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FC Bayern Basketball:Lektion gelernt

Deutschland Bamberg Brose Arena 30 12 2018 Basketball 1 Bundesliga BBL Brose Bamberg vs FC; Basketball

Mein Ball: Bei Leon Radosevic ist eine Leistungssteigerung zu erkennen. Im Hinspiel gegen Efes Istanbul fremdelte der FCB-Zugang noch, mittlerweile kommt der Center wie hier gegen Bamberg immer besser in Schwung.

(Foto: Ryan Evans / imago)

Der FC Bayern startet bei Efes Istanbul in die Rückrunde der Basketball-Euroleague. Aus der hohen 71:90-Niederlage zum Saisonauftakt gegen die Türken haben die Münchner ihre Konsequenzen gezogen.

Der Jahreswechsel ist eine willkommene Gelegenheit, um Bilanz zu ziehen. Was war gut? Was war schlecht? Was muss sich ändern? Im Falle der Basketballer des FC Bayern München ist der Zeitpunkt für eine Bestandsaufnahme besonders passend, denn am Mittwoch (18.30 Uhr) gastiert der deutsche Double-Gewinner bei Anadolu Efes Istanbul, die Hälfte aller Partien in der Euroleague ist somit absolviert. Ziel in dieser Saison im höchsten europäischen Wettbewerb ist die Teilnahme an der K.o.-Runde, ein Platz unter den ersten Acht also, mit dem beruhigenden Zusatz: kann, muss aber nicht. Zur Halbzeit stehen die Münchner auf dem sechsten Tabellenplatz, es sieht momentan stark nach "kann" aus. Efes Istanbul, eines von drei gleich Teams aus der türkischen Metropole, war der erste Gegner der Euroleague-Saison, die weitere 15 Spiele vorsieht. Nach einer 71:90-Pleite sah es noch nach "muss nicht" aus, doch seither hat sich vieles verändert.

Vor allem physisch waren die Türken den Bayern hoch überlegen, was nicht nur an ihrem 2,18-Meter-Riesen Tibor Pleiß lag; der deutsche Nationalspieler war lediglich ein Musterbeispiel für den Unterschied. Die Bayern hatten den robusten Gästen wenig entgegenzusetzen, wirkten zaghaft, vor allem die Bamberger Zugänge Maodo Lo und Leon Radosevic fremdelten. Istanbul profitierte von seinem hochkarätig und breit besetzten Kader, Trainer Ergin Ataman musste nur die ersten Minuten abwarten, bis Kollege Dejan Radonjic in die Rotation gehen musste. Istanbul ersetzte die NBA-erprobten Guards Shane Larkin und Rodrigue Beaubois durch den Serben Vasilije Micic und den Türken Dogus Balbay, beide sind Spielgestalter in ihren jeweiligen Nationalteams. Das Spiel wurde sogar beschleunigt, die Bayern dagegen erlebten durch den Einsatz der zweiten Garnitur einen Einbruch. Und genau hier hat eine augenfällige Entwicklung gegriffen.

Spielmacher Lo hat sich als wertvolle Alternative für Regisseur Stefan Jovic etabliert, Center Radosevic zeigt seit dem verletzungsbedingten Ausfall von Devin Booker eine stetig steigende Tendenz in seiner Leistungskurve. Am vergangenen Sonntag gelang ihm beim 80:75-Sieg an alter Wirkungsstätte in Bamberg seine bisher wohl beste Vorstellung.

Im gewaltigen Sinan Erdem Dome, der 16 500 Zuschauer fasst, werden also die selben Spieler, aber eine andere Münchner Mannschaft auflaufen. Zumal es ja noch Derek Williams gibt, der den Start in die Euroleague wegen Trainingsrückstands noch auf der Tribüne miterlebte. Mittlerweile fungiert der muskelbepackte und NBA-bewährte Flügelstürmer als eine Art Indikator für das Spiel der Bayern. Radonjic bringt ihn nach wie vor gerne von der Bank, um den Rhythmus einen Takt nach oben zu treiben. Und nicht zuletzt der Trainer höchstselbst hat in jüngerer Vergangenheit einen Fortschritt in seinem Coaching offenbart. Hatte der Montenegriner im bisherigen Saisonverlauf zu oft den selben Spielern vertraut, so verteilt der Trainer seit dem Scheitern im Pokal-Viertelfinale vor heimischem Publikum gegen Alba Berlin die Spielzeit auf deutlich mehr Schultern. Gerade Braydon Hobbs, im Meisterjahr noch wichtiger Akteur in der Kreativabteilung, wurde von Radonjic allzu oft übersehen. Auch Robin Amaize, immerhin als Perspektivnationalspieler gekommen, erhält zusehends Gelegenheit, dieses Prädikat unter Beweis zu stellen. Man darf annehmen, dass der Trainer ein paar dezente Hinweise von der Sportlichen Leitung erhalten hat, was natürlich niemand so bestätigen würde.

Aber sowohl Sportdirektor Daniele Baiesi als auch Geschäftsführer Marko Pesic verfügen über genügend Fachwissen und Qualifikation, um Radonjic neben einer anderen Perspektive auch wertvollen Input geben zu können. Vorgänger Aleksandar Djordjevic erwies sich bekanntlich als beratungsresistent, was ihn letztlich den Job kostete. Die eineinhalb freien Tage zum Jahresabschluss dürften ob des brutalen Programms der Laune und den Kräften zuträglich gewesen sein, die ehrabschneidende Heimniederlage gegen Istanbul jedenfalls ist lange verdaut: "Das erste Spiel gegen Efes war eine Lehrstunde für uns. Wir haben aber anschließend gezeigt, dass wir es besser können und aus Fehlern lernen", sagt Center Radosevic. Man wolle nun "deutlich stärker und physischer auftreten, dann ist immer alles möglich." Schließlich gelte es, die gute Bilanz auszubauen.