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FC Ismaning:Ratlos vor der Höhle

Traf mit der Hacke per Traumtor zum 1:1 und hatte weitere Chancen: Ismanings Stürmer Angelo Hauk (re.), der am Ende auch glücklos war.

(Foto: Claus Schunk)

Beim ersten Heimspiel der neuen Saison kommt das Team von Mijo Stijepic gar nicht mit Kotterns ultra-defensiver Spielweise zurecht - und verliert am Ende mit 1:2.

"Der Kahric ist ein alter Fuchs", sagte Ismanings Trainer Mijo Stijepic nach dem Spiel. Der so gelobte Esad Kahric verantwortete als Kottern-Coach die Spielweise auf der Gegenseite. Und Kahric hatte gleich mehrere Betonmischer aus dem Allgäu mitgebracht. Kottern hielt sich das komplette Spiel über sehr tief, teilweise verteidigten neun Mann einen Raum von 25 Metern vor dem eigenen Tor. Den Ismaningern wurde so die Verantwortung für den Ball und den Spielaufbau überantwortet. Kein schlechter Plan des Gegners, wie Stijepic analysierte: "Wir haben auch letzte Saison immer wieder Probleme gehabt, wenn der Gegner tief stand." Die Ballzirkulation bis zum gegnerischen Abwehrriegel sei zwar gut gewesen, danach habe man aber zu wenig Bewegung gezeigt, "da müssen wir den Ball noch bisschen schneller laufen lassen". So zwang Kottern dem Spiel eine Grundträgheit und Passivität auf, die Chancenarmut bedingte. Ismaning stand oft zu statisch vor dem gegnerischen Bollwerk, ließ sich auf die Außen abdrängen, wo es wenig erfolgreiche Dribblings gab. "Es hört sich immer einfach an, ist aber nicht so einfach, da durchzukommen", sagte Stijepic bezüglich des doch sehr passiven Gegners.

Und dann kam es, wie es so oft kommt in solchen Spielen: Kottern vollendete die einzige Torchance, die sich für die Gäste in der ersten Halbzeit anbot: Nach einer Ecke war der Ball im Strafraum frei, Marco Miller kam zum Schuss und traf in der 22. Minute ins Tor. Danach war Ismaning bemüht, Tobias Killer auf der rechten Außenbahn immer wieder in Flankenposition zu bringen. Nach den Killer-Flanken entstanden auch die besten Chancen: Stürmer Angelo Hauk kam in den Minuten vor der Halbzeitpause zweimal an solche Bälle, einmal per Hacke, einmal per Kopf, beide Male wurde es gefährlich. Hauks Hacken-Abschluss strich knapp am Pfosten vorbei, seinen Kopfball konnte Kotterns Torwart Tobias Heiland nur nach vorne abklatschen, doch beim Nachschuss von Orhan Akkurt war Heiland schnell genug wieder auf den Beinen.

Die Kombination Killer-Hauk hatte sich jedenfalls eingeschossen. Und nach der Pause gelang dann auch so der Ausgleich im "Tor des Monats"-Stil. Killer brachte einen Eckball von links, Hauk streckte am Fünferspitz mit dem Rücken zu Tor und Ball seine Hacke raus - und änderte die Flugrichtung so, dass der Ball unter der Lattenkante einschlug (49.). Das Spiel wurde offener, aber zu Ungunsten der Ismaninger. Kottern ließ sich nicht allzu weit aus der behaglichen Defensivhöhle locken, aber in der zweiten Hälfte spielten die Allgäuer ihre Zwei-Mann-Konter stark und effektiv aus. Ballschlepper Sezer Yazir und der großgewachsene Stürmer Armin Rausch verluden die hochstehende Ismaninger Abwehr ein ums andere Mal.

Nach einem solchen Angriff hatte Ismaning den Faden komplett verloren, Yazir flankte von rechts, Rausch stand im Fünfer komplett frei und konnte einnicken (62.). "Dieses 2:1 darf nicht kommen. Das ist der Knackpunkt", sagte Stijepic, "wenn wir eine Mannschaft sein wollen, die mit dem Abstieg nichts zu tun hat, darf uns so etwas nicht passieren." Ismanings Angriffe versandeten hinterher meist schnell, Hauk und Akkurt hatten im dicht bevölkerten Strafraum keinerlei Bewegungsfreiheit. Stijepic hatte in der Halbzeitpause von seinen Spielern noch Weitschüsse gefordert, auch davon sah er fast keine. Die klaren Chancen hatte Kottern. Torwart Sebastian Fritz hielt Ismaning sogar noch bis zum Ende im Spiel, weil er zwei weitere Konter entschärfte.

Stijepic hatte vor der Saison Konstanz als erstes Ismaninger Ziel ausgerufen. Die Niederlage nach dem Auftaktsieg nutzte er gleich, um die Mannschaft noch einmal darauf hinzuweisen: "Ich habe keine Lust, in den gleichen Gewässern zu fahren wie in den letzten Jahren. Nach einem guten Spiel dann so was." Die Chance auf das nächste gute Spiel kommt für Ismaning schon am Mittwoch im Münchner Süden, beim SV Pullach. Ein Klub, der gemeinhin eher weniger Lust hat, vor der eigenen Höhle zu warten.