Süddeutsche Zeitung

"Formsache":Mit Rotwein durch die Antarktis

Eiskalter Marlboro-Mann: Der Autor und Journalist Gerhard Waldherr hat es nicht so mit dem Trikottausch.

SZ: Sport ist ...

Gerhard Waldherr: ... wichtiger für den Kopf als für den Körper, weil er Willenskraft, Disziplin und Zielstrebigkeit schult. Und einen zwingt, mit Niederlagen umzugehen. Ich habe meiner Zeit als Eishockeyspieler diesbezüglich viel zu verdanken.

Ihr aktueller Fitnesszustand?

Reicht nach drei Knieoperationen und nachhaltiger Bewegungsarmut gerade noch für einen Waldspaziergang.

Felgaufschwung oder Einkehrschwung?

Einkehrschwung lässt normalerweise weniger Raum für Peinlichkeiten.

Sportunterricht war für Sie?

Unterforderung mit Turnvater-Jahn-Aroma.

Ihr persönlicher Rekord?

Platz zwei, Altersklasse 30 bis 40, bei einem Halbmarathon in der Antarktis nach einem Abend an der Schiffsbar mit zwei Flaschen Rotwein, einer Schachtel Marlboro rot und drei Stunden Schlaf. Hintergrund war eine Wette. Mein Gewinn: eine Flasche Rotwein und eine Schachtel Marlboro rot.

Stadion oder Fernsehsportler?

Überwiegend Fernsehsportler. Für ein Ticket auf der Südtribüne würde ich aber nach Dortmund fahren.

Bayern oder Sechzig?

Als Kind war ich Gladbach-Fan, heute sympathisiere ich mit jedem Klub, der den Bayern die Meisterschaft streitig macht. Nicht gut, wenn immer nur einer gewinnt.

Ihr ewiges Sport-Idol?

Joe Frazier. Als Boxer für mich größer als Ali, weil er für seinen Erfolg ungleich härter kämpfen und mehr Hindernisse über-winden musste.

Ein prägendes Erlebnis?

Die zweite Fraktur an der identischen Stelle des rechten Unterarms innerhalb von drei Monaten in der Saison 1982/83. Dabei sind Nerven und Bänder irreparabel beschädigt worden. Fürs Eishockey war ich damit praktisch erledigt.

In welcher Disziplin wären Sie Olympiasieger?

Keiner. Für die Härte, die dafür notwendig ist, fehlte mir - abgesehen vom Talent - vor allem der Grund.

Mit welcher Sportlerin/welchem Sportler würden Sie gerne das Trikot tauschen?

Dazu fällt mir leider nichts ein. Wenn man schon tauschen könnte, dann nicht mit SportlerInnen. Ich finde deren Glorifizierung ohnehin ärgerlich. Da gibt es ganz andere Berufsgruppen, die mir wirklich imponieren.

Unter der Rubrik "Formsache" fragt die SZ jede Woche Menschen nach ihrer Affinität zum Sport. Künstler, Politiker, Wirtschaftskapitäne - bloß keine Sportler. Wäre ja langweilig.

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Quelle:
SZ vom 31.01.2019
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