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Fußball-Regionalliga:Zwei Schlenzer fürs Fotoalbum

Heimstetten schickt den Tabellennachbarn 1860 Rosenheim mit einem fulminanten 5:2-Sieg nach Hause. Eine umstrittene rote Karte dämpft die Freude beim Regionalligisten allerdings erheblich.

Von Christoph Leischwitz, Kirchheim

Zwei Doppeltorschützen – und ein Abwehrspieler: Das Torjäger-Duo Sebastiano Nappo (links) und Lukas Riglewski (Mitte) feiert seine Treffer, Innenverteidiger Sandro Sengersdorf richtet artig seine Glückwünsche aus.

(Foto: Claus Schunk)

Es war ein herrlicher Nachmittag für Menschen, die Fußball am liebsten direkt neben dem Feld erleben. Der SV Heimstetten und der TSV 1860 Rosenheim lieferten sich einen offenen Schlagabtausch in dieser Regionalliga-Partie mit schön anzusehenden Toren. Ganz ungewohnt war es, dass diese Tore mit lautem Jubel und das Spiel mit regelmäßigen Fangesängen untermalt wurden. Noch dazu verkündete der Stadionsprecher erfreut "ausverkauft", und es konnte sich niemand so richtig erinnern, wann zum letzten Mal eine Partie des SV Heimstetten ausverkauft gewesen war. Wobei natürlich anzumerken ist, dass diesmal auch nur 200 Zuschauer erlaubt waren. Aber die hatten ihr Kommen hernach überhaupt nicht bereut. Den offenen Schlagabtausch gewann Heimstetten mit 5:2 (2:1), damit haben die Heimstettner schon einmal einen deutlichen Abstand zwischen sich und die Abstiegs-Relegationsränge gebracht, wo etwa die Rosenheimer stehen.

Während die Spieler in gebührendem Abstand, rund zehn Meter von der Bandenwerbung entfernt, mit den Fans feierten, stand Trainer Christoph Schmitt mit ernster Miene auf dem Rasen. Fast schon wütend sah er aus, richtig freuen konnte er sich kurz nach dem Schlusspfiff jedenfalls nicht. Der Grund war die rote Karte für Valentin Micheli in der 70. Spielminute. Auswirkungen auf das Spiel hatte das zwar nicht mehr, zu diesem Zeitpunkt stand es bereits 5:2; aber Schmitt befürchtet Auswirkungen auf künftige Spiele, weil der Mittelfeldspieler "essenziell wichtig für unser Spiel ist". Und weil jetzt erst einmal unklar sei, wie lange der 23-Jährige gesperrt wird. Der sonst so ruhige Schmitt wurde dabei richtig laut.

In der Tat hatte es sich um ein Foul auf Höhe der Mittellinie gehandelt, das getrost in die Kategorie taktisches Foul fallen darf, und das wird gewöhnlich mit Gelb bestraft. "Wir arbeiten hier das ganze Jahr, um die Klasse zu halten", schimpfte Schmitt, "und so eine Entscheidung hat massiven Einfluss auf den Abstiegskampf." Dann erhob er noch schwere Vorwürfe gegen den Assistenten an der Seite - dieser habe dem Schiedsrichter die Empfehlung zur roten Karte gegeben. Mit diesem habe man schon öfter Ärger gehabt, diesmal auch wieder - eine Stunde und 40 Minuten vor dem Anpfiff. "Da saß noch ein Jugendtrainer in der Schirikabine. Darüber hat er sich unheimlich aufgeregt", erzählt Schmitt. Er gehe davon aus, dass der Assistent seine Verärgerung mit auf den Platz getragen habe.

Die erste Viertelstunde der Partie war noch so dahingeplätschert, dann ging's los: Den Anfang machte Rosenheims Sommerzugang Achtipol Keereerom mit einem Flachschuss zum 0:1 (16.). Doch nur wenig später zeigte sich mal wieder, wie sehr sich der SV Heimstetten auf seine Offensivkräfte verlassen kann. Lukas Riglewski wurde am Strafraumrand nicht angegriffen, von der Rosenheimer Bank schrie noch jemand dem Verteidiger zu: "Linksfuß!" Dann machte Riglewski einen Haken, legte sich den Ball auf den rechten Fuß - und schlenzte die Kugel sehenswert ins Kreuzeck (28.). "Da hat man wieder gesehen, was wir da für eine besondere Qualität haben", freute sich Schmitt. "Wenn das Tor so nicht fällt, ich weiß nicht, ob wir dann so deutlich gewinnen", meinte er noch.

Vier Minuten später war das Spiel auch schon gedreht, als Rückkehrer Mohamad Awata mit einem zweiten, diesmal flacheren Schlenzer zum 2:1 traf (32.). Kurz nach dem Seitenwechsel schien die Partie schon entschieden, als der andere Rückkehrer, Sebastiano Nappo, mit einem platzierten Schuss das 3:1 erzielte (47.). Dann aber machte sich in der Abwehr eine Schwäche bemerkbar, die Heimstetten über das gesamte Spiel hinweg nicht loswurde: bei langen Bällen über die Abwehr liefen die Innenverteidiger oft hinterher. Einmal vergeblich, als Christoph Fenninger auf Maximilian Riedmüller zulief und diesen überwinden konnte, obwohl der Keeper noch mit der Hand an den Ball gekommen war (51.). Nappo stellte allerdings nach einem Konter sehr schnell den alten Abstand her (53.). Und als Awata einen Foulelfmeter herausholte und Riglewski zum zweiten Mal an diesem Tag verwandelte, da war dann auch trotz der späteren Unterzahl der Deckel drauf. "Wir haben ein super Spiel gemacht", fand Schmitt, "mutig gespielt und leidenschaftlich verteidigt". Und deshalb habe man eben auch schönen Fußball und seine technischen Fähigkeiten zeigen können.

So macht der Sieg das Trainergespann schon sehr zuversichtlich, dauerhaft über dem Strich bleiben zu können. Allerdings stehen als Nächstes wichtige Duelle mit den Verfolgern VfR Garching und FC Memmingen an. Sollte Corona keinen Strich durch die Planungen machen, kann sich Heimstetten noch in diesem Kalenderjahr seiner Abstiegssorgen entledigen.

© SZ vom 26.10.2020
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