Emotionales Derby Gut gemixt

Deisenhofen gewinnt in Unterföhring 2:0 und steigt erstmals in die Bayernliga auf. Der FCU will den Kader trotz des zweiten Abstiegs in Folge zusammenhalten.

Von Christian Bernhard, Unterföhring

Franz Perneker ging erst einmal ein paar Meter zurück, der blau-weiße Trubel war ihm doch etwas zu groß. Dann lehnte er sich glücklich beseelt an die Werbebanden und sagte: "Wenn der Fußballgott ein bisschen von oben runter geschaut hat, konnte es nur einen Sieger geben." Der kaputte Weißbier-Humpen auf der verlassenen Trainerbank neben ihm machte deutlich, dass alles nach Plan verlaufen war - den Fußballgott brauchten die Deisenhofener in der Relegation gar nicht. Nach dem 1:1 im Hinspiel machten sie am Samstag mit einem verdienten 2:0-Sieg in Unterföhring den ersten Bayernliga-Aufstieg der Vereinsgeschichte perfekt. Der lautstarke Fanblock übernahm mit dem Schlusspfiff die Organisation der Feierlichkeiten auf dem Rasen, die am Abend am Vereinsgelände und am Sonntag am Rathaus fortgesetzt wurden.

Ein Isländer trotzt den Fluten: Oben wird Aufstiegstrainer Hannes Sigurdsson gefeiert.

(Foto: Claus Schunk)

Perneker, Sportlicher Leiter des FCD, machte für den Aufstieg die Mischung der drei vergangenen FCD-Trainer verantwortlich. Man dürfe den Erfolg nicht nur auf den aktuellen Coach Hannes Sigurdsson reduzieren, sagte er. Dieter Meixelsberger habe dem Verein die auf spielerischem Fußball beruhende Idee "massiv eingebläut", erklärte er, Peter Schmidt habe daraufhin die Defensive strukturiert. Und Sigurdsson, der Aufstiegstrainer, habe "das Isländische" mitgebracht, die Mentalität. Diese Mixtur habe zum Erfolg geführt.

"Wir müssen es erst einmal verkraften und dann damit leben", sagt FCU-Präsident Edelmann

Die Vereinsphilosophie soll auch in der Bayernliga beibehalten werden. "Wir werden nicht Geld in die Hand nehmen und irgendwelche Möchtegernspieler verpflichten, um den Klassenerhalt zu schaffen, sondern auf unserem Weg weitergehen", betonte Perneker. Die Weichen dafür sind bereits gestellt: Vom Kader aus dem Relegations-Rückspiel bleiben dem Sportlichen Leiter zufolge bis auf Ersatzspieler Rudi Gerhartsreiter alle Spieler. Dazu kommen erst einmal zwei neue Spieler, die er noch nicht nennen wollte, und "drei bis sechs gute A-Jugend-Spieler" aus dem eigenen Nachwuchs. Sigurdsson trägt diesen Ansatz voll und ganz mit. Er bezeichnete den aktuellen Kader als "überragend" und "zu gut für die Landesliga". Mehr als drei externe Verstärkungen wolle er nicht. Der Rest werde sich zeigen. "Unsere Spieler haben keine Bayernliga-Erfahrung, unsere Trainer haben keine Bayernliga-Erfahrung und wir Verantwortliche haben auch keine Bayernliga-Erfahrung", sagte Perneker. "Wir lassen es auf uns zukommen."

Unter anderem feiert der ehemalige Profi Roman Tyce (mit Sonnenbrille) mit.

(Foto: Claus Schunk)

Im Hinspiel hatte Deisenhofen Probleme mit der Chancenverwertung gehabt. Am Samstag machten sie es bereits in der siebten Minute besser, als Michael Bachhuber einen langen Ball schick mit rechts zum 0:1 ins lange Eck beförderte. Der Landesligist hatte erneut die bessere Spielanlage, Unterföhring kombinierte sich in der ersten Halbzeit nicht einmal in den gegnerischen Strafraum. Die gefährlichste Aktion war ein starker Weitschuss von Leonard Mayer, der an den Außenpfosten ging (34.). Nach der Pause flog Unterföhrings Ajlan Arifovic mit Gelb-Rot vom Platz (64.). Die Gäste hatten alles im Griff und Valentin Köber eröffnete mit seinem 0:2 in der Nachspielzeit die Feierlichkeiten. "Wie wir heute defensiv und offensiv gestanden sind, war überragend", sagte Sigurdsson.

Ein vierbeiniger Fan.

(Foto: Claus Schunk)

Die Unterföhringer hatten ihren Platz in Windeseile der feiernden Gästemeute überlassen. Trainer Zlatan Simikic wollte sich zum Spiel und Abstieg nicht äußern, Luka Coporda, sein spielender Co-Trainer, bemängelte fehlende offensive Durchschlagskraft. Der frühere Präsident Franz Faber hatte es schon zu Beginn der zweiten Halbzeit nicht mehr auf der Auswechselbank ausgehalten, auf der er kurzzeitig inmitten der Spieler Platz genommen hatte. Sein Nachfolger Matthias Edelmann legte in Hälfte zwei am Spielfeldrand seinen Arm um Simikic, doch das konnte den zweiten Abstieg in Serie auch nicht verhindern. "Wir müssen es erst einmal verkraften und dann damit leben", sagte Edelmann.

Der Plan für die kommende Landesliga-Saison steht schon. Simikic bleibe Trainer, der Kader stehe "im Großen und Ganzen auch". Die Achse Coporda-Lüftl-Faber-Marinkovic sei Teil der 14, 15 Spieler, die trotz des Abstiegs bleiben sollen. "Wir haben die Basis geschaffen", so Edelmann weiter. Obwohl der Präsident betonte, dass es immer "wesentlich schwieriger" sei hochzukommen, als die Klasse zu halten, sieht Coporda in der Landesliga auch eine Chance. Es gehe nun darum, sich neu zu finden, sagte der Abwehrspieler, "vielleicht hat man in der Landesliga mehr Zeit, um die Mannschaft zu entwickeln." Deisenhofen muss sich dagegen erst einmal ein Jahr lang keine Landesliga-Gedanken machen.