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FC Bayern II:Aus Mangel an Erfahrung

Eine sehr junge Münchner Nachwuchsmannschaft hat unter anderem ohne Kapitän Nicolas Feldhahn bei Aufsteiger Verl keine Chance und verliert deutlich mit 0:3.

Von Christoph Leischwitz

Kasim Rabihic hat in der vergangenen Saison elf Tore für Türkgücü München geschossen. Er wurde allerdings vom Drittliga-Aufsteiger nicht mehr berücksichtigt, also wechselte er zu einem anderen Neuling, dem SC Verl. Dort, südlich von Bielefeld, empfingen sie am Samstag den FC Bayern München II zu ihrem ersten Heimspiel im Profifußball. Auch für Rabihic sind es die ersten Spiele in der dritten Liga, aber der 27-Jährige zeigte, dass er abgezockter ist als so mancher Spieler der Münchner U23. So holte er mit einem geschickten Fall kurz vor der Pause im Zweikampf gegen den ungestümen Maximilian Zaiser einen fragwürdigen Elfmeter heraus. Der Strafstoß führte zum zwischenzeitlichen 2:0 (39.) des Aufsteigers gegen den Meister, die Partie endete 3:0.

"Wir haben zu viele einfache Fehler begangen", analysierte Bayerns Trainer Holger Seitz hernach. Und bescheinigte sich selbst damit, dass ihn viel Arbeit erwartet in den kommenden Wochen, um "die Spieler besser zu machen". Die U23 findet sich nach dem zweiten Spieltag erst einmal sehr weit unten in der Tabelle wieder.

Ein Problem nach der durchaus guten Leistung zum Saisonauftakt gegen Türkgücü (2:2) ist aber auch, dass Trainer-Rückkehrer Seitz mit einem starken Gefälle im Kader zu kämpfen hat. Wenn auch nicht unbedingt in der Qualität, so gibt es doch enorme Unterschiede, was die Erfahrung angeht. In Verl fehlten neben dem angeschlagenen Kapitän Nicolas Feldhahn auch noch Spieler wie Joshua Zirkzee oder Jamal Musiala. Die Innenverteidigung geriet diesmal extrem jung, weil auch noch Chris Richards zu den Profis abgestellt war; in der Viererkette spielten in Jamie Lawrence und Alexander Lungwitz gleich zwei Drittliga-Debütanten. Wenn die U23 am Wochenende nach den Profis spielt, kommen die besten Talente oft noch in der dritten Liga zum Einsatz. Sind die Profis wie diesmal am Sonntag dran, eben nicht.

Zwar begannen die jungen Bayern durchaus schwungvoll. "Wir haben versucht, keine Stimmung aufkommen zu lassen", sagte Seitz. In Verl wurde vor immerhin 1000 Zuschauern gespielt. Doch schon dem 1:0 durch Aygün Yildirim (17.) hatte die junge Elf nicht viel entgegenzusetzen. Das 3:0 erzielte Zlatko Janjic, als er auf der rechten Seite nicht angegriffen wurde (64.). Umgekehrt konnte im Angriff auch Jann-Fiete Arp keinerlei Akzente setzen. Der 20-Jährige will sich nach mehreren Verletzungen bei der U23 erst einmal wieder in Form spielen.

"Wir konnten damit rechnen, dass es mit dieser unerfahrenen Mannschaft zunächst etwas unrund laufen könnte", sagt Seitz. Und auch am kommenden Wochenende dürften wieder einige Fahrstuhlprofis fehlen. Dann empfängt Bayern II nämlich schon am Freitagabend Dynamo Dresden.

© SZ vom 28.09.2020
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