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FC Bayern :Harte Wochen

01.12.2019, BBL, FC Bayern vs HakroCrailsheim Merlins, Audi Dome Muenchen, im Bild: DeWayne Russel (Merlins Crailsheim)

DeMarcus Nelson (re.) war gegen Crailsheim einer der Besten, der Zugang findet langsam seinen Rhythmus.

(Foto: Philippe Ruiz/imago)

22 Spiele in 62 Tagen: Den dezimierten Basketballern des FC Bayern sind beim 82:63-Sieg gegen Crailsheim die Anstrengungen der vergangenen Wochen anzumerken.

In der Ergebnisliste sieht es genau so eindeutig aus, wie man es erwartet, wenn der deutsche Meister einen Fast-Absteiger der Vorsaison empfängt. 82:63 (45:35) besiegten die Basketballer des FC Bayern München am Sonntagabend die Merlins Crailsheim und verteidigten damit ihre Tabellenführung (20:0 Punkte) vor Ludwigsburg (18:2). Für den FC Bayern war es der zweithöchste Sieg in dieser Bundesliga-Saison nach dem 111:55 zum Auftakt über Aufsteiger Hamburg. Aber, so räumte Kapitän Danilo Barthel nach der Partie vor 4863 Zuschauern am Hallenmikrofon ein: "Es sieht deutlicher aus als es war." Auch sein Kollege DeMarcus Nelson gab zu: "Wir mussten uns echt reinhängen, um am Ende noch zu gewinnen."

Gegen Crailsheim hatten sich erste Ermüdungserscheinungen bemerkbar gemacht bei den FC-Bayern-Basketballern. Es war ja bereits ihr 22. Pflichtspiel innerhalb von zwei Monaten - oder 62 Tagen, um genau zu sein. Erst am Samstag waren sie aus Istanbul zurückgekehrt, wo sie am Abend zuvor beim Euroleague-Tabellenführer Anadolu Efes 75:104 unter die Räder gekommen waren; auch das sieht deutlicher aus als es war.

Nimmt man die Resultate dieses Wochenendes zusammen, kommt man trotzdem zu dem Ergebnis: Die ersatzgeschwächten Münchner sind in ihrer aktuellen Verfassung immer noch zu gut für die Bundesliga, aber nicht gut genug für die Euroleague. Dort sind sie nach vielversprechendem Saisonstart mit 3:2 Siegen inzwischen auf den 16. und drittletzten Platz zurückgefallen, wegen der schlechteren Korbdifferenz sogar noch hinter den nationalen Rivalen Alba Berlin, der die gleiche Erfolgsbilanz hat (je 4:7).

Auch deshalb sprach Münchens Cheftrainer Dejan Radonjic am Sonntag von "harten Wochen", die sein Team hinter sich habe in den parallel laufenden Spielbetrieben auf nationaler und internationaler Ebene. Er versuchte damit zu erklären, warum seine Mannschaft nach dem erwartbaren Beginn mit schneller Zehn-Punkte-Führung (16:6/6. Minute) "etwas nachlässig" geworden sei. Das war eine freundliche Umschreibung dafür, dass die Spieler offensichtlich Kraft sparen und den Sieg mit dem geringstmöglichen Aufwand über die Zeit bringen wollten.

Zu Beginn des letzten Viertels hatten sich die Gäste, als Tabellenfünfter das Überraschungsteam dieser Bundesliga-Saison, jedoch auf einen Punkt herangeschlichen (57:56/31.). "Zum Glück haben wir am Ende noch etwas Energie gefunden", resümierte Radonjic. In der Schlussphase rafften sich seine Spieler zu einem 25:4-Lauf auf, der auch Crailsheims Chefcoach Tuomas Iisalo verblüffte. "Wir müssen erst das Video analysieren, ob es daran lag, dass wir den Fokus verloren haben oder dass Bayern einfach stärker wurde", sagte der Finne über die letzten Minuten, in denen die Münchner ein weiteres Mal ihre Defensiv-Qualitäten demonstrierten.

Offensiv ragten vor allem Spielmacher Nelson heraus, der fünf seiner insgesamt 13 Punkte just in der Phase machte, als das Spiel zu kippen drohte, sowie Flügelspieler Vladimir Lucic. Der Serbe sorgte dafür, dass der Sieg letztlich standesgemäß erschien: Er erzielte neun seiner ebenfalls 13 Punkte im Schlussviertel.

Personelle Entlastung ist vorerst nicht zu erwarten, wie Trainer Radonjic sagte. Bei Maccabi Tel Aviv am Donnerstag und gegen die BG Göttingen am Sonntag muss er mit dem Personal zurechtkommen, das er hat. Das Comeback von T.J. Bray nach seiner Fuß-Operation ist sowieso erst für Anfang 2020 avisiert, und Josh Huestis sowie Nihad Djedovic befinden sich weiter in der Reha nach Knieproblemen. "Ohne Training hat es keinen Sinn", sagt Radonjic, "sie müssen erst mal wieder mit der Mannschaft trainieren."