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Frauenfußball:Gleichgezogen mit Hoffenheim

Caro Simon (FCB, 30) freut sich riesig über ihre VOrlage zum 0:1, 16.02.2020, Leverkusen (Deutschland), Fussball, Flyer

Carolin Simon hat zwar selbst kein Tor geschossen, aber das wichtige 1:0 vorbereitet. Ihrer Freude tut das keinen Abbruch.

(Foto: Mirko Kappes/imago images/foto2press)

Der FC Bayern gibt sich beim 3:0-Sieg in Leverkusen keine Blöße.

Carolin Simon hatte von der linken Seite einen präzisen Pass gespielt, nach vorne, Richtung Tor, es musste doch jetzt mal etwas passieren. Der Ball rollte rasant und gehorsam in die anvisierte Richtung. Mandy Islacker, 2016 und 2017 beste Torschützin der Frauenfußball-Bundesliga, nahm ihn schnell und ungestört an, keine Spielerin des gastgebenden Vereins Bayer 04 Leverkusen konnte bei dem von Bayern München vorgegebene Tempo in der 19. Minute mithalten. Simon war also zufrieden, vielleicht jubelte sie in Gedanken schon mit Islacker über deren Treffer nach dieser schönen Kombination. Und vielleicht ist Islacker gedanklich auch schon am Jubeln gewesen, so frei stand sie vor dem Tor, so wahrscheinlich schien ein erfolgreicher Abschluss zu sein. Doch es fehlte die nötige Konzentration, denn am Ende dieser Szene jubelte niemand: Islacker schoss an den rechten Pfosten.

Es war die größte Chance des FC Bayern bei Bayer Leverkusen am Sonntag in der ersten Hälfte dieser Partie des 14. Spieltags. Eine Chance, die sinnbildlich für die gesamte Leistung der Münchnerinnen in den ersten 45 Minuten im Ulrich-Haberland-Stadion stand. Bayern dominierte, gestaltete offensiv, wollte unbedingt ein Tor - und stand sich dabei entweder selbst im Weg oder wurde entscheidend von Leverkusens Spielerinnen gestört, die defensiv diszipliniert standen und gut gegen den Ball arbeiteten. Glücklicherweise aber, zumindest aus Sicht der Mannschaft von Trainer Jens Scheuer, stand Islackers vergebene Tormöglichkeit nicht auch sinnbildlich für die zweiten 45 Minuten. Am Ende konnten Bayerns Fußballerinnen doch jubeln, vier Mal, erst über drei Tore - und dann noch über den 3:0 (0:0)-Sieg.

Dieses Spiel ist ein richtungsweisendes gewesen. Die vergangenen Jahre war die Reihenfolge an der Spitze der Frauen-Bundesliga ja stets recht klar: Der VfL Wolfsburg als dominierendes Team meist Tabellenführer, der FC Bayern als ehrgeiziger Herausforderer auf Rang zwei - und 2015 und 2016 gar als Meister. Der SC Freiburg schaffte es 2017, dieses Ordnung durcheinander zu bringen, als er Wolfsburg, jedoch nur zwischenzeitlich, von der Spitze verdrängt hatte. Und diese Saison ist es die TSG Hoffenheim, die sich zwischen Doublesieger Wolfsburg und München platziert hat. Der Mittelklasseklub der vergangenen Jahre hat auch ohne einen Kader voller bekannter nationaler und internationaler Nationalspielerinnen, Woche für Woche gepunktet und Bayern nach dem 1:0-Sieg im direkten Vergleich im Oktober auf den dritten Platz verwiesen. Die Qualifikation zur Champions League wäre damit futsch - dabei war der FC Bayern mit dem neuen Trainer Scheuer mit ambitionierten Zielen (am liebsten natürlich den Titel!) in die Saison gestartet.

Der Spielplan wollte es nun, dass sich am Freitag zum Ende der neunwöchigen Winterpause Hoffenheim und Wolfsburg gegenüberstanden. Nach dem deutlichen 5:2 des Tabellenführers im Kraichgau war der im Pokal bereits ausgeschiedene FC Bayern also gewarnt: Wenn man sich die Chance auf die Champions League in der kommenden Runde und die Hoffnung auf den Gewinn der Meisterschaft wahren will, durfte es in Leverkusen keinen Ausrutscher geben. Zumal diese Mannschaft neben Hoffenheim in der Hinrunde ja als einzige erfolgreich gegen Bayern war. 2:1 hatte Leverkusen im September gewonnen. Noch mal sollte das nicht passieren.

Acht Spieltage bleiben dem FC Bayern, um sich Platz zwei in der Bundesliga zu sichern

Für dieses Unterfangen stellte Scheuer seine Elf ordentlich um, die nach Verletzungen zurückgekehrten Giulia Gwinn, Sydney Lohmann und Kristin Demann durften alle beginnen. Gwinn rückte in der offensiven Aufstellung in die rechte Außenverteidigung, Lohmann und Demann bildeten mit Lina Magull das Mittelfeld. Und nach den Startschwierigkeiten funktionierte das neue Gefüge auch deutlich besser.

In der 52. Minute passte Magull auf Simon, die legte quer auf Lineth Beerensteyn. Die schnelle Niederländerin markierte die ersehnte 1:0-Führung und ist nun mit sieben Treffern Bayerns aktuell beste Liga-Torschützin. In der 55. Minute flankte Lohmann in den Fünfmeterraum, wo Magull lauerte und per Kopf auf 2:0 erhöhte. Anschließende Chancen blieben ungenutzt und so dauerte es bis kurz vor Schluss, als auch die lange verletzte Simone Boye Sørensen traf, mit einem Kopfball bei ihrer Bundesligapremiere.

Bayerns Fußballerinnen bleiben damit in der achten Ligapartie nacheinander ungeschlagen. Viel wichtiger als diese Serie aber ist, mit Hoffenheim auf 34 Punkte zumindest gleichgezogen zu haben. Acht Spieltage bleiben noch, um daraus einen Vorsprung zu machen.

© SZ vom 17.02.2020
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