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FC Pipinsried:Alte Saison, neues Glück

Regionalliga Bayern

Rückkehrer: Nach einem verlorenen Verletzungsjahr bei Türkgücü hofft Stürmer Marian Knecht auf ein glanzvolles Comeback in Pipinsried.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Der Bayernliga-Spitzenreiter hat sich in der Corona-Pause personell stark verändert. Die Ziele sind dieselben geblieben: Aufstieg, am besten mit Rekord.

Von Christoph Leischwitz, Pipinsried

Raschel, krächz, kratz - es könnten die Geräusche des Sommers werden. Jedes Mal, wenn ein anderer das Mikrofon in die Hand nimmt, muss die Plastikhülle drumherum vorher desinfiziert werden, und an diesem Abend müssen ziemlich viele neue Leute vorgestellt werden beim FC Pipinsried. Beim Verein sind sie begeistert, wie viele Anhänger gekommen sind am Freitagabend. Sie haben beim Auftakttraining zugeschaut, oben auf der Eisstockbahn haben sie Bierbänke bereitgestellt in gebührendem Abstand, es ist gut was los. Ein wenig wirkt es, als sei der Amateurfußball aus seinem Winterschlaf erwacht, Mitte Juli.

Außerdem hatten sie aber auch Mitteilungsbedürfnis beim Bayernliga-Spitzenreiter im Dachauer Hinterland. Seit dem letzten Heimspiel, das ist schon drei Jahreszeiten her, haben sie zwei Geschäftsführer, zwei Trainer und eine Menge guter Spieler verloren. Und weil viel darüber spekuliert worden war, wie es denn nun weitergeht, wollte man nun zeigen, dass man jetzt wieder gut aufgestellt ist.

Der Sportliche Leiter Tarik Sarisakal hat in seinem Bekanntenkreis einen neuen Hauptsponsor aufgetan. Der bekommt nach den eröffnenden Worten des Präsidenten Roland Küspert als Erster das Mikrofon in die Hand gedrückt. Er habe den FC Pipinsried vorher nicht gekannt, sagt der junge Geschäftsmann Burim Hazrolli aus Pfaffenhofen an der Glonn. Aber man passe zusammen, beide hätten mal klein angefangen. Applaus. Dann werden von den Torhütern bis zum Angriff alle Spieler vorgestellt, darunter zahlreiche Zugänge wie Peter Guinari und Marc Koch, die beide bei 1860 München ausgebildet wurden und die Chance ergreifen wollen, kommende Saison in der Regionalliga zu spielen. Angreifer Marian Knecht ist zurück von Türkgücü München, für die er nach langer Verletzung kein einziges Spiel absolviert hat. Stephan Thee, krächz, knacks, darf auch sprechen, der ehemalige Profi der SpVgg Unterhaching ist nun spielender Co-Trainer. Dann ist endlich Andreas Thomas an der Reihe, der neue Trainer. "Der Druck ist da", sagt der 38-Jährige - und schmunzelt. Zuvor war davon die Rede, dass man die Saison mit einem historischen Punktevorsprung und doch möglichst mit 100 Toren oder mehr abschließen soll. Außerdem könne man ja auch noch den Ligapokal holen, der ab September ausgespielt werden soll. Sollte die Saison wie geplant im September weitergehen, dann könnten für Thomas schon recht bald, nach zwei oder drei Partien, die Sektkorken knallen, Pipinsried hat ja immer noch 21 Punkte Vorsprung. "Ungeschlagen zu bleiben, das ist eine hohe Zielsetzung, aber auch im möglichen Rahmen", sagt er. Der Nachfolger von Fabian Hürzeler und Muriz Salemovic hat die Trainer-A-Lizenz. Seine Erfahrungen hat er vor allem im Nachwuchs-Leistungszentrum des FC Ingolstadt gemacht. Er hat auch selbst mal in Pipinsried gespielt, gut zehn Jahre ist das her, ehe ihn ein Knorpelschaden zum Karriereende zwang.

Es sei schon komisch, findet Thomas: Einerseits fühle sich das alles an wie eine normale Sommer-Vorbereitung: "Es ist ein neuer Kader, es muss eine Einheit geformt werden." Andererseits sei die Pause so lang gewesen, da müsse man erst mal gut in die Spieler reinhorchen. Und jetzt darauf achten, dass sie sich auf dem Platz nicht übernehmen vor lauter Euphorie. Den geplanten Ligapokal findet er eine gute Sache, so habe das Trainerteam die Möglichkeit, alle "in den Spielrhythmus zu bekommen".

Krächz, kratz. Der Zweite Vorsitzende Martin Schmidl erwähnt noch, dass es jetzt auch eine B-Jugend gibt. Das ist gar nicht so banal, wie es sich zunächst anhört, denn im kleinen Dorfklub selbst Jugendliche auszubilden, die es einmal in den Männerkader schaffen, das ist schon lange ein Wunschtraum.

Zwischendurch war auch noch der Sportliche Leiter gebeten worden, etwas zu sagen. Als der Pressesprecher für Sarisakal das Mikro vorbereitet, ruft dieser doch tatsächlich: "Du könntest das beim Desinfizieren ja auch kurz ausmachen." Das habe ihm schon jemand anders gesagt, entgegnet der Mikrofonbeauftragte: "Das ist dann aber ned so lustig." Solange sie an solchen Plänkeleien Spaß haben in Pipinsried, steht dem Verein eine großartige Zukunft bevor.

© SZ vom 20.07.2020

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