Fußball-Regionalliga Könige im Kartoffelland

Erstes Saisontor: Adrian Fein.

(Foto: FrankHoermann/imago/Sven Simon)

Die U23 des FC Bayern untermauert mit einem 5:1-Auftaktsieg in Eichstätt ihre Favoritenstellung. Trotzdem gibt es Verbesserungspotenzial.

Von Christoph Leischwitz, Eichstätt

Einige stehen barfuß am Spielfeldrand, die Blaskapelle marschiert ein, um das Bayernlied zu spielen, ein Zuschauer auf der Haupttribüne wird zurechtgewiesen, weil er ratscht. Dennoch wird sich am Donnerstagabend in Eichstätt niemand darüber echauffieren, dass kein einziger Spieler die Hymne mitsingt, aber das nur am Rande. Es ist Sommer, die bayerische Fußballwelt ist in Ordnung: Die Regionalliga beginnt wieder. 2800 Besucher waren gekommen, der Trainer des Heimteams VfB Eichstätt, Markus Mattes, bedankte sich später beim Bayerischen Fußball-Verband für dieses Event. Und damit indirekt auch dafür, dieser herben Klatsche ausgesetzt worden zu sein.

Denn der Gast zeigte sich in bemerkenswerter Frühform. Der FC Bayern München II fertigte den Außenseiter souverän 5:1 (2:1) ab, und das passenderweise vor den Vertretern aller Vereine, die vor dem Anpfiff auf dem Rasen die Saison-Eröffnung zelebrierten. Das Ausrufezeichen ist gesetzt, die U23 des Rekordmeisters hat gleich im ersten Spiel ihre Ambitionen auf die Meisterschaft klargemacht. Der neue Trainer Holger Seitz zeigte sich nicht einmal erleichtert: "Wenn ich ehrlich bin, ohne dass das falsch rüberkommt: Alles andere hätte mich überrascht."

Einer von gerade einmal vier Spielern, die vor genau einem Jahr zum Auftakt auch in der Startelf standen, schoss das erste Tor der Saison: Adrian Fein traf nach nur zwei Minuten zum 0:1 für die Gäste. Das frühe Tor war allerdings nicht das Besondere, sondern die Tatsache, dass es den Verlauf der Partie kaum veränderte: Bayern spielte dominant und presste weiter, die weitgehend neue Mannschaft wirkte nicht immer, aber fast immer gut eingespielt. "Unser Ziel ist es auch nicht, 1:0 in Eichstätt zu gewinnen", begründete Fein den fortwährenden Vorwärtsdrang.

Sein Schuss vom Strafraumrand in einer Spielsituation, die aus einem Eckball entstand, war vor allem für die erste Halbzeit beispielhaft: "Fernschüsse sind für uns auf jeden Fall ein Thema", sagt Trainer Holger Seitz. Fein sagt, das sei ein gutes Mittel in der Regionalliga, in der man vermutlich sehr oft auf tief stehende Gegner trifft. "Man sieht ja auch bei der WM, wie wichtig Standards sind", sagt Seitz. Es wirkte so, als ob seine Elf viele Varianten einstudiert hätte. Eine schnelle Kombination vom Eckball weg in der 16. Minute etwa führte zu einem Pfostenschuss aus 18 Metern des neuen Mittelfeldspielers Paul Will. Ob man da in der Saison noch viel erwarten dürfe? "Schau mer mal", sagte Seitz grinsend.

So wie Will machten einige andere neue Spieler auf sich aufmerksam, allen voran der flinke Woo-yeong Jeong auf der rechten Seite, der die Tore zum 2:1 und zum 4:1 (34., 65.) erzielte - das 2:1 war ein Abstauber nach Fernschuss von Will. Und Alexander Nollenberger, der schon in der Winterpause nach München gekommen war. Der 21-Jährige schien sich auf der linken Offensivseite im Münchner 4-2-3-1-System wohl zu fühlen, er machte eines seiner auffälligsten Spiele im Bayern-Trikot und traf zudem zum 3:1 - nach einer Ecke natürlich (49.). Das fünfte Tor erzielte Kwasi Okyere Wriedt per Elfmeter (68.). Wegen des zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleichs durch Philipp Federl (26.) fand Seitz aber auch, dass es noch einiges gebe, woran man arbeiten müsse. Nach einem Fehler von Jonathan Meier im Aufbauspiel wirkte die Bayern-Abwehr kurze Zeit orientierungslos.

Adrian Fein weiß, dass bisher noch nicht viel passiert ist, im vergangenen Jahr war die Mannschaft mit einem 5:0 gestartet, hatte dann aber nach der Pause wegen der Auslandsreise der Profis geschwächelt. "Das darf uns diesmal nicht mehr passieren, wenn wir Meister werden wollen", sagte er. Er sprach aber davon, dass man "hellwach" sei, aus Fehlern lernen werde und außerdem einen breiten Kader habe. Am Dienstag treten die Bayern beim FC Ingolstadt II an, danach ist wegen der USA-Reise erst einmal Pause bis August.

Blieb noch die Frage, warum der Eichstätter Rasen zu Beginn der zweiten Halbzeit von den Bayern-Fans zum Kartoffelacker umfunktioniert wurde - selbst für Frühkartoffeln kam der sommerliche Saisonstart eigentlich ein paar Wochen zu früh. Offensichtlich waren die ungewöhnlichen Wurfgeschosse als Protest gemeint gegen die hohen Eintrittspreise in ländlichen Gebieten. Die Stehplatzkarte in Eichstätt kostete zwölf Euro. Zum Vergleich: Ein Stehplatz für die Profis in der Münchner Arena kostet 15 Euro. Auf die Fans von Bayerns U23 könnten weitere Top-Zuschläge zukommen. Denn die kleinen Bayern sind nun die Hauptattraktion der Liga.