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Eishockey:Wege in die Niederlage

Trügerisch: Nach den zwei Treffern durch Shawn Weller (links) deutete gegen Landshut einiges auf einen Erfolg der Tölzer Löwen hin.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Tölzer Löwen verlieren in der DEL2 erneut zwei Partien - und ihren 27-jährigen Angriefer Max French, der nach einem derben Kniecheck für fünf Spiele gesperrt ist.

Augenzeugen berichteten später von einem breiten Grinsen. Vermutlich hatten sie richtig beobachtet. Jeder, der diesen Mann mit der markanten Brille und den inzwischen doch recht angegrauten Haaren kennt, der da eben durch das Bistro des Tölzer Eisstadions geschlendert war und unterwegs allerhand Glückwünsche eingesammelt hatte, weiß auch um dessen Fähigkeit, ganz erstaunlich breit zu grinsen. Und jeder der Anwesenden kannte ihn nun mal. Doch als Axel Kammerer, der Tölzer Aufstiegstrainer von 2017, zum Mikrofon griff, um bei der Pressekonferenz den Sieg seines Aufsteigers EV Landshut bei seinem alten Klub zu kommentieren, ein 6:5 nach Verlängerung, da war das Grinsen spurlos verschwunden. Wäre die Szene ein Stummfilm gewesen, man hätte anhand der Bilder nicht erkennen können, wessen Team da gerade triumphiert hatte, das des besorgt dreinblickenden Kevin Gaudet, oder das des betont ernst vor sich hin analysierenden Kammerer. Gravierendster Unterschied zwischen den 55-Jährigen: Gaudet trägt keine grauen Haare.

Dabei hätten genau die wunderbar zu seinen Ausführungen gepasst. "Seit ein paar Spielen bin ich manchmal sprachlos", sagte Gaudet nachdenklich. Vor allem die 20 Gegentore in den zurückliegenden drei Partien dürften dafür verantwortlich sein, für die er keine wirkliche Erklärung hatte. Es ist ja noch keine zwei Wochen her, da hatte er den Auftritt beim 4:0 in Dresden als "perfekt" bezeichnet, die Tölzer Löwen waren Tabellenzweite, punktgleich mit Spitzenreiter Kassel. Nun stehen sie nach vier Niederlagen in Serie auf Rang acht. "Wir müssen einen Weg finden, schlauer zu sein", merkte Gaudet an, womit er vor allem die zurückliegende Partie vom Sonntag gegen Landshut meinte, als sein Team 3:1 führte nach Treffern von Stefan Reiter (Solo in Unterzahl) und zweimal Shawn Weller, sich fortan in der Verteidigung allerdings ziemlich ungeschickt anstellte. "Derzeit finden wir nur Wege, Spiele zu verlieren", fasste Gaudet die Lage zusammen. Beide Teams hätten "mit offenem Visier" gespielt, formulierte Kammerer.

Zwei Tage zuvor beim 5:9 in Bietigheim,

Gaudets ehemaligem Verein, da war es noch um einiges wilder hin- und hergegangen. 4:4 stand es eine Viertelstunde vor dem Ende, 87 Sekunden später lagen die Gäste 4:7 zurück. Und 54 Sekunden vor der Schlusssirene geschah etwas, das selbst auf Gaudets Kopf ein paar graue Haare hätte rechtfertigen können. Max French, nach Gaudets Ansicht "der beste Spieler der Liga", leistete sich einen derben Kniecheck gegen Alexander Preibisch. "Dumm", fand Gaudet die Szene, deretwegen der 27-jährige Angreifer nun für fünf Spiele gesperrt ist. Es ist die zweite lange Sperre nach der gegen Weller, der bereits vier Partien aussetzen musste; und das zusätzlich zu all den Verletzungen, die die Löwen in dieser Saison schon ereilt hatten, darunter Kapitän Philipp Schlager, "mit seinem Kampfgeist das Herz der Mannschaft" (Gaudet). Das Strafmaß in Frenchs Fall fand Gaudet allerdings zu hoch, er habe "keine Absicht" erkannt. "Es war Pech."

Das war es in der Tat - vor allem aber für Bietigheim. Die Schwere von Preibischs Verletzung stand am Montag noch nicht fest, der Tölzer Geschäftsführer Christian Donbeck stellte aber klar, dass er keinen Protest einlegen werde - und zwar nicht zuletzt wegen mancher Verletzung, die in jüngerer Vergangenheit seinem Team durch Fouls widerfahren war. "Damals haben wir das Strafmaß der Liga kritisiert", erklärte er, und alle seien dafür gewesen, als vor dieser Saison härtere Strafen für solche Aktionen angekündigt worden waren. Da könne man nun schlecht ausscheren. Die aktuelle Lage hätten sich die Löwen sparen können, wenn sie etwa ihre Chancen gegen Bayreuth oder Heilbronn genutzt hätten, findet Donbeck, nun müsse man sich wieder nach oben kämpfen. Vorerst eben ohne French.