Frauenfußball "Unser Spiel"

Nach dem 4:2-Sieg des FC Bayern gegen den bis dato ungeschlagenen VfL Wolfsburg stehen beide Teams punktgleich an der Bundesliga-Spitze.

Von Christoph Leischwitz

Man habe das Thema jetzt nicht überstrapaziert, sagte Thomas Wörle, aber es sei doch klar, dass eine 0:6-Klatsche im Hinspiel sich durchaus förderlich auf die Motivation auswirken könne. "Wir sind vorgeführt worden damals", sagte der Trainer der Frauen des FC Bayern München. Und umso wichtiger sei es diesmal gewesen, "schnell in das Spiel rein zu finden. Und dann war es unser Spiel." Auch deshalb, weil sich die Chance zur Revanche im ersten Pflichtspiel des Kalenderjahrs bot, der Gegner sollte gar nicht erst hineinfinden in die Restrunde. Der zu Beginn genial aussehende Plan geriet gegen den noch ungeschlagenen Tabellenführer VfL Wolfsburg gegen Ende zwar noch ins Wanken, doch letztlich ging er auf: 4:2 (2:0) endete das hoch spannende Spitzenspiel, das lange Zeit sehr einseitig war.

"Eine Rechnung für das 0:6 ist natürlich noch offen", hatte auch Torhüterin Manuela Zinsberger vor dem Spiel gesagt. Nach zehn eher vorsichtigen Minuten sah es dann auch so aus, als ob die Bayern-Frauen die Rechnung gewissermaßen auf den Pfennig genau mit einem 6:0 begleichen wollten. Und das, obwohl gleich mehrere Spielerinnen, darunter die routinierte Melanie Behringer, verletzt fehlten. Im Angriff wurde konsequent gepresst, insbesondere Jovana Damnjanovic war an ihrer Laufleistung anzusehen, dass sie nicht für 90 Minuten eingeplant war. Umgekehrt fand Wolfsburg keine Lücken und bekam kein Tempo ins Spiel. Die gefährlichste Aktion des Tabellenführers in der ersten Hälfte war eine Flanke von Alexandra Popp, die auf der Latte landete (8.).

Mittendrin: Die Bayern feiern das 1:0 durch Carina Wenninger, drei weitere Treffer sollten gegen Wolfsburg folgen.

(Foto: Sven Leifer/imago/foto2press)

Wörles Mannschaft agierte vor dem gegnerischen Tor anfangs zu hektisch, Lineth Beerensteyn (12.) und Sara Däbritz (15.) trafen aus aussichtsreicher Position den Ball nicht richtig. Die verdiente Führung fiel dann eher zufällig, wenngleich der vorhergehende Eckball dem aggressiven Pressing zu verdanken war: Däbritz flankte an den Fünfmeterraum, der Ball fiel Carina Wenninger auf den Oberschenkel und kullerte von dort ins Netz (20.). Die Münchner Überlegenheit war fortan noch deutlicher, Beerensteyn scheiterte alleine vor Wolfsburgs Keeperin Mary Earps (38.). Nur zwei Minuten später traf dafür Gina Lewandowski zum 2:0. Das Spiel schien schon zur Pause entschieden.

Nach dem Seitenwechsel vergab Sydney Lohmann eine weitere gute Möglichkeit (46.), doch mit der ersten echten Chance der Wolfsburgerinnen durch Pernille Harder kippte das Spiel (47.). "Wir wollten zu Beginn alles in die Waagschale werfen, viel Aggressivität, die Räume schließen", erklärte FCB-Trainer Wörle später. Das sei aber mit sehr viel Laufarbeit verbunden. Trotzdem gelang es Beerensteyn bei einem Konter, ihre Gegenspielerin Nilla Fischer zu einem Eigentor zu zwingen (64.). Doch Fischer machte sieben Minuten später ihren Fehler wett und traf per Kopf zum 1:3 (71.). Die Topstürmerin der Liga, Ewa Pajor, traf dann mit ihrer zweiten guten Möglichkeit zum Anschluss (76.).

Gilching holt Titel in der Halle

Der TSV Gilching/Argelsried ist neuer bayerischer Hallenmeister der Frauen. Vor 400 Zuschauern in Dingolfing setzte sich der Bezirksoberligist mit 7:6 (3:3) nach Sechsmeterschießen gegen Gastgeber und Titelverteidiger SV Frauenbiburg (Regionalliga) durch. Der TSV ging durch Marie-Theres Bauer und Pia Amofa-Antwi in Führung, Frauenbiburg konterte durch Yvonne Dengscherz, Andrea Kurz und Anita Wimmer, ehe abermals Bauer in der Schlussminute für den oberbayerischen Bezirksmeister ausglich. Den entscheidenden Sechsmeter parierte Torhüterin Bettina Horvath, nachdem Stefanie Pfeuffer vorgelegt hatte. "Mir fehlen die Worte, mehr geht nicht. Wir sind hierher gekommen, um Spaß zu haben und vielleicht die eine oder andere höherklassige Mannschaft zu ärgern. Und jetzt sind wir bayerischer Hallenmeister", jubelte TSV-Trainer Raimond Spahn. Im Halbfinale hatte Gilching den Bayernligisten TSV Schwaben Augsburg ebenfalls nach Sechsmeterschießen 3:1 besiegt. Dabei waren die Spielerinnen aus dem Landkreis Starnberg mit einer 0:1-Niederlage gegen den SC Würzburg-Heuchelhof ins Turnier gestartet. Danach folgten ein 3:0 gegen den SV 67 Weinberg und ein 3:2 gegen den FC Ruderting. "Das war echte Werbung für den Futsal in Bayern", sagte Silke Raml, Vizepräsidentin des Bayerischen Fußball-Verbands. "Es freut mich besonders, dass am Ende der vermeintliche Außenseiter triumphiert hat." Auch Sabine Bucher, Vorsitzende des BFV-Frauen- und Mädchenausschusses, gratulierte: "Gilching hat erstklassigen Futsal gezeigt und ein überzeugendes Turnier verdient mit dem Titel gekrönt." SZ

Und so stand plötzlich Torhüterin Zinsberger unverhofft mehrmals im Mittelpunkt. In der 79. Minute verhinderte sie mit zwei Glanzparaden innerhalb weniger Sekunden den Ausgleich, drei Minuten später landete ein Ball am Innenpfosten, kullerte vor der Linie entlang und wurde unter dem Geschrei der 2155 Zuschauer aus der Gefahrenzone geschlagen. Erst in der Nachspielzeit entschied die eingewechselte Fridolina Rolfö nach einem Konter die Partie (90.+1). "Manuela hat uns im Spiel gehalten", sagte Wörle über die Torhüterin, "natürlich war auch ein Quäntchen Glück dabei, aber das haben wir uns hart erarbeitet." Spielmacherin Simone Laudehr sagte: "Der Plan ist aufgegangen." Und die Meisterschaft ist wieder offen: Die Bayern haben zwar das schlechtere Torverhältnis, stehen aber wieder punktgleich mit den Wolfsburgerinnen auf Platz zwei. "Wir hatten schon einmal sieben Punkte Rückstand, da sind wir sehr stolz drauf", sagte Laudehr. Der Sieg gegen "die beste Mannschaft Europas" sollte Motivation sein.