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FC Bayern Basketball:Internationale Härte

Lukas MEISNER 17 BT vs Derrick WILLIAMS 23 FCB Basketball FC Bayern FCB medi Bayreuth

Die Mitspieler suchen ihn: Derrick Williams (re.) war auch gegen Bayreuth mit seiner Physis und Routine der Mann für die entscheidenden Momente.

(Foto: Oryk Haist/Imago)

Das 101:95 gegen Bayreuth, 14. Sieg im 14. Bundesliga-Saisonspiel, bestätigt die Prognose von Ex-Trainer Pesic: Dank seiner Euroleague-Erfahrung bewahrt der Meister nun auch in engen Spielen Ruhe.

An dieser Stelle sei an Svetislav Pesic erinnert, jenen so erfolgreichen wie rauflustigen Basketballlehrer, der momentan den FC Barcelona zu alter Blüte führen soll. In ähnlicher Mission war der Serbe vor sieben Jahren zum FC Bayern München gestoßen, als dessen schillerndes Basketballprojekt schwer ins Wanken geraten war. Kurz vor Saisonstart wurde sensationell Dirk Bauermann entlassen, die sportliche Leitung um Präsident Uli Hoeneß bezweifelte dessen Fähigkeiten, den Klub an die nationale Spitze zu führen. Co-Trainer Yannis Christopoulos war mit dem Posten im Zentrum des Sturms überfordert, die prominenteste aller Optionen wurde gezogen.

Dazu gibt es eine nette Geschichte: Pesic war zu Gast im Audi Dome bei der Niederlage gegen Braunschweig, die Christopoulos den Job kostete. Es gab eine Krisensitzung, von der Pesic senior auf der Heimfahrt am nächsten Tag von seinem Sohn Marko, damals wie heute Geschäftsführer, einen Anruf bekam. Uli Hoeneß bat ihn umzudrehen: Kurz darauf war Pesic Bayern-Coach, zwei Jahre später feierte er den Meistertitel.

Pesic hat die Basketballhistorie des FC Bayern um viele Geschichten bereichert, sein Vermächtnis ist die Richtung, die er dem Klub vorgab: nach oben. Wofür er eines stets als unerlässlich anführte: "Wir brauchen Spiele auf höchstem internationalen Niveau, nur so kann man eine Mannschaft zur europäischen Spitze entwickeln." Was damals mancher nicht so recht verstehen wollte, als die Bayern per Wildcard in der Euroleague mitmachten und eine Niederlagen nach der anderen kassierten. Mittlerweile ergibt Pesics Forderung Sinn. Das zeigte das 101:95 nach Verlängerung am Sonntag gegen Bayreuth. Bis zur Halbzeit war der FCB das dominierende Team, versäumte lediglich, sich zeitig abzusetzen. Die Oberfranken jedoch, die klar schlechter besetzt sind als der deutsche Double-Gewinner, ließen sich nicht abschütteln und gingen im finalen Viertel tatsächlich erstmals in Führung: Der Dreier von Bayreuths Kassius Robertson zum 78:76 zweieinhalb Minuten vor dem Ende war nicht nur die unglaubliche Pointe auf ein bis dahin verrücktes Spiel, es war auch ein Nackenschlag von einer Qualität, der die Bayern aus den Vorjahren wohl ausgeknockt hätte. Nicht aber dieses Team, das Spieler in seinen Reihen hat, die in zahllosen Duellen derartige Situationen erlebt haben. Spieler, die in kniffligen Momenten die Ruhe bewahren, die genau dann die richtige Entscheidung treffen.

Was sich am Sonntag an vielen Beispielen festmachen ließ: An Danilo Barthel etwa, der einen völlig freien Dreipunktewurf verweigerte, obwohl er im Angriff davor sehr sicher getroffen hatte. Der Münchner Kapitän wählte die sichere Variante, zog zum Korb, bekam das Foul und erzielte zwei sichere Punkte von der Freiwurflinie. Oder Vladimir Lucic und Nihad Djedovic, die in der Lage sind, die entscheidenden Würfe zu versenken. Beide hatten bei komfortabler Führung überraschender Weise leichte Korbleger vergeben - in der Overtime waren sie zur Stelle. Oder Derrick Williams, den die Mitspieler in der entscheidenden Phase suchten, anstatt es selbst zu versuchen. Denn der Amerikaner hat derlei Situationen tausendfach in der NBA erlebt, weiß mit Druck umzugehen, er machte mit seiner Physis und Routine auch am Sonntag letztlich den Unterschied. Dabei hätte eine Niederlage keinen großen Schaden angerichtet, die Serie von mittlerweile 14 Siegen in 14 Spielen hätte zwar ein Ende gefunden, aber sonst?

Der erste Verfolger Oldenburg kassierte in München eine deutliche Niederlage, muss zudem noch alle Spiele gegen Berlin und Bamberg bestreiten. Vorjahresfinalist Berlin, der vermeintlich ärgste Kontrahent im Titelrennen, kassierte am Wochenende bereits die dritte Niederlage - in Braunschweig. Bamberg ist mit vier Niederlagen schon ein Stück weit abgehängt, alle BBL-Topteams werden sich weiterhin Punkte abnehmen. Eine Niederlage gegen Bayreuth wäre also nicht sexy, aber zu verschmerzen gewesen. Doch diese Auswahl, die in den verletzten Milan Macvan und Devin Booker sowie dem erkrankten Stefan Jovic drei wichtige Spieler zu ersetzen hatte, zeichnet eine enorme Wettkampfhärte aus, sie ist resistenter gegen Rückschläge, hat die nötige mentale Stärke, Niederlagen schnell abzuhaken und den Blick nach vorne zu drehen. Diese ist mit Selbstbewusstsein und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten gesegnet. Man darf ihr auch im internationalen Geschäft einiges zutrauen.

In Mailand war das etwa zu beobachten. Die Bayern kontrollierten das Spiel - bis in die Schlussphase. Eine Minute vor dem Ende drehte Mailand, eine mit hochkarätigen Spielern gespickte Mannschaft, die Partie, führte mit vier Punkten. Aber die Münchner blieben ruhig, offenbarten in den Schlusssekunden großes Selbstvertrauen und brachten das Spiel zu einem guten Ende: 80:78. Momentan liegt der FC Bayern als Achter in einem engen Klassement aussichtsreich im Rennen um die K.o.-Runde, am Mittwoch folgt die Partie in Athen, am Freitag schon gastiert der italienische Meister zum Rückspiel im Audi Dome.

Es ist noch ein weiter Weg, doch diesem Kader sind die Euroleague-Playoffs zuzutrauen. Das ist bisher noch keiner deutschen Mannschaft gelungen - und hier kommt wieder Svetislav Pesic ins Spiel. Der Altmeister hatte immer betont, dass dieser Verein auf absehbare Zeit zur europäischen Spitze zählen wird.