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"Formsache":Vom Knochenjob zum Traumberuf

Seit 2014 ist der Rechtsanwalt Christoph Göbel, 45, Landrat des Landkreises München.

(Foto: Claus Schunk)

Einst tragischer Elfmeterheld, jetzt Münchens Landrat: Christoph Göbel.

SZ: Sport ist ...

Christoph Göbel: ... gesund - sagt man ja landläufig, wenn man von Winston Churchill einmal absieht.

Ihr aktueller Fitnesszustand?

Ich nehme, wann immer möglich, die Treppe statt des Lifts, fahre Fahrrad, wenn ich zu Hause unterwegs bin, und nutze die Gelegenheiten, die sich einem jungen Vater dreier Kinder bieten, sich zu bewegen. Aber ich gebe zu, mein Fitnesszustand war schon besser ...

Felgaufschwung oder Einkehrschwung?

Da ist ja jede Antwort falsch! Aber tatsächlich ist der Felgaufschwung (am Reck) eine Art Jugendtrauma bei mir. Er ist mir Zeit meines Lebens nie gelungen und ich werde nicht vergessen, dass er, wann immer er in der Schule dran war, Mitschüler von mir in die Hilfestellung zwang. Für nichts im Leben bekam ich schlechtere Noten ...

Sportunterricht war für Sie?

Wunderschön! Wie wahrscheinlich die meisten Kinder, habe auch ich ihn geliebt, natürlich insbesondere, wenn Ballsportarten praktiziert wurden. Am liebsten aber bin ich geschwommen - noch heute!

Ihr persönlicher Rekord?

Das waren alles Bestzeiten im Schwimmen. Und die Leistungsprüfung für die Zuteilung des Deutschen Sportabzeichens 1995. Damals war ich Soldat an der Offizierschule der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck und der einzige Soldat im Mannschaftsdienstgrad, der das Abzeichen erwerben musste. Es wurde exklusiv für mich abgenommen, alle Prüfungen an einem Tag.

Stadion oder Fernsehsportler?

Irgendwie beides, und dies aber sehr selten! Am liebsten bin ich beim TSV Gräfelfing auch am Spielfeldrand oder im "Tischtennisstadion". Mein Verein, dem ich seit 1982 angehöre und dessen Präsident ich seit 19 Jahren bin.

Bayern oder Sechzig?

Bayern!

Ihr ewiges Sport-Idol?

Michael Groß. Der Albatros. Ein sagenhaft toller Schwimmer!

Ein prägendes Erlebnis?

Das war meine Zeit als aktiver Jugendfußballer beim TSV Gräfelfing. Ich habe stets sehr gerne, wenn auch als Feldspieler alles andere als gut gespielt. Geschadet hat es nicht, immer wieder auch "nur" auf der Reservebank zu sitzen, in anderen Disziplinen war vielleicht manchmal auch ich etwas stärker. Aber den Teamgeist hat das enorm gestärkt. Mit meinem damaligen Mannschaftskameraden gemeinsam trage ich heute Verantwortung im Präsidium des Vereins. Meine starke Rolle in der Mannschaft aber erfuhr ich als Torwart und bin bis heute stolz, in einem Trainingsspiel in der B-Jugend gegen den FC Bayern München den alles entscheidenden Elfmeter am Schluss des Spiels gegen uns gehalten und so für Gräfelfing dafür gesorgt zu haben, dass wir "nur" einstellig verlieren. Der Preis dafür war nicht gering: Der Schuss des Bayern-Spielers war so hart, dass mein Arm, mit dem ich gehalten hatte, anschließend wegen Bruchs in Gips lag. Selten war ich auf einen Gips derart stolz - und mit mir meine ganze Mannschaft!

In welcher Disziplin wären Sie Olympiasieger?

Diese Disziplin gibt es nicht.

Mit welcher Sportlerin/welchem Sportler würden Sie gerne das Trikot tauschen?

Gar nicht. Ich liebe meinen Beruf und würde ihn eigentlich am liebsten gar nicht tauschen müssen. Für die nächsten sechs Jahre wurde ich von den Bürgerinnen und Bürgern unseres Landkreises ja mal in die Verlängerung geschickt.

Unter der Rubrik "Formsache" fragt die SZ jede Woche Menschen nach ihrer Affinität zum Sport. Künstler, Politiker, Wirtschaftskapitäne - bloß keine Sportler. Wäre ja langweilig.

© SZ vom 24.09.2020

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