FC Bayern München II Für die Jahreszeit in Ordnung

"Da bin ich gut angeschossen worden": Nicolas Feldhahn, 31, der Souverän in der Münchner Viererkette, glänzte diesmal auch als Torschütze.

(Foto: Sven Leifer/imago/foto2press)

Viertes Spiel, vierter Sieg: Die U23 der Bayern bleibt zum dritten Mal in Serie ohne Gegentor. Das 2:0 beim SV Schalding zeigt aber, was das Team von Holger Seitz noch lernen muss.

Von Jonas Kraus, Passau

Bewölkter Himmel, Temperaturen um die 17 Grad und bis kurz vor Anpfiff heftiger Regen: Das Wetter im Passauer Stadtteil Heining, wo der SV Schalding seine Spiele austrägt, hatte am Freitagabend durchaus etwas Herbstliches. Dennoch dauert es natürlich noch Monate, bis der erste Schnee fällt und die Regionalliga-Teams in die wohlverdiente Winterpause gehen. Und das ist auch gut so, zumindest wenn man dem Kapitän des FC Bayern II, Nicolas Feldhahn, glaubt. "Heute bin ich ganz zufrieden, aber im Oktober wäre diese Leistung deutlich zu wenig", sagte der 31-Jährige nach dem 2:0 (1:0)-Auswärtssieg, dem vierten Erfolg im vierten Spiel, zum dritten Mal nacheinander ohne Gegentreffer. Eigentlich ein Traumstart, doch die Erwartungshaltung der Bayern in dieser Saison ist hoch. So hoch, dass nach einem ungefährdeten, nicht glanzvollen Sieg auch mal leise Kritik angebracht ist.

"Ich konnte mich bis zur letzten Sekunde nicht entspannen", klagt FCB-Trainer Seitz

Nichts vorzuwerfen hat sich der omnipräsente Abwehrchef Feldhahn. Hinten dirigierte er gewohnt routiniert die Viererkette, offensiv schaltete er sich immer wieder mit ein. Und als er bemerkte, dass dem in den vergangenen Wochen so treffsicheren Kwasi Okyere Wriedt nichts gelingen wollte, fasste sich Feldhahn selbst ein Herz und erzielte in der 66. Minute das vorentscheidende 2:0. "Da bin ich gut angeschossen worden", erzählte er und musste selbst lachen, wohlwissend, dass es in dieser Liga wenige Verteidiger gibt, die wie er die technischen Voraussetzungen haben, den Ball mit der Brust anzunehmen, kurz abtropfen zu lassen, um dann trocken im Netz zu versenken. "Wichtiger als mein Tor ist, dass hinten die Null stand."

Die stand in der Tat erneut, wenngleich es den Bayern an Souveränität mangelte. Trotz deutlicher Ballbesitzvorteile verloren die feinen Kicker die Kugel oft in der engmaschigen Schaldinger Defensive und ermöglichten den Niederbayern so einige Konter. Bayern-Trainer Holger Seitz, geboren im Landkreis Passau und "im Herzen immer noch ein Niederbayer", bereitete sein Team genau darauf vor und war zunächst wenig angetan. "Da muss mehr kommen", rief er seinen Spielern zu.

Und es kam mehr. Zwar blieben die kleinen Bayern spielerisch einiges schuldig, die individuelle Klasse reichte aber, um sich vor 1733 Zuschauern den Sieg zu sichern. Nach etwas mehr als einer Viertelstunde kam Merat Shabani, 19, an den Ball, ließ mit einer geschickten Körpertäuschung zwei Gegner ins Leere rutschen und vollstreckte. Dennoch gelang es den Bayern nicht, das Spiel dauerhaft zu beruhigen. "Ich konnte mich bis zur letzten Sekunde nicht entspannen", sagte Seitz.

Schalding war der gewohnt unangenehme Gegner. Mit hohem Einsatz machte der SV den Bayern das Leben schwer. Und hätte Stefan Lohberger kurz nach Wiederanpfiff statt des Außenpfostens ins verwaiste Tor getroffen - das Spiel hätte womöglich ein anderes Ende genommen. So aber reihte sich die Partie in eine bisher verkorkste Saison des SV Schalding ein, die von vielen Verletzten geprägt ist und immer noch überschattet wird vom Tod des Neuzugangs Edvin Hodžić wenige Tage vor Saisonbeginn. Vor diesem Hintergrund war SV-Trainer Stefan Köck mit der Leistung seiner Mannschaft zufrieden. "Um die Bayern zu schlagen, braucht man eine sehr gute Leistung", sagte er. "Wir haben heute nur eine gute gezeigt."

Auch Seitz wollte nicht lange hadern, zumal sich sein Team im zweiten Durchgang deutlich steigerte. "Das ist ein Entwicklungsprozess", erläuterte der Trainer. "Wir haben eine extrem junge Mannschaft mit überragenden Fußballern." Im Männerfußball aber, fügte Seitz an, da "zählen oft andere Sachen, das müssen unsere Spieler vielleicht noch lernen".

Die nächste Chance dazu hat sein Team bereits an diesem Mittwoch (Anpfiff 15 Uhr) in Pipinsried. Als Lehrmeister wird wieder Routinier Nicolas Feldhahn fungieren, der das Team führen wird und seinen jungen Kollegen Sicherheit vermitteln soll. Nur auf einen weiteren Treffer sollte man nicht spekulieren. "Ein Torjäger werde ich nicht mehr", glaubt Feldhahn.