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Formsache:Der Leichtmetallmann

Sport in der Region, "Formsache"

Stefan Raiser, 49, gründete mit einem Schulfreund 1999 Dreamtool Entertainment. Seitdem verantwortete er etliche Serien für ARD und ZDF

(Foto: Dreamtool Entertainment / oh)

Rittberger mit Dauermuskelkater: Produzent Stefan Raiser, Gründer von Dreamtool Entertainment, verbindet drei prägende Erlebnisse mit den Olympischen Spielen. Und mit der Deutschen Post.

SZ: Sport ist...

Stefan Raiser: ...mal Lebenselixier, mal Bürde, aber immer der größte gemeinsame Nenner der Welt, über den sich auch am hinterletzten Zipfel ins Gespräch kommen lässt.

Ihr aktueller Fitnesszustand?

Iron Man light und Amanda-Bisk-Yoga-Jünger mit Dauermuskelkater. In jedem Fall besser in Form als mit zwanzig oder dreißig.

Felgaufschwung oder Einkehrschwung?

Dank Corona nur der eingesprungene Rittberger im heimischen Wohnzimmer.

Sportunterricht war für Sie...?

Neben Musik und Englisch das Schmiermittel auf dem holprigen Weg zum Abitur. Egal ob es um Schülerzeitung, Partyplanung oder den üblichen Popularitäts-Contest ging, reine Formsache, in den Sportstunden wurde vieles geregelt.

Ihr persönlicher Rekord?

Mit 15 Jahren in 15 Stunden 215 Kilometer auf meinem alten 5-Gang-Fahrrad ins Allgäu. Die letzten Meter gen Schweineberg hoch fühlten sich damals an wie der Zieleinlauf der Tour de France.

Stadion oder Fernsehsportler?

Seit 30 Jahren mit Muttern stolzer Besitzer zweier Dauerkarten in Stuttgart. Meister, Pokalsieger, Champions League, Abstieg, Aufstieg, Wiederabstieg, Wiederaufstieg sind live noch schöner, aber schlechter für den Blutdruck.

Bayern oder Sechzig?

VfB, olé, olé! Und vor meiner Münchner Haustüre...hmmm...Underdogs sind die Sympathieträger jeder guten Geschichte.

Ihr ewiges Sport-Idol?

Es kann nur einen Kaiser geben, Franz Beckenbauer. Filigraner Fußballgott, Entertainer und WM-im-eigenen-Land-Macher. Lasst uns dankbar sein.

Ein prägendes Erlebnis?

Mehr ein Erlebnis-Dreisprung: Olympische Spiele, Los Angeles 1984. Als der Raketenmann bei der Eröffnungsfeier durchs Stadion schwebte, wusste ich mit zwölf am TV, dass ich ins Showbusiness möchte. 1996, Atlanta: Nach einem fantastischen Leichtathletiktag im Stadion detonierte abends eine Bombe im Centennial Olympic Park, den ich nur kurz zuvor verlassen hatte. Zwei Tote, mehr als hundert Verletzte. Wie nahe alles beinander liegt und man jeden Tag genießen sollte, prägte sich tief bei mir ein. Apropos genießen: nicht zu vergessen das Eröffnungsspiel der Fußball-WM 2006 in München. Die Karten kamen per Express aus Übersee und waren noch am Spieltag verschollen. Das ganze DHL-Verteilerzentrum hat sich zerrissen, dieses Kuvert und seinen Boten aufzuspüren, schickten in letzter Minute einen extra Fahrer aus Augsburg. Chapeau Deutsche Post, tolle Mannschaftsleistung.

In welcher Disziplin wären Sie Olympiasieger?

Silbermedaillengewinner im Poetry-Slam-Wrestling. Im Finale gegen Annette Frier, die mir sonst bei jeder Teamansprache geistreich ins Wort fällt und deshalb die Goldmedaille einheimsen würde.

Mit welcher Sportlerin/welchem Sportler würden Sie gerne das Trikot tauschen?

LeBron James. Einmal so Basketball spielen können wie King James, der Gigant, der Jahrhundertathlet, das wär's.

Unter der Rubrik "Formsache" fragt die SZ jede Woche Menschen nach ihrer Affinität zum Sport. Künstler, Politiker, Wirtschaftskapitäne - bloß keine Sportler. Wäre ja langweilig.

© SZ vom 29.10.2020

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