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Fußball:Heimrechthaber

Rekord-Zugang: 3,3 Millionen Euro überweist die SpVgg für den Sportpark an Unterhaching. Die Trainingsplätze bleiben Eigentum der Gemeinde.

(Foto: Claus Schunk)

Vor dem Drittliga-Heimspiel gegen Viktoria Köln feiert die SpVgg Unterhaching, dass sie bald Herr im eigenen Haus ist. Sie wird der Gemeinde das Stadion abkaufen.

Die Stimmung ist so, wie man sie in einem Vereinslokal erwartet. Manfred Schwabl flachst mit seinem Sohn Markus und Paul Grauschopf, beide Verteidiger bei der SpVgg Unterhaching, auch an anderen Tischen wird laut gelacht. Man hat das Gefühl, der ganze Klub ist bester Laune in diesen Tagen. Was angesichts der jüngsten Nachrichten auch nicht verwunderlich ist. Denn obwohl der eigentliche Höhepunkt, das Heimspiel an diesem Samstag (14 Uhr) gegen Viktoria Köln, noch bevorsteht, war das schon jetzt eine bewegte Woche für den Fußball-Drittligisten.

Es fing damit an, dass sich Präsident Schwabl bemüßigt sah, auf den schwelenden Unmut der Stadion-Anwohner zu reagieren. Diese hatten aufgeschnappt, dass womöglich schon bald regelmäßig ungebetener Besuch in den Sportpark kommen sollte. 1860-Präsident Robert Reisinger hatte bei einer Veranstaltung im Maximilianeum über einen möglichen Umbau des Grünwalder Stadions gesprochen und dabei gesagt: "Manni Schwabl freut sich schon, wenn wir kommen und ihm seinen Stadionausbau finanzieren." Prompt formierte sich Widerstand. Die Nachbarn rund um den Sportpark kündigten an, den Schmutz und Lärm, den fast 15 000 Löwen-Anhänger alle 14 Tage verursachen würden, nicht zu dulden. Schwabl stellte daraufhin klar, dass es "eine dauerhafte oder auch zeitweise Untervermietung an den TSV 1860 München nicht geben" werde. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht einmal klar, ob die SpVgg das überhaupt selbst würde entscheiden können; Voraussetzung dafür ist, dass sie das Stadion künftig selbst betreiben kann. Genau das steht nun seit Mittwochabend fest. Der Gemeinderat einigte sich in nicht-öffentlicher Sitzung darauf, den Sportpark an den Klub zu verkaufen. Recht schnell sickerte durch, dass der Kaufpreis bei 3,3 Millionen Euro liegen soll, dass kein Erbpachtzins fällig wird und dass sich die Gemeinde ein Vorkaufsrecht gesichert hat für den Fall, dass die SpVgg das Areal loswerden will oder muss. Die umliegenden Trainingsplätze bleiben Eigentum der Gemeinde.

Manfred Schwabl wollte die Gerüchte nicht bestätigen, dementierte aber auch nichts. Er kommentierte auch den kolportierten Zeitplan nicht. Demnach soll bis zum Start des Lizenzierungsverfahrens im April - und ehe sich nach der Kommunalwahl der neue Gemeinderat im Mai konstituiert - alles in trockenen Tüchern sein. Und auch wenn sich der Präsident betont zurückhaltend äußerte, konnte man doch die gute Stimmung bei ihm und den Spielern als weiteres Indiz dafür werten, dass es genau so ist, wie es aus Gemeinderatskreisen verlautete.

Dass die volle Konzentration nun wieder sportlichen Belangen gelten sollte, wurde dann bei der Presserunde mit Trainer Claus Schromm zum bevorstehenden Heimspiel gegen Köln deutlich: Fragen zum Stadion waren nicht geduldet. Der Coach setzte ein recht ernstes Gesicht auf, als er den kommenden Gegner trotz Tabellenplatz 15 und der schlechtesten Abwehr der dritten Liga (51 Gegentore) über den Schellenkönig lobte: "Viktoria spielt offensiv unglaublich mutig, sie sind im Mittelfeldzentrum breit aufgestellt und haben in Mike Wunderlich einen Mann mit einem Gefühl für die Räume." Allerdings hat der Unterhachinger Trainer bei seinem Videostudium auch festgestellt: "Dass sie so viele Gegentore kassiert haben, kommt nicht von ungefähr. Da wollen wir natürlich einhaken."

Einer seiner Angreifer hätte gute Lust, genau das zu tun: Stephan Hain wartet seit November auf sein zweites Saisontor, nachdem ihm zuletzt gleich zwei Treffer wegen vermeintlicher Abseitsstellungen weggepfiffen worden waren: "Wie viele Tore muss er schießen, bis sie ihm eines zählen lassen?", rief Trainer Schromm mit leichter Verzweiflung in der Stimme und äußerte seinen Unmut über die Entscheidungen der Referees: "Ich hoffe wirklich sehr, dass die Schiedsrichter beim nächsten Tor nicht wieder etwas dagegen haben." Weil Verteidiger Alexander Winkler wegen einer Fußprellung passen muss, wird wohl Marc Endres neben Christoph Greger in der Innenverteidigung auflaufen. Ob Dominik Stahl spielen kann, nachdem er während der Woche krankheitsbedingt hatte pausieren müssen, wird sich kurzfristig entscheiden.

Mit welchem Personal auch immer, Haching hat die große Chance, sich nach dem 1:1 in Rostock mit einem Sieg gegen den Abstiegskandidaten womöglich dauerhaft unter den ersten drei Teams festzusetzen. Denn auch die Konkurrenz ist alles andere als stabil: Von den ersten sieben konnte am vergangenen Wochenende nur der Sechste Meppen einen dreifachen Punktgewinn einfahren. Schromm hält sich mit Prognosen zurück: "Das ist eine ganz verrückte Liga."

© SZ vom 15.02.2020
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