TSV Dachau 65:Nächster Zwischenschritt

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Lass mal dein Haar fühlen: Dachaus Florian Wolf (re.) schäkert mit Neumarkts Keeper Kevin Schmidt.

(Foto: Toni Heigl)

Die Lamotte-Elf zeigt sich gegen Neumarkt in der zweiten Halbzeit verbessert, es reicht aber nur zu einem 0:0.

Von Christian Bernhard, Dachau

Man muss nicht immer der Größte sein, um der Größte zu sein. Maximilian Mayer ist kein Riese, erst recht nicht, wenn man ihn neben andere Fußball-Torhüter stellt. Der 27-Jährige macht die fehlenden Zentimeter mit Beweglichkeit und Spritzigkeit wett. Am Samstagnachmittag schaffte er es sogar, einen gefährlichen Aufsetzer ins lange Eck so klammheimlich mit seinen Fingerspitzen um den Pfosten zu lenken, dass es nicht einmal die Unparteiischen bemerkten und auf Abstoß, statt Ecke entschieden.

Mayer ist der mit Abstand beste und konstanteste Spieler der vergangenen Wochen beim TSV 1865 Dachau. Er bewahrte sein Team gegen den ASV Neumarkt vor der Pause mit einigen Paraden vor einem Gegentreffer - und wenn Teamkollege Moritz Hannemann den Ball in der 89. Minute nicht an die Querlatte, sondern ins Tor geschossen hätte, wären Mayers Taten nicht nur einen, sondern drei Punkte wert gewesen. So stand durch das torlose Remis und das 4:0 in Hankofen vom Dienstag zumindest zum zweiten Mal in Serie die Null.

Die Mannschaft hat sich ausgesprochen - und seither kein Tor mehr kassiert

Der Druck auf die TSV-Spieler war nach dem peinlichen 1:4 in Ismaning aus der Vorwoche intensiviert worden. Spielertrainer Fabian Lamotte und der sportliche Leiter Marcel Richter hatten dieses Spiel zum Anlass genommen, die Mannschaft öffentlich in die Pflicht zu nehmen. Zwei Spiele, vier Punkte und null Gegentore später zeigten sich beide einigermaßen zufrieden. In Hankofen habe die Mannschaft jene Reaktion gezeigt, die man sich wünsche, sagte Lamotte, der immer noch leicht kränkelnd und dick eingepackt auf der Trainerbank saß. Was das Neumarkt-Spiel betreffe, könne er seinem Team nichts vorwerfen: "Das war in Ordnung." Richter sprach von einem "Zwischenschritt", auf den man aufbauen könne und erklärte: "Wir sind auf dem richtigen Weg."

Die Mannschaft war vor einer Woche zusammengesessen und hatte laut Richter "ein paar Sachen durch- und sich ausgesprochen". Die erste Hälfte gegen Neumarkt verlief dennoch enttäuschend. Mayer musste bereits in der dritten Minute gegen Christian Schrödl retten, in Minute 29 kamen Mayers oben erwähnte Fingerspitzen zum Einsatz. In der letzten Minute der ersten Hälfte wäre selbst Mayer machtlos gewesen, doch Neumarkts Spielführer Armin Bindner setzte den Ball aus kurzer Distanz knapp neben das 1865-Tor. Dachauer Offensivaktionen? Fehlanzeige. Neumarkts Trainer Dominik Haußner, der jeden Zweikampf und jeden Pass seiner Mannschaft lautstark kommentierte, schaffte es, bei den vielen vergebenen Chancen draußen noch lauter zu schreien. Wobei draußen auch nicht immer zutraf, manchmal stand er auch im Feld.

Die Gäste kamen einige Minuten früher aus der Kabine und erwarteten die Dachauer bereits in Formation auf dem Feld, sie hatten in der Pause nicht viel zu besprechen, außer einfach so weiterzuspielen. Doch das gelang nicht, Dachau hatte sich in der Kabine anscheinend entschieden, auch mitzumachen. Florian Wolf (47.) und Christian Doll (72.) sorgten für Gefahr, Michael Zach und der junge Onur Korkmaz bildeten eine laufstarke Doppelsechs, Routinier Christian Lippert wusste in der Innenverteidigung zu gefallen. Als das 0:0 so gut wie feststand, hielt Hannemann seinen linken Fuß in einen Schuss - und der krachte an die Querlatte. "In der zweiten Hälfte haben wir das Spiel komplett gedreht", sagte Richter, "da waren wir am Drücker." Die Ankündigung im Stadionheft - "Selten waren wir uns so sicher wie heute: Die drei Punkte bleiben an der Jahnstraße" - trat dennoch nicht ein. Mit 19 Punkten liegt der TSV Dachau als Tabellen-Elfter zwar nur einen Zähler hinter Rang sechs - aber auch nur drei vor dem ersten Abstiegsrelegationsplatz.

© SZ vom 09.10.2017
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