Fußball-Regionalliga Blaupause für die Bayern

„Ja, wir wollen Meister werden“: Holger Seitz, 43, vormals U-17-Trainer, trägt jetzt die Verantwortung für die U23 des FC Bayern München.

(Foto: Ben Majerus/imago)

Nach dem Aufstieg des TSV 1860 in die 3. Liga will die U23 des Rekordmeisters nachziehen. Die Münchner sind der Topfavorit. Doch die Saison wird kein Selbstläufer, warnt der neue Trainer Holger Seitz.

Von Christoph Leischwitz

Holger Seitz ist auf der Flucht. Zuerst brummt ein Rasenmäher so laut, dass man sein eigenes Wort nicht versteht, dann rattern die Bagger, die wegen der Arbeiten an den neuen Büros an der Säbener Straße ständig hin und her fahren. Sommerpause ist eben jene Zeit, in der bei einem Fußballverein alle am meisten arbeiten, Seitz ist da keine Ausnahme. Noch vor vier Wochen trainierte er gleich zwei Teams des FC Bayern, die U17 und die U23. Danach konnte er sich voll auf die zweite Mannschaft konzentrieren. An diesem Donnerstag (18.45 Uhr) bestreitet diese beim VfB Eichstätt das Auftaktspiel in die neue Regionalliga-Saison. Am Freitag (19.30 Uhr) startet dann der FC Pipinsried bei der SpVgg Greuther Fürth II, der VfR Garching greift am Samstag (13 Uhr) in Rosenheim ein.

Für alle ist das Saisonziel klar formuliert: Pipinsried, Garching und auch der SV Heimstetten wollen einfach nur die Klasse halten. Seitz hingegen sagt: "Ja, wir wollen Meister werden."

Eine Baustelle gab es freilich noch zu bearbeiten: Ein wenig Unruhe hat der Weggang von Co-Trainer Tobias Schweinsteiger ausgelöst. Seitz will dazu nicht viel sagen, aber für ihn dürfte schnell klar gewesen sein, dass er beim Sprung von der U17 zur U19 seinen langjährigen Assistenten und Vertrauten Dirk Teschke behält.

Mittlerweile hat Seitz im Büro Platz genommen. Er zeigt auf die große Taktiktafel an der Wand, "Nicolas, Maxi, Otschie", er zählt die zentrale Achse auf, an der sich die Jungen orientieren sollen. Nicolas Feldhahn ist ein unbestrittener Anführer. Kwasi "Otschie" Wriedt hat in der vergangenen Saison zwölf Ligatore geschossen, zudem Ende Mai in Ghanas Nationalmannschaft debütiert. Und Maxi Welzmüller, ein ehemaliger Unterhachinger, zuletzt beim Drittligisten VfR Aalen, kannte Seitz aus gemeinsamen Tagen beim SC Fürstenfeldbruck. "Ich wusste, dass er wunderbar dazu passt, und ich wollte ihn haben", sagt er. Die meisten anderen Spieler kannte er auch schon, als ehemaliger U-19- und U-17-Trainer der Bayern. Er weiß also, wovon er spricht, wenn er sagt: "Man sollte sich Ziele setzen, die schwierig, aber lösbar sind. Ich bin überzeugt, dass die Mannschaft die Qualität hat, den ersten Platz zu holen." Das werde aber alles andere als ein Selbstläufer. Der 1. FC Schweinfurt gilt als ärgster Konkurrent.

Wäre im vergangenen Jahr der TSV 1860 München nicht in die vierte Liga gestürzt, die jungen Bayern wären womöglich schon zurück in der dritten Liga. Jetzt werden sie es mit ähnlichen Problemen zu tun bekommen wie der blaue Konkurrent: Nachdem dieser aufgestiegen ist, sind nun, wenn auch in geringerem Maße, die Bayern-Amateure, wie sie sich nennen, wieder die Hauptattraktion der Liga. Der Gegner also, gegen den sich alle besonders zerreißen und gleichzeitig "in der Underdog-Situation eine gewisse Leichtigkeit" an den Tag legen. Das kenne er aus der eigenen Karriere, sagt der 43-Jährige.

Hinzu kommt, dass die Bayern auch dieses Mal früh dem Feld hinterherlaufen werden. Im vergangenen Jahr ruhte gleich nach dem Start der Spielbetrieb der U23 wegen der China-Reise der Profis, diesmal geht es vom 23. bis 30. Juli in die USA. Wer mit den Profis reisen darf, steht noch nicht ganz fest. Das hänge auch von den Trainingsleistungen ab, sagt Seitz. Und macht klar, dass die aktuellen Spieler ganz andere Anreize haben als ihre Vorgänger: Der neue Chefcoach Niko Kovac will, anders als seine Vorgänger Guardiola und Ancelotti, Spielern aus der eigenen Jugend mehr Chancen einräumen. Kovac kannte nicht nur den momentan verletzten Lars Lukas Mai und Franck Evina - die beiden kamen zum Einsatz, als die Profis Ende April Frankfurt in der Liga 4:1 besiegten, Kovacs vorigen Klub. "Ich hatte schon beim ersten Gespräch den Eindruck, dass er gut informiert ist, über jeden Spieler etwas sagen kann. Das ist ein super Signal für die Spieler, wenn sie wissen: Wenn sie ihre Leistung bringen, dann ist da ein Cheftrainer bei den Profis, der darauf achtet." Wer immer am 28. Juli in Miami gegen Manchester City spielen darf, muss aber eine Woche später gegen den FV Illertissen gleichermaßen motiviert sein. Die Saison in der Regionalliga wird zwangsläufig laufintensiv.

Mit der Vorbereitung war Seitz übrigens sehr zufrieden. Nach allem, was der Trainer über die Mannschaft sagt, handelt es sich um alles andere als eine Baustelle.