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FC Bayern:Alle unter einem Dach

Gastgeber Marko Pesic erwartet von dem dreiwöchigen Basketball-Finalturnier in München die "interessanteste Meisterschaft überhaupt".

Der bayerische Ministerpräsident überließ dieses Mal seinem Staatskanzleichef die Bühne. Also überbrachte Florian Herrmann die frohe Botschaft: Die Basketball-Bundesliga (BBL) wird den deutschen Meister sowie die Teilnehmer an den internationalen Wettbewerben im sportlichen Wettstreit ermitteln. Der von der Politik positiv bewertete Re-Start der Fußballer sowie das schlüssige Hygiene- und Sicherheitskonzept, das Hermann als eine Art Quarantäneturnier lobte, gaben dabei wichtige Impulse.

Die Eckdaten sind längst bekannt: Zehn Teams spielen in zwei Gruppen, jeder gegen jeden, die besten Vier werden über Kreuz im Best-of-two-Modus erst Viertel-, dann Halbfinale und Finale spielen. Der Modus mit Hin- und Rückspiel soll die zuletzt häufig thematisierte Belastung der Spieler während des rund dreiwöchigen Turniers, das am 6. Juni beginnen und am 28. Juni enden soll, in Grenzen halten. Sollte in der K.-o.-Runde je ein Team einmal gewinnen, werden die Ergebnisse addiert und so der Sieger ermittelt, der exakte Spielplan wird noch erstellt. Die Finalisten um die deutsche Meisterschaft 2020 müssten insgesamt zehn Spiele bestreiten.

Zwei Nachverpflichtungen sind möglich, Meister München prüft die Option bis Ende der Woche

Sämtliche 36 Partien werden vom Pay-TV-Sender Magentasport und von FCBayern.tv live gezeigt. Trotz der vielen Unkenrufe vor dem Turnier bezüglich der Qualität einer so kurzfristig auf die Beine gestellten Veranstaltung darf der geneigte Fernsehzuschauer - in die Halle darf keiner - auf hochklassigen Sport hoffen. Von den zehn bestplatzierten Bundesligaklubs fehlt nur der Tabellenachte Würzburg, für den Frankfurt (14.) einspringt. In der Gruppe A trifft Titelverteidiger und Gastgeber München auf Oldenburg, Göttingen, Crailsheim und Ulm, in Gruppe B wetteifern Ludwigsburg, Berlin, Vechta, Bamberg und Frankfurt um den Gruppensieg.

In Meister Bayern München, den Riesen Ludwigsburg, Pokalsieger Berlin und den Baskets Oldenburg treten vier der fünf aktuell Topplatzierten in Bestbesetzung an, lediglich beim FC Bayern München ist das Mitwirken von Center Greg Monroe noch offen. Spielmacher T.J. Bray ist am Samstag aus den USA nach München zurückgekehrt, im NBA-erfahrenen Monroe würde aber der bisher beste Punktesammler fehlen. Ob der außergewöhnlichen Situation hat die BBL zwei Nachverpflichtungen erlaubt, wovon einige Mannschaften bereits Gebrauch gemacht haben. Wie etwa die im Abbruch-Ranking drittplatzierten Merlins Crailsheim, die für Spielmacher Jan Span und Center Aaron Jones in David Brembly (Mitteldeutscher BC) und Marvin Ogunsipe (Hamburg Towers) sich bei zwei nicht teilnehmenden Konkurrenten bedient haben. Auch Rasta Vechta hat sein Kontingent ausgeschöpft: Der Vorjahres-Halbfinalist muss zwar auf vier amerikanische Legionäre sowie den deutschen Center Justin Raffington verzichten, der wegen eines Corona-Falls im engeren Umfeld passen muss, hat aber im slowenischen Europameister Matic Rebec und dem Polen Jaroslaw Zyskowski interessantes Ersatzpersonal gefunden.

Auch FC-Bayern-Geschäftsführer Marko Pesic hält sich diese Option offen: "Wir schauen, wie sich die Spieler fühlen, ein paar sind verletzt und Bray hat den Ball seit zwei Monaten nicht mehr in der Hand gehabt. Wenn es Bedarf gibt, werden wir uns bis Ende der Woche umschauen und eine Entscheidung treffen." Pesic, der die Fortführung der Saison stets befürwortet hat, kann dem Format einiges abgewinnen: "Das wird die interessanteste Meisterschaft überhaupt. Teams, die vor der Krise chancenlos wirkten, können nun mit wenigen Spielen Meister werden. Das gab es noch nie, das wird ein total spannendes Turnier." Womit auch Bamberg gemeint sein dürfte. Der ehemalige Serienmeister muss zwar auf die verletzten Bryce Taylor und Louis Olinde verzichten, hat aber alle amerikanischen Topspieler einfliegen lassen. Ein starkes Turnier wäre eine gute Gelegenheit, die internen Verwerfungen um den Ausstieg des Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Stoschek sportlich zu übertünchen.

© SZ vom 20.05.2020

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