FC Bayern München Zurück in die Gegenwart

Für immer Nummer eins? Zumindest in der Bundesliga soll Bayern-Trainer Dejan Radonjic - rechts am Donnerstagabend beim 73:71 gegen den FC Barcelona in der Euroleague - diesen Anspruch erfüllen.

(Foto: Oryk Haist/imago images)

Nach dem Euroleague-Triumph gegen Barcelona müssen sich die Basketballer des FC Bayern auf Würzburg fokussieren - die Titelverteidigung geht vor.

Von Ralf Tögel

Kurz sind sie sich begegnet, die erfolgreiche Vergangenheit des FC Bayern und die erfolgreiche Gegenwart. Handschlag, gegenseitige Respektbekundung, dann verschwand Svetislav Pesic im Bauch der Münchner Halle, es ging zügig zurück ins Hotel mit den Basketballern des FC Barcelona, die der 69-jährige ehemalige Bayern-Coach derzeit trainiert. Der aktuelle Münchner Trainer Dejan Radonjic erklärte währenddessen den Triumph über den großen spanischen Konkurrenten, mit sicht- und hörbarem Stolz auf sein Team. Nach dem 73:71-Sieg vom Donnerstagabend sieht er sogar wieder eine Chance auf das Erreichen der Playoffs in der Euroleague, wenngleich auch Siege in den letzten beiden Partien beim Tabellenletzten Darussafaka Istanbul am Freitag sowie eine Woche später in eigener Halle gegen Gran Canaria keine Garantie geben: Es hängt von den Ergebnissen der Konkurrenz ab. Die Tatsache, dass bis auf Mailand alle relevanten Mitbewerber im Kampf um Platz acht wegen des gewonnenen direkten Vergleichs im Vorteil sind, dampft die Chancen auf den rechnerischen Bereich ein.

Die Saison des deutschen Meisters ist ein enorm fordernder Tanz auf zwei Hochzeiten. Bundesliga (BBL) und Euroleague werden als parallel laufende Wettbewerbe im Ligaformat ausgetragen. Das ist die große Kunst für die Vereine im höchsten europäischen Wettbewerb, Woche für Woche den Fokus auf das Alltagsgeschäft scharf zu behalten, wie Bayern-Kapitän Danilo Barthel zugibt. Der FC Barcelona, das darf man sagen, ohne Würzburg zu verärgern, hat nun mal einen klingenderen Namen als der nächste Kontrahent. Zumal die Unterfranken dem Topfavoriten im bayerischen Derby an diesem Montag (19 Uhr) nur zu gern ein Bein stellen würden. Will man dem bevorstehenden Euroleague-Aus etwas Positives abgewinnen, dann wäre dies, dass sich der deutsche Meister fortan ganz seinem Kerngeschäft zuwenden kann - zumal die Chance auf das Überstehen einer kraftraubenden Best-of-five-Serie gegen den Vorrunden-Primus in der kontinentalen Königsklasse ohnehin gegen null tendiert. Das vorrangige Saisonziel ist die Titelverteidigung in der BBL, daran haben die Verantwortlichen nie einen Zweifel gelassen. Und mit dem Ende der internationalen Verpflichtung können die Kräfte für das Meisterschaftsrennen gebündelt werden, angesichts der ständig steigenden Qualität in der BBL sicher kein Nachteil.

Den fränkischen Konkurrenten hatte FCB-Geschäftsführer Marko Pesic vor der Saison als Überraschungsteam schlechthin erwartet. Nach holprigem Start kommt der Tabellenachte dieser Einschätzung mittlerweile nach. Das runderneuerte Team des ebenfalls neuen Trainers Denis Wucherer kämpft mittlerweile nicht nur aussichtsreich um den angestrebten Platz in den Playoffs, es hat sogar bereits einen historischen Erfolg verbucht: Würzburg steht im Viertelfinale des Europe Cups. Der ist zwar nur der vierthöchste Wettbewerb in Europa, doch die Unterfranken haben nach der hauchdünnen 75:76-Niederlage im Hinspiel beim dänischen Vertreter Bakken Bears beste Chancen auf das Halbfinale. Selbst der Titel ist keine Phantasmagorie mehr, was dem Münchner Gegner sicher einigen Rückenwind für das weiß-blaue Kräftemessen verleihen wird.

Natürlich kann Würzburg einem Vergleich mit Barcelona nicht standhalten. Von der Annahme, diesen Gegner im Vorbeigehen zu schlagen, will Pesic indes nichts hören. Was nicht nur an Spielern wie dem wuchtigen Center Mike Morrison oder dem kürzlich verpflichteten Amerikaner Devin Oliver liegt. "Wir haben die letzten Auswärtsspiele in Oldenburg und Vechta verloren", erinnert der Münchner Geschäftsführer, der auf einen Euroleague-Lerneffekt hofft. Dort habe man erfahren müssen, dass nur im Kollektiv und mit höchster Konzentration etwas zu erreichen ist, was auch für die BBL gelte. Denn für die erfolgreiche Zukunft ist der Meistertitel fest eingeplant. Mindestens. Mit welchem Trainer auch immer.