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Fußball:Jung, standhaft und "stilvoll asozial"

Teil fünf der SZ-Fanserie: Die Hoaschdenger Buam unterstützen die Fußballer des SV Heimstetten auch in der Bayernliga, mit Fahnen, Gesängen und manchmal auch einem bisschen Provokation.

Von den Hoaschdenger Buam gibt es Stimmung, Fahnen, Banner und Gesang. Und manchmal eine kleine Prise Provokation.

(Foto: Robert Haas)

Und wieder musste Marco Bläser ran. Der uneingeschränkte Liebling der Hoaschdenger Buam wurde zur Haupttribüne gerufen, er übernahm das Megafon und dann ging es los, das unvermeidliche "Humba Täterä". Gerade hatte der SV Heimstetten ein Regionalligaspiel gegen Illertissen mit letzter Kraft durch einen später Handelfmeter mit 2:1 gewonnen. Und der Fanklub des Sportvereins ließ es krachen, denn die Hoffnung auf den Klassenerhalt war wieder am Leben.

Gut zwei Jahre ist dieses Spiel her, damals schaffte die Mannschaft trotz der herausragenden Unterstützung der "Buam" zwar den Ligaerhalt in der Relegation nicht mehr, dafür löste der Anhang bayernweit Staunen aus. So etwas stellen nicht einmal die Traditionsvereine Bayreuth oder Schweinfurt auf die Beine - eine Gruppe, die nicht nur im eigenen Stadion, sondern auch bei praktisch jedem Auswärtsspiel im wahrsten Sinn des Wortes auf die Pauke haut und der eigenen Mannschaft unglaubliche Unterstützung gibt. "Wir mögen vielleicht einmalig sein, aber wir sehen uns nicht als Marke. Wir sind nur für den Verein da", sagt Daniel (Name von der Redaktion geändert), einer, der was zu sagen hat bei den Hoaschdengern. Dass er genauso wenig wie seine Fanklub-Kollegen mit seinem reellen Namen in der Zeitung stehen will, hängt mit dem Image zusammen, das Fußball-Ultras in der Öffentlichkeit haben - gerade auch jetzt wieder nach den jüngsten Vorfällen in der Relegation beim TSV 1860 und Eintracht Braunschweig oder dem Pokalspiel zwischen Rostock und Hertha BSC: "Wegen solcher Ausschreitungen werden Fußballfans oft verurteilt und pauschal abgestempelt", sagt er. Dazu kommen die Rivalitäten mit den Fans anderer Vereine: "Je mehr man im öffentlichen Fokus steht, desto interessanter wird man für die Gegner", sagt Daniel. Er spielt damit auch auf mögliche Angriffe außerhalb der Fußballplätze an.

Dabei gelten die Hoaschdenger als gemäßigt in Wortwahl und Aggressivität. Sie legen auch Wert auf politische Korrektheit, würden niemals rassistische oder schwulenfeindliche Parolen grölen. Ganz im Gegenteil, vor einigen Jahren beteiligten sie sich an einer bundesweiten Aktion gegen Homophobie im Fußball und hängten ein entsprechendes "Wanderbanner", das von Klub zu Klub weitergereicht wird, in ihrem Fanblock auf. "Wir sind gegen jede Art von Ausgrenzung, aber natürlich für eine gesunde Rivalität ohne Gewalt." Richtig gut verstehen sich die Jungs beispielsweise mit Fans des TSV Markt Indersdorf und dem Fanklub des SV Mehring, der sich "Vietato Amici" nennt. "Wir besuchen einander immer wieder, das macht viel Spaß", erzählt Daniel.

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Aber natürlich gehört es für einen Fanklub auch dazu, den Gegner zu reizen. Das tun auch die Heimstettner Anhänger immer wieder gerne. Im Frühjahr 2014 wäre es beinahe mal zu einer handfesten Auseinandersetzung mit Schlachtenbummlern aus Hof gekommen, die sich im Sportpark derart provoziert fühlten, dass sie bereits den in der Regionalliga vorgeschriebenen "Käfig", einen abgetrennten Bereich für Gästefans, verlassen hatten, ehe sie von ein paar Ordnern gestoppt wurden.

