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FC Bayern II:Erst am Ende knapp

v.li.: Ron Thorben Hoffmann (Torwart FCB II, 1), Lucas Cueto (Viktoria Köln, 11), Zweikampf, Duell, duel, tackle, tackl

Höchste Not: Der Münchner Torwart Ron Thorben Hoffmann wirft sich Kölns Stürmer Lucas Cueto in den Weg.

(Foto: Manfred Heyne/Imago)

Die Münchner geraten zu schnell zu deutlich in Rückstand, um gegen das dezimierte Team von Viktoria Köln noch einen Punkt zu retten.

Von Stefan Galler, Köln/München

Gut zehn Minuten nach Spielende saßen Nicolas Kühn und Leon Dajaku immer noch auf den vom Kölner Biersponsor gebrandeten Stühlen am Spielfeldrand und blickten drein, als könnten sie nicht wirklich verstehen, was da gerade abgelaufen war. Die beiden Offensivkräfte des FC Bayern II hatten ebenso wie ihre Kollegen vor allem nach der Pause alles aus sich herausgeholt, um doch noch wenigstens ein Unentschieden mitzunehmen vom Gastspiel bei Viktoria Köln. Doch alle Anstrengungen blieben erfolglos, nach einem 0:3-Rückstand kamen die Münchner trotz 70-minütiger Überzahl nur noch auf 2:3 heran.

Dementsprechend war Trainer Holger Seitz nach dem Spiel auch bedient, vor allem, weil seine Mannschaft den Start der Drittliga-Begegnung total verschlafen hatten. Schon nach 42 Sekunden gingen die Kölner in Führung, Lucas Cueto bereitete über die linke Seite vor, Mike Wunderlich zog direkt ab und ließ Ron-Thorben Hoffmann im Bayern-Tor keine Abwehrchance. "Weder konnten wir die flachen Bälle vorne rein gut verteidigen, noch die hohen Flanken hinter unsere Kette. Das hat uns massive Probleme bereitet in den ersten 15, 20 Minuten", sagte Seitz und lobte den Gegner: "Wir haben uns extrem schwer getan und die Kölner konnten das clever und abgezockt ausnutzen", sagte der Bayern-Coach.

Es war in der Tat beeindruckend, wie die Viktoria den Meister der vergangenen Saison geradezu überrannte. Albert Bunjaku und Cueto vergaben eine Doppelchance (4.), Keeper Hoffmann verhinderte im Eins-gegen-eins das Gegentor (8.), doch sechs Minuten später war das 0:2 aus Münchner Sicht unvermeidlich, als zunächst der agile Cueto die Kugel eroberte, gekonnt Wunderlich auf die Reise schickte, dessen Zuspiel Timmy Thiele mit einem sehenswerten Heber über Hoffmann hinweg zum 2:0 veredelte. "Wir waren in den entscheidenden Momenten nicht aufmerksam genug", fand Seitz, der sich diese Defizite nicht recht erklären konnte, schließlich sei seinen jungen Spielern eigentlich trotz ihrer fehlenden Erfahrung sehr bewusst, worauf es in der umkämpften dritten Liga ankomme: "Wenn ich ihnen diese Szenen in der Videoanalyse zeige, bin ich mir zu hundert Prozent sicher, dass meine Jungs genau wüssten, wie sie sich verhalten und welche Situation sie herstellen müssten, bevor es zu den langen Bällen kommt."

Es sah nach einer Wende im Spiel aus, als die Bayern erstmals mit Schwung nach vorne spielten, Maximilian Zaiser an der Strafraumgrenze Fiete Arp bediente, dieser jedoch durch Maximilian Rossmann regelwidrig gebremst wurde - Rot gegen den Kölner (21.). Doch wer dachte, die Münchner würden sogleich das Ruder herumreißen, sah sich getäuscht. Im Gegenteil, eine Flanke von Simon Handle konnte Kilian Senkbeil nur unzureichend klären und Cueto knallte den Ball direkt flach zum 3:0 ins Tor der Bayern (27.). Erst jetzt waren die Gäste voll da.

Noch vor der Pause gelang Kühn unter tatkräftiger Mithilfe von Viktoria-Torwart Sebastian Mielitz, der sich die Hereingabe selbst ins Netz lenkte, der Anschlusstreffer (42.). Und fast hätte Kühn gleich noch mal getroffen, köpfte nach Dajaku-Flanke jedoch über das Tor (45.+1). "Wenn wir da das 2:3 gemacht hätten, wären wir auf einem guten Weg gewesen", sagte Seitz, "aber vom Engagement und der Motivation her, das Spiel unbedingt noch drehen zu wollen, kann man zufrieden sein".

Eine Stunde war gespielt, da setzte Timo Kern in der Mitte Fiete Arp in Szene, der zog ab und traf. Ein Tor fehlte nun noch zum unverhofften Punktgewinn, und die Münchner warfen alles nach vorn, um dieses 3:3 zu schaffen. Doch immer wieder prallten sie an den nun leidenschaftlich verteidigenden Kölnern ab, die letzten Großchancen hatten schließlich der enorm auffällige Arp, dessen Schuss von Mielitz aus der Ecke getaucht wurde (88.), und Dajaku, der nach Kühn-Flanke per Kopf knapp zu hoch zielte (90.+3).

"Am Ende war es wirklich knapp", sagte Seitz, der von seinen Talenten erwartet, dass sie aus der verschlafenen Anfangsphase ihre Lehren ziehen. Auszeiten könne man sich in dieser Liga nicht leisten: "Wir müssen von der ersten bis zur letzten Minute fokussiert sein, dann nehmen wir auch mal wieder einen Sieg mit." Nach drei Partien ohne dreifachen Punktgewinn gelte nun die volle Konzentration dem Heimspiel gegen Waldhof Mannheim am Sonntag.

© SZ vom 23.10.2020

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