Fußball-Regionalliga Auftrag: Trainerfindung

Der ehemalige Torwart und Trainerroutinier Ludwig Trifellner ist der neue Sportchef beim VfR Garching. Dort will er verstärkt auf junge Spieler setzen.

Von Stefan Galler, Garching

Knapp 20 Jahre nachdem er als Trainer mit dem SV Lohhof überraschend die Meisterschaft in der Fußball-Bayernliga errungen hat, übernimmt Ludwig Trifellner wieder eine verantwortliche Position bei einem Klub in der Region München: Der 60 Jahre alte frühere Torhüter wird mit sofortiger Wirkung Sportdirektor beim abstiegsgefährdeten Regionalligisten VfR Garching. Im Oktober 2018 war Trifellner als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums beim SB Chiemgau Traunstein "aus persönlichen Gründen" zurückgetreten. "Die Entwicklung des VfR ist toll, es juckt mich, diese Aufgabe zu übernehmen, denn der Fußball ist nach wie vor mein Leben", sagt Trifellner.

Die Hauptaufgabe für den erfahrenen Coach und Talentsucher ist es, einen Nachfolger für Trainer Daniel Weber zu finden, der den Verein am Saisonende nach zwölf Jahren verlassen wird. Weber, ebenfalls ein früherer Torhüter, hatte Trifellner den Verantwortlichen beim VfR empfohlen: Beide legten gemeinsam den Grundstein dafür, dass mittlerweile auch beim Bayerischen Fußball-Verband (BFV) eine spezielle Torwarttrainer-Ausbildung angeboten wird, sie etablierten die Münchner Torwartschule und sind seit Jahren eng befreundet. "Daniel sagte, Trifellner ist einer, der zu euch passen müsste", verrät der VfR-Vorsitzende Uwe Cygan.

Nach dem ersten Treffen sei klar gewesen, dass die Chemie tatsächlich stimmte. Trifellner habe "alles verstanden, was wir wollen", stellt Cygan fest. Doch der 60-Jährige weiß, wie groß die Fußstapfen Webers beim VfR sind, immerhin prägte der 45 Jahre alte Coach den Verein, führte ihn als Mädchen für alles im Bereich Training und Management von der Bezirksliga bis auf Rang vier in der Regionalliga in der vergangenen Saison. "Eigentlich braucht man vier Leute für das, was Dani in Garching leistet", sagt Trifellner. "Er ist ein Vollblutfußballer und -funktionär. Aber ich werde versuchen, meine Sachen und Erfahrungen einzubringen."

Bei der Trainersuche komme es keineswegs darauf an, einen bekannten Namen zu holen: "Das kann gerne auch ein junger sein", sagt der Vereinsvorsitzende Cygan. "Mein Telefon steht nicht mehr still, ständig kommen Bewerbungen", ergänzt Trifellner, der das grundsätzliche Anforderungsprofil für die offene Stelle nennt: "Er muss rund um die Uhr für den Verein leben." Parallel plant der neue Sportchef den Kader für die nächste Saison, dabei verspricht man sich im Verein viel von Trifellners Kontakten, etwa auch zu den Großklubs Sechzig, Haching und zum FC Bayern, für dessen Amateurmannschaft er in den Siebziger- und Achtzigerjahren selbst im Tor stand. "Es geht auch darum, junge Leute heranzuziehen, die es bei den drei Großen nicht schaffen. Denn gestandene Regionalligaspieler können wir schlichtweg nicht bezahlen. Und so viele Regionalligisten, die Talenten als Sprungbrett dienen können, gibt es im Großraum München schließlich nicht", erklärt Cygan. Trifellner versichert: "Junge Spieler zu fördern und zu fordern und über den zweiten Bildungsweg nach oben zu bringen, das ist genau mein Ding."

Der gebürtige Niederbayer, dessen Lebensmittelpunkt seit 2005 in Kufstein liegt, hat einst mit Ex-Profi Harald Spörl die Scoutingabteilung beim Hamburger SV etabliert, beobachtet derzeit immer wieder für Werder Bremen Talente aus Süddeutschland und ist nach wie vor als Torwarttrainer-Ausbilder für den BFV und den DFB tätig.