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Fußball:Der Unersetzliche darf gehen

Andreas Voglsammer verlässt die SpVgg Unterhaching. Beim Zweitligisten Heidenheim trifft der Angreifer auf einen alten Bekannten

Von Christoph Leischwitz, Unterhaching

Manfred Schwabl sagt, der Spieler, der jetzt geht, habe "die anderen besser gemacht". Demnach kann er nur hoffen, dass die Mannschaft genug gelernt hat von Andreas Voglsammer, um sich nun allein in der dritten Liga zu halten. Der Präsident der SpVgg Unterhaching befindet sich seit seinem Amtsantritt vor zweieinhalb Jahren bekanntlich auf einer Gratwanderung zwischen sportlichem und finanziellem Klassenerhalt. Ganz offensichtlich ist die finanzielle Sorge aktuell wieder groß. Denn in Voglsammer hat er nun einen der wichtigsten Spieler ziehen lassen. Schwabl weist darauf hin, dass er bei den Spielern im Wort stehe: Der Stürmer habe ihn um eine Freigabe gebeten, um sich weiterentwickeln zu können. Dies bedeute gleichzeitig, dass zumindest aus der Abteilung Angriff vorerst kein weiterer Spieler verkauft werde.

Wertvoller Zweikämpfer: Vor allem die Robustheit von Andreas Voglsammer (li.) dürfte der SpVgg Unterhaching künftig fehlen.

(Foto: Claus Schunk)

Der 23-jährige Voglsammer ist bereits Spieler des Zweitligisten 1. FC Heidenheim, am gestrigen Freitag absolvierte er dort sein erstes Training. Er gilt als gut ausgebildet, spielte in der Jugend für den FC Bayern und den Karlsruher SC. Danach wechselte er zurück in seine Heimatstadt Rosenheim, ehe er im Sommer 2012 zu Haching kam. Im Laufe der Woche hatte es nach einem spannenden Tauziehen um Voglsammer ausgesehen, für den es schon lange "mehrere Angebote" gegeben haben soll, wie Verein und Spielerberater immer wieder betonten. Doch das Tauziehen war in Wahrheit recht einseitig verlaufen: Dem Vernehmen nach hatte der TSV 1860 München halbherzige 80 000 Euro für den Angreifer geboten, der zuletzt in 22 Drittliga-Partien sechs Tore erzielt hat. Aus Hachings Umfeld heißt es nun, Heidenheim zahle mehr als das Doppelte, 200 000 Euro werden genannt; zudem verdiene die SpVgg an einem möglichen Weiterverkauf mit. Die Offiziellen hatten Stillschweigen über die Ablöse vereinbart. Voglsammer dürfte mehr wert sein als 200 000 Euro, aber man sei froh, "dass wir noch so viel für einen Spieler bekommen, der im Sommer ablösefrei wechseln könnte", sagt Schwabl. Er hätte das Angebot nicht angenommen, wenn es der SpVgg nicht maßgeblich helfen würde, einen Lizenz- oder Punktabzug zu verhindern. Neue Spieler sollen von der Ablöse nicht verpflichtet werden, betont Schwabl.

6 Treffer

Die bisherige Torausbeute von Andreas Voglsammer klingt wenig Furcht einflößend. Doch auch die zehn Vorlagen, die ihm im Lauf der aktuellen Drittligasaison gelangen, zeigen seinen Wert für die Mannschaft. Voglsammer war somit an fast der Hälfte aller 33 Unterhachinger Saisontore beteiligt. Seit der Angreifer vor zweieinhalb Jahren nach Unterhaching kam, trug er immer wesentlich zum Verbleib in der Liga bei: In der Saison

2012/13 gelangen ihm zwölf Treffer, in der folgenden Spielzeit zehn. cal

Rein sportlich wird sich die Mannschaft umstellen müssen. Voglsammer war einer der wenigen gesetzten Stammspieler und fraglos jener, der die Gegner am meisten beschäftigte. Er ist zweikampfstark und körperlich robuster als seine ehemaligen Mitspieler. Er zog viele Fouls auf sich, weil er stets versuchte, Bälle "festzumachen", wie Trainer das gerne nennen. So oft Chefcoach Christian Ziege auch sagt, dass er ideenlose, weite Bälle auf die Spitzen verabscheue, so oft praktizierten seine Spieler genau dies. Möglich war das nur, weil Voglsammer die Bälle sicherte und verteilte wie kein Zweiter im Team. Als größtes Problem des Kaders gilt die Zweikampf- und Kopfballschwäche; in beiden Bereichen ist Voglsammer kaum ersetzbar.

Heidenheim hat Voglsammer mit einem Vertrag bis 2017 ausgestattet. Kurzfristig ist seine Rolle klar: "Durch die Verpflichtung wird der Konkurrenzkampf im Sturm nochmals verschärft", sagt Heidenheims Geschäftsführer Holger Sanwald.

Voglsammer wird aber kaum eine Chance haben, gleich in die Startelf zu rücken, etwa zum ersten Spiel nach der Winterpause (das Heidenheim übrigens in zwei Wochen bei 1860 München bestreitet). Auch ist fraglich, ob er Florian Niederlechner verdrängen kann, der in der Winterpause vor zwei Jahren von Unterhaching nach Heidenheim gewechselt war. Sanwald betont, dass keine weiteren "personellen Veränderungen" in Planung seien - und widerspricht damit Gerüchten, wonach Niederlechner in die erste Liga wechselt. Voglsammer wird also, Stand jetzt, nicht Niederlechners Nachfolger. Vielleicht kann er mit dem ehemaligen Mitspieler ja bald ein erfolgreiches Zweitliga-Sturmduo bilden.

© SZ vom 24.01.2015

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