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FC Bayern Basketball:Keine Zeit für Träume

l r im Zweikampf Aktion mit Adrien Moerman 18 Anadolu Efes Istanbul Vasilije Micic 22 Anadol

Immer auf dem Sprung: Am Mittwochabend verlor Nihad Djedovic (am Ball) mit dem FC Bayern noch bei Anadolu Efes Istanbul, am Sonntag schon geht es in der Bundesliga zu Hause gegen Bayreuth weiter.

(Foto: kolbert-press/Matthias Stickel)

Nach einer miserablen ersten Hälfte unterliegen die Bayern in der Euroleague bei Anadolu Istanbul. Am Sonntag gastiert in der Bundesliga Bayreuth.

Immerhin war die Abflugzeit einigermaßen entspannt, in Istanbul ticken die Uhren der deutschen Zeit bekanntlich zwei Stunden voraus. Die Basketballer des FC Bayern sind stressigere Reisen gewöhnt, wie Nihad Djedovic anmerkte. Seine Laune war dennoch nicht die beste, als er am Flughafen der türkischen Metropole im Kreis seiner Sportkameraden auf den Flieger wartete, der den Münchner Tross zurück in die Landeshauptstadt brachte. Das wiederum lag am Donnerstagabend, der aus sportlicher Sicht für Djedovic und Kollegen ein unschönes Ende gefunden hatte. "Wenn man gegen eine Mannschaft wie Anadolu Istanbul nicht 40 Minuten lang konzentriert spielt, dann hat man keine Chance zu gewinnen", befand der Münchner Forward, kurz bevor er Richtung Heimat abhob.

Weil den Bayern diese Fokussierung nicht gelungen war, hatten sie eine 77:92-Niederlage im Gepäck, die vor allem einer schwachen ersten Halbzeit geschuldet war. "Wir haben schlecht verteidigt und offensiv schlechte Würfe genommen", erklärte Djedovic, was es Istanbul in der Defensive leicht machte und in der Offensive viele freie Würfe ermöglichte. Und dieser Kader hat die Klasse, solche Einladungen auch anzunehmen. Vor allem Vasilije Micic, der fünf Jahre zuvor im Trikot des FC Bayern noch als zu leicht für die hohen Ambitionen des aufstrebenden deutschen Meisters befunden wurde, zeigte seinem ehemaligen Arbeitgeber, welche Entwicklung er genommen hat. Um es kurz zu machen: Der Anadolu-Spielmacher war in den ersten beiden Vierteln schlichtweg nicht zu stoppen. Micic setzte seine Mitspieler in Szene, Micic gab dem Spiel seines Teams Tempo und Ideen, Micic traf nach Belieben. 18 Punkte (von 20 insgesamt) allein in der ersten Halbzeit steuerte er bei, dem hatten die Bayern nicht viel entgegenzusetzen. Entsprechend bedient war Trainer Dejan Radonjic. Seine funkelnden Augen verrieten, wie es in ihm brodeln musste. 55 Punkte hatten die Seinen kassiert, in einer Halbzeit! Wo der Montenegriner doch mantraartig immer wieder die Bedeutung einer guten Abwehrarbeit betont. "Wir müssen einfach besser verteidigen", zischte Radonjic in ein Mikrofon, das ihm auf dem Weg aus der Kabine von einer Euroleague-Mitarbeiterin unter die Nase gehalten wurde.

Immerhin hatte er in der Pause die richtigen Worte gefunden, denn fortan verteidigte sein Team giftiger, setzte die Türken unter Druck, überließ ihnen deutlich weniger Raum und einfache Würfe. Selbst trafen die Münchner nun besser, kamen so zu Läufen - und Istanbul zeigte Wirkung. Es gelang den Bayern, die 19 Punkte Rückstand zur Pause (36:55) zu verkürzen, im letzten Durchgang hatten sie zweimal sogar die Chance, aussichtsreich aufzuschließen. Erst verkürzte Vladimir Lucic fünf Minuten vor dem Ende auf 68:77, doch der Dreier von Braydon Hobbs wollte nicht fallen. Dann brachte Djedovic sein Team knapp drei Minuten vor dem Ende auf sieben Punkte heran, doch der Franzose Adrien Moerman, einer von vier Istanbuler Spielern, die zweistellig trafen, beendete mit fünf Punkten nacheinander auch die letzten Hoffnungen auf die Wende - ein weiteres Indiz für die große Qualität des Anadolu-Kaders, mit dem die Türken nach eigener Aussage das Final-Four zu erreichen gedenken. Eines Kaders, in dem Spieler wie Center Tibor Pleiß oder die NBA-erfahrenen Shane Larkin und James Anderson zur zweiten Garnitur zählen.

Die Münchner konnten wenigstens die Gewissheit mit nach Hause nehmen, auch mit einem potenziellen Endrundenteam mithalten zu können, zumal Regisseur Stefan Jovic wegen eines fiebrigen Infekts hatte kurzfristig passen müssen und in Derrick Williams der überragende Akteur der vergangenen Wochen seine Form nicht fand. Das kraftraubende Programm war nicht nur dem NBA-erfahrenen Amerikaner anzumerken: "Natürlich sind wir alle müde", gab Djedovic zu, doch darauf könne man sich nicht zurückziehen. Jeder Gegner erleide dieses Schicksal, erinnerte der Deutsch-Bosnier, der mit 13 Punkten zweitbester Werfer nach Topscorer Lucic (14) war. Er sah den Grund für die Niederlage vielmehr darin, "dass die ganze Mannschaft schlecht gespielt hat".

Ein Ende der Strapazen ist nicht in Sicht, schon am Sonntag (15 Uhr) gastiert der Bundesliga-Vierte Bayreuth zum Kräftemessen im Audi Dome. Ausgerechnet Bayreuth, das mit der Empfehlung eines 94:84-Auswärtssiegs im Frankenderby bei Brose Bamberg anreist, worauf der Klub 21 Jahre lang hatte warten müssen. Entsprechend selbstbewusst geben sich die Oberfranken. Nationalteam-Center Andreas Seiferth formulierte nach dem Sieg in Bamberg schon mal einen Gruß an die Bayern: "In München wollen wir auch gewinnen." Zumal der Druck auf Seiten des ungeschlagenen Tabellenführers liege.

"Eine gute Mannschaft, die mit Rückenwind nach München kommt", findet Djedovic, "da müssen wir schon unser bestes Spiel spielen, um zu gewinnen." Das ist nichts Neues.