "unterschiedliche Auffassungen bezüglich des Spielbetriebs der Bayernligaherrenmannschaft" zum Vorstand des Gesamtvereins an, wie es in einer Mitteilung des TSV heißt. Dem Vernehmen nach haben allerdings auch atmosphärische Störungen zwischen Vereinsführung und Abteilungsleitung zu dem Schritt beigetragen. Eine Nachfolgeregelung gibt es noch nicht. Es sei so kurzfristig nicht möglich gewesen, "in der Versammlung Kandidaten für die Nachbesetzung der einzelnen Ämter zu finden", heißt es in einer Mitteilung des TSV weiter, in der Klub-Chef Wolfgang Moll klarstellt, dass die Fußballabteilung bis auf Weiteres kommissarisch vom Hauptverein geführt werde. Die Führungskrise kommt auch für das Bayernliga-Team des TSV zur Unzeit, das am Samstag (14 Uhr) gegen Schwaben Augsburg um den Anschluss zu Relegationsplatz zwei kämpft. Sebastian Winter

Der BFV sieht durch private Fußballschulen die ehrenamtliche Nachwuchsarbeit seiner Vereine bedroht.

Von Fabian Dilger

Die einzig wahre Liebe - so besingen Fans gerne ihren Verein. Was aber, wenn aus einer Vereinsmannschaft eine private Unterrichtsgruppe wird? So praktizieren es zurzeit einige Vereine in der Münchner Region, die eine Kooperation mit privaten Fußballschulen eingehen. Der Deal: Die Fußballschule übernimmt eine Jugendmannschaft, stellt die Trainer, übt auf dem Vereinsgelände und spielt unter dem Namen des Klubs die Punktspiele. Sie spart sich die Infrastruktur, der Verein bekommt eine gut trainierte Mannschaft, zu der möglicherweise noch andere talentierte Spieler stoßen. Die Münchner Fußballschule zum Beispiel kooperiert nach eigenen Angaben mit 17 Vereinen im Raum München.

Das gleiche Modell betreiben auch der SV Waldperlach und die private Bayrische Fußball Akademie (BFA). Deren Leiter Marcel Strasser, 41, trainiert die Waldperlacher U10, die damit gleichzeitig "BFA Junior Team" ist. Zurzeit darf er das aber nicht. Denn Strasser wurde vom Bayerischen Fußball-Verband (BFV) für drei Monate für alle Funktionen in Vereinen gesperrt. Der Vorwurf: Strassers Jugendteam habe unter dem falschen Namen gespielt. Der Fall ist der erste seiner Art.

Bei dem Thema gibt es zwar drei beteiligte Parteien, der SV Waldperlach lehnt eine Gesprächsanfrage jedoch kategorisch ab. Trainer Strasser selbst weist höflich darauf hin, dass er mit dem Fall gerne abschließen möchte und sagt wenig. So bleibt lediglich der BFV in Person des Münchner Kreisvorsitzenden Bernhard Slawinski, der sich zu dem Fall ausführlich äußert. Laut Slawinski hat Strassers Mannschaft im Sommer an einem Turnier teilgenommen. Dort liefen die Kinder aber unter dem Namen "Bayrische Fußball Akademie" und nicht als "SV Waldperlach" auf - ein Verstoß gegen die BFV-Regeln, wie Slawinski erklärt: "Ein Turnier, bei dem vereinsfremde und damit auch verbandsfremde Mitglieder mitspielen, ist grundsätzlich genehmigungspflichtig." Der BFV möchte nicht, dass Privatteams gegen "normale" Vereine spielen. Die Bayrische Fußball Akademie ist laut Slawinski zudem mehrmals auffällig geworden. Schon im vergangenen Winter sei die Mannschaft bei Hallenturnieren unter dem BFA-Namen aufgelaufen. Man habe daraufhin vorgewarnt, sagt Slawinski: "Es gab Anrufe beim SV Waldperlach."

Der Vorfall landete beim BFV-Sportgericht, das in Strassers Fall wenig zimperlich urteilte. Neben einer dreimonatigen Sperre für den Trainer wurde auch seine U10 für einen Monat gesperrt, im Oktober hätte sie eigentlich kein Spiel machen dürfen. "Drei Monate ist schon viel, für mich persönlich aber angemessen, weil es Warnungen gab", sagt Slawinski zu dem Urteil. Die Sperre gegen Strasser hat noch Bestand, die Sperre gegen die jungen Fußballer wurde inzwischen bis zu einer endgültigen Entscheidung aufgehoben - letzteres sei das Wichtigste, betonen sowohl Slawinski als auch Strasser. Mittlerweile gab es ein Schlichtungsgespräch zwischen Strasser, BFV und dem SV Waldperlach, das offenbar harmonisch ablief. "Keine Boshaftigkeit, sondern Naivität" habe zu dem Regelverstoß geführt, sagt Slawinski.

Drei Monate Sperre - das klingt hart für einen Kick unter falschen Namen. Hinter dem Einzelfall steht aber ein Grundsatzkonflikt: Der BFV beäugt die privaten Fußballschulen, von denen es immer mehr gibt, argwöhnisch. Der Boom ist auch mit einem Überangebot an qualifizierten Fußballtrainern zu erklären. Coaches lassen sich weiterbilden, erwerben höhere Lizenzen. Die Qualifikation wird dann in Geld umgewandelt, in Fußballschulen, die sich ihre Lehrdienste entsprechend entlohnen lassen. Der BFV stört sich nicht an der Qualität des Angebots. Dort werde "hervorragende Arbeit" mit den Kindern geleistet, attestiert Slawinski. Der Verband fürchtet viel eher eine strukturelle Gefahr für die Vereine: Wenn immer mehr Eltern ihre Kinder in Fußballschulen zu gut ausgebildeten Trainern schicken und dafür einiges Geld zahlen - verlieren dann die ehrenamtlich arbeitenden Vereine ihre Basis?

"Ich sehe nicht nur einen Konflikt, sondern eine Gefahr, die noch nicht von vielen erkannt wurde", sagt Slawinski. Das ist durchaus scharf formuliert, Slawinski sagt aber, dass schon Fälle im Raum München vorgekommen sind, in denen Fußballschulen die Jugendarbeit von Vereinen geschädigt hätten. Beispiel: Eine Fußballschule bietet einem Verein an, dass er einen Jahrgang komplett betreut, bringt neue Spieler mit, die den Einheimischen vorgezogen werden, die dann wechseln oder aufhören. Nach einem halben Jahr zieht die Fußballschule zu einem anderen Klub weiter, ein Jahrgang bricht weg.

Slawinski will Marcel Strasser nichts persönlich unterstellen. Er glaube, Strasser sei "loyal" gegenüber dem SV Waldperlach. Trotzdem ist das Urteil des BFV-Sportgerichts erst einmal ein "Schuss vor den Bug" der Fußballschulen, wie Slawinski es ausdrückt. Der BFV verteidigt die Vereinsstrukturen, so soll das verstanden werden.

Ob es besser ist, Geld für private Anbieter oder Vereinsbeiträge auszugeben - die Eltern der jungen Fußballer werden ihre Entscheidung nicht von Sportgerichtsurteilen abhängig machen. Slawinski will langfristig die Qualität der Ausbildung in den Vereinen erhöhen. Auch ein Fußballklub könne schließlich hoch qualifizierte Trainer einstellen und dementsprechend mehr Geld dafür verlangen, argumentiert der BFV-Mann.