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Euroleague:Moskauer Märchen

Maodo Lo (re.) (FC Bayern), Sergio Rodriguez (Olimpia Mailand) / Basketball / Euroleague / FC Bayern Basketball - Olimp

Gegen Frankfurt geschont, gegen Moskau wieder umso mehr als Dirigent und Antreiber des Münchner Ensembles gefordert: Bayern-Spielmacher Maodo Lo.

(Foto: Imago)

Trotz eines riesigen Etats und einer Top-Mannschaft ist ZSKA sportlich in Reichweite für die Basketballer des FC Bayern München. Hoffnung macht der frühe Zeitpunkt in der Saison - und Maodo Lo.

Von Ralf Tögel

Es war ja viel die Rede von der Qualität des höchsten europäischen Basketball-Wettbewerbs in der gerade angelaufenen Saison. Marko Pesic, der Geschäftsführer des FC Bayern München, befand, dass die Euroleague noch nie so stark aufgestellt war. Was schlichtweg daran liege, dass vor allem die gut betuchten Klubs auf dem Transfermarkt in bislang ungekanntem Maße investiert hätten - der FC Barcelona oder ZSKA Moskau an erster Stelle. Aber auch Pesic selbst war zusammen mit seinem Sportdirektor Daniele Baiesi - das Duo verantwortet die Bauarbeiten am Münchner Kader - besonders rege bei der Arbeit, was den eigenen Verein ebenfalls in neue Dimensionen bringen soll. Vom deutschen Meister wird daher erwartet, das zu bewerkstelligen, was noch keiner Mannschaft aus der Basketball-Bundesliga (BBL) gelungen ist: das Erreichen der K.-o.-Runde der besten acht Teams in Europa. Nach dem Sieg zum Debüt über die hoch eingeschätzten Norditaliener aus Mailand, die sich ebenfalls namhaft verstärkt haben, kann der FC Bayern an diesem Donnerstag (19 Uhr) zwei weitere Zähler für das erklärte Ziel sammeln.

Die würden allerdings in die Kategorie "unerwartet" fallen, denn der Gastgeber ist nicht nur der aktuelle Champion, sondern eben eines jener Teams, die sich einer besonders großzügigen Alimentierung erfreuen. Zwar wird der frühere Sportklub der Roten Armee nicht mehr direkt von Väterchen Staat finanziert, doch dafür sind staatliche Konzerne eingesprungen. Dem gewaltigen Etat hat dies keinen Abbruch getan, er dürfte sich der 40-Millionen-Euro-Grenze nähern. Die Münchner müssen mit etwas mehr als der Hälfte zurechtkommen. Das Alleinstellungsmerkmal bezüglich der Tiefe ihres Geldspeichers haben die Russen allerdings verloren. Die spanischen Großklubs Real Madrid und vor allem der FC Barcelona haben dem Vernehmen nach mindestens aufgeschlossen. Was in diesen beiden Fällen an den üppigen Querfinanzierungen der jeweils märchenhaft investitionsfreudigen Fußballsparten liegt. Vor allem die stolzen Katalanen haben den Angriff auf die europäische Krone generalstabsmäßig geplant, was deren Trainer Svetislav Pesic mit Spielern wie den NBA-Zugängen Nikola Mirotic oder Malcolm Delaney bewerkstelligen soll. Auch der neue Moskauer Kader ist mit internationalen Topspielern gespickt. Unter anderem holten die Russen in Mike James den besten Scorer der Vorsaison aus Mailand. Neu sind auch Center Kosta Koufos und Guard Ron Baker, beide wurden aus der NBA in die russische Metropole transferiert. Dazu kam Johannes Voigtmann, den auch die Bayern gerne vom spanischen Klub Baskonia Vitoria zu sich geholt hätten. Der deutsche National-Center entschied sich für den Titelverteidiger.

Trotz der klingenden Namen im Kader der Gastgeber dürfte der Zeitpunkt für einen sportlichen Vergleich nicht der schlechteste sein. Denn wie schon in der Vorwoche bei Olimpia Mailand zu beobachten, greifen auch die Moskauer Rädchen noch nicht geräuschlos ineinander. Beleg sind die beiden Niederlagen in der VTB-League, zuletzt gegen St. Petersburg, das seinerseits den ersten Euroleague-Auftritt in Berlin verlor. In der Euroleague setzte sich ZSKA hingegen 96:71 in Valencia durch. "Ich weiß nicht, ob ZSKA diesmal der Topfavorit ist, denn viele Teams suchen sich noch, auch wir", erklärt Bayern-Flügelspieler Paul Zipser selbstbewusst. Der Nationalspieler war neben seinem finnischen Teamkollegen Petteri Koponen am Sonntagabend maßgeblich dafür verantwortlich, dass den Bayern nicht ein ähnliches Malheur wie ZSKA unterlief. Der deutsche Meister gewann in letzter Minute 81:77 in Frankfurt. "Und der Champion hat es immer noch schwerer, weil jeder gegen ihn nicht 100, sondern 120 Prozent geben will, genau wie jetzt wir", sagt Zipser, der dieses Schicksal aus der BBL bestens kennt.

In Hessen offenbarten die Münchner ebenfalls noch Abstimmungsprobleme. Es gilt für Trainer Dejan Radonjic also weiterhin, die Neuen zu integrieren. Allerdings darf der Montenegriner auf einen eingespielten Kern zählen, was schon beim 78:64-Auftakterfolg gegen Mailand den Ausschlag gegeben hat. Vladimir Lucic, Nihad Djedovic und Maodo Lo stachen dabei heraus, was die Breite im Kader bestätigt. In Frankfurt nämlich wurde Spielmacher Lo wegen muskulärer Probleme geschont, in Moskau soll der Nationalspieler die Münchner wieder führen.

Der Gastgeber zähle trotz aller Anlaufschwierigkeiten zu den Titelfavoriten, stellt Radonjic klar, was aber kein Grund sei, dort nicht zu überraschen.

© SZ vom 10.10.2019

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