Fußball-Bayernliga Weit weg vom Optimum

Der SV Pullach schlägt Vilzing nur dank Keeper Krasnic und eines umstrittenen Elfmeters. Abermals reicht der Schmöller-Elf eine mäßige Leistung zum Sieg.

Von Matthias Schmid, Pullach

Frank Schmöller verdrehte verwundert seine Augen, auf der Stirn des Pullacher Cheftrainers bildeten sich sogleich so tiefe Furchen, dass man darin fast hätte bergsteigen können. Es irritierte ihn, was André Luge ihm im Vorbeigehen mitgeteilt hatte. "Wir hätten heute auch acht, neun Tore schießen können", sagte der Spieler der DJK Vilzing nach der 0:1-Niederlage am Samstag gegen den SV Pullach in der Fußball-Bayernliga Süd. "So viele Chancen habe ich jetzt nicht gesehen", entgegnete Schmöller kopfschüttelnd. Aber auch der frühere Bundesligaspieler musste zugeben, dass sie heute ein enges Verhältnis mit der Glücksgöttin Fortuna eingegangen waren. "Das war ein hartes Stück Arbeit. Vilzing ist ja keine Laufkundschaft."

Kramt man nur den Tabellenstand hervor, könnte durchaus der Eindruck entstehen, dass die Fußballer aus der Oberpfalz nach sieben Niederlagen in Serie und einer Trainerentlassung zu den schwächsten Teams der Liga gehören. Aber wenn man sie spielen sieht, stellt man rasch fest, dass sie alle ziemlich gut mit dem Ball umgehen können. Luge ist ebenso wie Fabian Trettenbach schon in der dritten Liga für Jahn Regensburg aufgelaufen. Sie erspielten sich eine Reihe von hochwertigen Torgelegenheiten, die in der ersten Hälfte aber Pullachs Torhüter Marijan Krasnic mit teilweisen irrwitzigen Reflexen vereitelte. Er wehrte einen Kopfball von Michael Hamberger (7.) ebenso geschmeidig und reaktionsschnell ab wie die wuchtigen und platzierten Schüsse von Ben Kouame (15.) und Trettenbach (36.). "Er hat ein tolles Spiel gemacht", lobte Schmöller seinen Torwart, "und hat gezeigt, dass er ein gut qualifizierter Keeper in dieser Liga ist."

Sehr viel effizienter traten die Pullacher auf. Aber sie benötigten für die 1:0-Führung einen überraschenden Pfiff. Lukas Dotzler war davor in den Strafraum gedrungen, er setzte seinen mächtigen Körper ein, Vilzings Kapitän Christoph Schwander hielt dagegen, beide zerrten und zogen am Trikot, beide gingen im Strafraum zu Boden. Schiedsrichter Elias Tiedeken zeigte auf den Punkt. "Ich dachte zuerst, dass er Freistoß pfeift, weil der erste Kontakt außerhalb des Sechzehners war", sagte Dotzler über die Szene. Ihm war es egal, er verwandelte den Elfmeter sicher (9.), den Luge anschließend in Richtung Schiedsrichterassistent süffisant so kommentierte: "Jetzt kannst du ja gemeinsam mit den Pullachern jubeln."

Das Führungstor hatte allerdings für die Heimmannschaft keine vitalisierende Wirkung, im Gegenteil. Es lähmte sie eher. Plötzlich war kein Tempo mehr in ihren Passstafetten, keine Präzision. "Wir können uns auch nicht erklären, warum wir nach einem Führungstor den Faden verlieren und so passiv werden", hob Dotzler hinterher hervor. Sein Trainer bemängelte vor allem den fehlenden Druck auf den ballführenden Spieler und beschrieb das seltsam ermattete Spiel in der ihm eigenen schelmischen Art: "Da hätte ich mit meiner Arthrose im Knie, aber ohne Kreuzband und Meniskus auch noch sauberere Pässe spielen können", sagte Schmöller.

In der zweiten Hälfte trat Pullach wieder etwas lebhafter und forscher in den Zweikämpfen auf. Vor allem Dotzler hätte das Spiel früh entscheiden können, gleich zweimal war der 23-Jährige alleine auf Maximilian Putz zugelaufen, schoss aber jeweils den Vilzinger Torhüter an, weil ihm die nötige Körperspannung fehlte. "Das war etwas unglücklich von mir", gab der Stürmer zu, über den sie in Pullach sagen, dass er sich zu schnell miteinem Treffer zufrieden gibt, anstatt weitere Tore mit letzter Gier nachlegen zu wollen. Dazwischen hatte Krasnic im Eins-gegen-eins den Ausgleich durch Kouame herausragend verhindert. "Das Gute ist", merkte Pullachs Coach Schmöller am Ende genüsslich an, "dass wir schon 16 Punkte haben, obwohl wir noch nicht optimal spielen. Ich bin gespannt, was passiert, wenn wir mal optimal spielen."