FC Ismaning Zu freundlich

Fasst sich ein Herz: Hugo da Silva Lopes (vorne) zieht aus der Distanz ab und rettet mithilfe der Latte zumindest einen Punkt für Ismaning.

(Foto: Claus Schunk)

Der FC Ismaning und der ebenfalls abstiegsbedrohte TSV Nördlingen vergeben beim 1:1 ihre guten Möglichkeiten auf wichtige drei Punkte.

Von Felix Haselsteiner, Ismaning

Fast schon einträchtig saßen Ismanings Trainer Mijo Stijepic und sein Nördlinger Kollege Andreas Schröter nach dem Spiel im Vereinsheim der Ismaninger und gaben sich gegenseitig recht. Die erste Halbzeit? "Am Anfang waren wir besser, dann Ismaning", sagte Schröter, Stijepic nickte. Die zweite Halbzeit? "Da hat Nördlingen gut begonnen, dann sind wir besser geworden", sagte Stijepic, diesmal nickte Schröter. Das Schiedsrichtergespann? Für beide Seiten die schwächsten Beteiligten beim auch vom Ergebnis her überaus einträchtigen 1:1 am Samstagnachmittag.

Was also sagt das Spiel aus über den Abstiegskampf in der Bayernliga Süd, in dem ja beide Vereine mittendrin stecken, der TSV Nördlingen als Zwölfter mit nun 33 Punkten vielleicht etwas weniger akut als Ismaning, das mit 25 Punkten auf Platz 15 steht? Nun, in erster Linie dürfte die Erkenntnis sein, dass der Hauptgrund für die schlechte Tabellenpositionierung beider Vereine weiter auf der Hand liegt: Beide tun sich überaus schwer damit, enge Spiele zu gewinnen. Und vor dem Hintergrund der verbindenden Freundlichkeit auf der Pressekonferenz könnte man sogar meinen, es sei etwas arg wenig Kampf um den Nichtabstieg zu sehen.

Über weite Strecken der ersten Halbzeit etwa schienen beide Mannschaften wenig Interesse an Risiko, Tempo oder zumindest aber deutlichem Einsatz zu haben. Das größtenteils im Mittelfeld vorgetragene Spiel wurde immerhin unterbrochen von der Nördlinger Führung durch einen Elfmetertreffer von Stürmer Philipp Buser, dem einer der wenigen guten Angriffe vorangegangen war. Der aktive Daniel Holzmann hatte sich über rechts durchgespielt und so ein Foul provoziert, was wiederum Stijepic im Nachhinein einen Hauch an Frustration abrang: "Wir wussten genau, dass solche Situationen über Holzmann kommen. Wir hatten uns vorgenommen, dass wir aggressiv verteidigen - und dann marschiert er vor dem 1:0 an zwei Leuten vorbei. Das darf uns nicht passieren."

Die Nördlinger schienen ob der doch eher schmeichelhaften Führung fast etwas verunsichert - und zogen sich völlig überraschend zurück, anstatt befreiter nach vorne zu spielen. "Nach dem Führungstreffer lassen wir uns aus unerfindlichen Gründen tiefer fallen - ich weiß nicht, warum die Jungs das gemacht haben, ich habe es nicht angeordnet", gab Schröter zu Protokoll, der mit ansehen musste, wie nun Ismaning die letzten 15 Minuten der ersten Hälfte bestimmte.

Moradi verpasst das 2:1: "Wären wir auf Platz fünf, wäre der wahrscheinlich reingegangen."

Nördlingen hätte sich über ein Unentschieden zur Pause nicht beschweren können: Erst verpasste Dominik Hofmann, dann Stürmer Robin Volland eine gute Gelegenheit. In der Nachspielzeit forderten die Ismaninger zudem eine rote Karte für eine Notbremse, die durchaus vertretbar gewesen wäre - Schiedsrichter Mario Hofmann aus Heroldsbach entschied jedoch nur auf Freistoß, der nichts einbrachte.

Stijepics kompakter Analyse der zweiten Halbzeit - siehe oben - war wenig hinzuzufügen. Nördlingen schaffte es, die Ismaninger nun wieder weiter vom eigenen Tor fernzuhalten und hatte die eine oder andere gute Konterchance, die beste durch Michel Patrick in der 78. Minute. "Da hätten wir den Sack zumachen müssen", sagte Schröter. Stattdessen ergriff kurz darauf ein Ismaninger die Initiative: Hugo da Silva Lopes fasste sich aus gut 25 Metern ein Herz, sein Fernschuss traf die Latte und hüpfte von dort hinter die Linie (85.). Doch nicht nur das: Keine zwei Minuten später bekam der eingewechselte Suhal Moradi einen mustergültigen Querpass in den Strafraum gespielt, scheiterte jedoch mit seinem Abschluss an Torwart Martin Daniel. "So ist das: Wären wir auf Platz fünf, wäre der wahrscheinlich auch reingegangen. So müssen wir weiter kämpfen", sagte Stijepic, dem man zugute halten muss, dass seine Einwechslungen in der zweiten Halbzeit Wirkung zeigten: Moradi für Daniel Weber und Maximilian Siebald für den enttäuschenden und bei seiner Auswechslung wütend gegen die Werbebande tretenden Volland brachten ein wenig mehr offensive Durchschlagskraft ins Spiel.

Vollands Werbebandentritt stand in deutlichem Kontrast zum freundlichen Tenor im frühlingshaften Ismaning, in den hinein Gästetrainer Schröter auch noch die stets gefährlichen Standards von Ismanings Außenverteidiger Tobias Killer hervorhob - und damit einen weiteren kleinen Hoffnungsschimmer für die Ismaninger betonte. Die jedoch benötigen in der kommenden Woche beim abgeschlagenen Tabellenletzten aus Holzkirchen dringend drei Punkte anstatt weiterer Nettigkeiten.