FC Pipinsried Abklatschen mit Achatz

Mit Haken und Ösen: Pipinsrieds Özgür Sütlü (rechts) im erbitterten Zweikampf mit einem Spieler des SV Schalding-Heining.

(Foto: Toni Heigl)

Beim Heimdebüt von Trainer Marcel Richter zeigt sich die Mannschaft verbessert. Sie besiegt den auswärtsstarken SV Schalding-Heining mit 3:2, muss kommende Woche beim nächsten Endspiel in Bayreuth jedoch auf den gesperrten Markus Achatz verzichten.

Von Christoph Leischwitz, Pipinsried

Markus Achatz hatte Zeit, zumal der Schiedsrichter ihn auch nicht unter Druck setzte. Der Verteidiger des FC Pipinsried hatte gerade Gelb-Rot gesehen und einen Elfmeter verschuldet, es lief die 87. Minute, als er sich auf den Weg machte. Nicht Richtung Bank, sondern gleich Richtung Kabine, wofür er einmal längs über den Platz gehen musste. In der 89. Minute hatte er endlich die Seitenlinie überschritten. Stefan Rockinger vom SV Schalding-Heining verwandelte dann auch noch den Strafstoß zum Anschlusstreffer. Danach passierte aber nicht mehr viel, der Tabellenletzte Pipinsried hatte mit dem 3:2 (1:1) drei immens wichtige Punkte eingefahren. Und zum Abklatschen stand dann plötzlich Achatz auch wieder auf dem Rasen, er war gar nicht in die Kabine gegangen, und sagte mit einem Grinsen: "Alles richtig gemacht." Aber stimmte das auch?

Wer Tabellenletzter ist, den interessieren erst einmal nur die gewonnenen Punkte. Und Trainer Marcel Richter, der zum ersten Mal im Pipinsrieder Stadion an der Seitenlinie stand, fand dann auch, dass die Mannschaft nach dem 0:4 eine Woche zuvor in Illertissen "die richtige Reaktion" gezeigt habe, denn: "Keiner will so ein Erlebnis noch mal haben." Auch Gästetrainer Stefan Köck räumte hernach ein, dass der Sieg für Pipinsried in Ordnung ging. Immerhin war seine Mannschaft bis zu dieser Partie das beste Auswärtsteam der Liga.

Trotzdem blieb hernach das Gefühl, dass in Pipinsried einfach alles passieren kann - vor beiden Toren. Streng genommen hatte die Mannschaft nach dem Illertissen-Spiel auch gar keine gute Reaktion gezeigt, sondern die ersten zehn Minuten komplett verschlafen. "Wir haben den Wind unterschätzt", gab Richter zur Begründung an, die Schaldinger hätten mit Rückenwind viele lange Bälle gespielt. Vielleicht war es aber auch umgekehrt: dass Pipinsried zu viele lange Bälle in den Gegenwind gespielt und diese verloren hatte. In der dritten Spielminute waren sie dabei so weit aufgerückt, dass Torwart Thomas Reichlmayr mit vollem Risiko einen Konter nahe des Mittelkreises unterbinden musste. In der fünften Minute knallte ein Schuss vom völlig freistehenden Andreas Jünger an die Unterkante der Latte, wiederum eine Minute später musste Reichlmayr im Eins-gegen-eins mit Fabian Schnabel klären. Dann kam langsam die Sonne raus, der Wind legte sich ein wenig, und das Offensivspiel der Pipinsrieder blühte auf.

Im Angriff ist eigentlich alles beim Alten: Amar Cekic dribbelt, Kasim Rabihic zaubert, und das alleine reicht meist schon für ein paar Tore. Rabihic traf in der 15. Minute auf Zuspiel von Özgür Sütlü und später auch noch zum 3:1 nach Doppelpass mit Cekic (83.). Philipp Schmidt hatte nach der Pause, in der stärksten Phase der Pipinsrieder, zum 2:1 getroffen, nachdem Schalding kurz vor der Pause etwas überraschend durch Stefan Lohberger der Ausgleich gelungen war (42.). Bei Rabihic, der diesmal auch die Kapitänsbinde trug, ist es nach wie vor so, dass er defensiv wenig bis gar nicht mitarbeitet. Für die Trainer ist das aber auch in Ordnung so. "Er hat natürlich seine Qualitäten in der Offensive, er spielt bei uns auch ganz vorne drin, weil er in der Position am wenigsten machen muss", sagt Richter über Rabihics Defensivarbeit. Die Mannschaft ziehe da auch mit.

Außerdem hatte es der FCP mit dem Platzverweis für Achatz unnötig spannend gemacht, zumal sie nach einem Schubser von Onur Alagöz gegen Fabian Hürzeler in Überzahl spielten (77.). Doch vermutlich hatte Spielertrainer Hürzeler Recht, als er sagte, dass Elfer und Platzverweis unberechtigt waren: Achatz hatte wohl zuerst den Ball gespielt und war dann selbst gefoult worden. Nur: Auch am Samstag in Bayreuth fehlt wieder ein Spieler gesperrt - diesmal war es Marian Knecht, der unter der Woche seinen Wechsel zu Türkgücü-Ataspor im Sommer bekannt gegeben hatte, nach nur einem Jahr in Pipinsried.

Vor dem Spiel war erstmals ein neues Lied über die Stadionlautsprecher zu hören: "Mir san sind die Fans vom FC Pipinsried", eingesungen vom Fanklub. "Wir halten z'amm, was auch geschehen mag, und bleiben den gelb-blauen Farben treu." Nach dem Sieg gegen Schalding war aber gut zu sehen, dass der beste Kitt ein schlichter Sieg ist.