Und auch in der Bayernliga, wo der Verein derzeit spielt, kommt es dann und wann zu Scharmützeln. Schließlich möchten die Hoaschdenger "wie gewohnt stilvoll asozial" bleiben, wie sie es einmal in einer Facebook-Botschaft formuliert haben. Eine besondere Beziehung haben die Hoaschdenger zum Anhang des TSV Landsberg, den sie an diesem Freitag empfangen (19.30 Uhr). "Die wollten so etwas starten, wie wir haben", sagt Daniel. Aber letztlich hätte sich der Fanklub bereits in der Pause des ersten direkten Aufeinandertreffens wieder aufgelöst. Details sind nicht zu erfahren, nur so viel: Damals habe es einen von mehreren durch die Hoaschdenger ausgelösten Polizeieinsätze gegeben. Derlei Aufwand ist nicht im Sinne der Heimstettner, denen es, wie sie im Internet kommunizieren, leidtut, "die Staatskasse zu belasten". Aber gegen "hysterische Mütter oder gwamperte Vereinsfunktionäre" könne man nun einmal nichts machen.

Mit den eigenen Klubverantwortlichen, insbesondere mit Präsident Ewald Matejka und seinem Sohn Michael, der die Fußball-Abteilung leitet, verstehen sich die SVH-Ultras dagegen prächtig: "Zu den Matejkas können wir immer kommen, wenn wir etwas brauchen", sagt Daniel, der ein Jahr nach der Gründung des Fanklubs 2012 dazugestoßen ist. "Anfangs waren da eine Handvoll Jugendspieler und Kicker aus der zweiten und dritten Mannschaft, die hatten jeder einen Schal. Dazu gab's eine Trommel, und fertig war der Fanklub."

Mittlerweile habe man etwa 35 Mitglieder, der harte Kern seien 15 bis 20 Anhänger, fast durchweg Studenten, die alle gut befreundet sind - beim Auswärtsspiel in Vilzing im Mai waren sogar mehr als 50 der "Buam" dabei, die feierten dort das 50-jährige Bestehen des SV Heimstetten und das Fünfjährige des Fanklubs.

Heimstettner Chor: 35 Mitglieder zählen die Hoaschdenger Buam.

(Foto: Robert Haas)

Über 30 Jahre alt ist keiner aus der feiererprobten Gruppe, die ältesten Mitglieder sind Mitte 20, der jüngste ist 16. An Spieltagen trifft man sich im kleinen, aber feinen Hauptquartier, hier werden Gesänge einstudiert und Banner gemalt. Manchmal kommt einer der Kicker vorbei, insbesondere zu Lukas Riglewski habe man eine gute Bindung, gleiches habe für Torwart Marijan Krasnic gegolten, doch der wechselte zuletzt nach Pullach. Mit Sebastian Paul, der den Verein im Sommer ebenfalls verließ, weil sich sein Lebensmittelpunkt nach Landshut verschob, wurde dann und wann geflachst: "Wenn wir ihn und die Mannschaft für einen schwachen Auftritt kritisiert haben, sagte er: 'Triff' du erst mal die Kugel'", erzählt Daniel. Zum Abschied gab's eine Facebook-Botschaft: "Die Buam sagen Danke! Alles Gute Pauli."

Nicht alles, was im Verein passiert, nehmen die Hoaschdenger unkritisch hin. Nach dem 1:7 zuletzt beim TSV Rain, flüchteten sie sich in Sarkasmus: "Manche sagen, unsere Jungs haben brasilianisch gespielt, andere sagen, sie haben 7:1 verloren." Und als sich im Frühjahr abzeichnete, dass es wieder nichts werden würde mit der Rückkehr in die Regionalliga, hinterfragten sie, "warum die Leistung mancher Spieler in den letzten, eigentlich entscheidenden Spielen so nach unten geht". Doch ein echter Fanklub steht geschlossen hinter seinem Verein, deshalb ist man auch in Heimstetten optimistisch, dass man in der neuen Saison trotz des Rückschlags in Rain "um den Aufstieg mitkämpft".

Denn: "Wir bleiben standhaft, auch im dritten Jahr in Liga 5!"

SZ-Serie, Folge 5. Bisher erschienen: Bigreds, FCB-Basketball (10. August), Queerpass, schwul-lesbischer Fanklub des FC Bayern (16. August), Pooligans, BC Dachau (19. August), Hachinga Hammerblock, Alpenvolleys (23. August)