Eishockey Stahlharte Jungs

Sieger im ZZ Top-Lookalike-Wettbewerb: Tyler McNeely, links, und Shawn Weller.

(Foto: Hansjürgen Britsch/imago)

Die Tölzer Löwen überraschen für die nächste Saison in der DEL2 mit zwei Personalien: Sie verpflichten Tyler McNeely und Shawn Weller aus Bietigheim, zwei haarige Topscorer.

Von Johannes Schnitzler, Bad Tölz

"Rough Boy" ist nicht ihr bestes Lied, im Gegenteil. Es ist sogar eine ziemlich unerträgliche, erdbeermarmeladenhaft überzuckerte Ballade. Aber auch so ein harter Kerl hat mal eine weiche Minute. Und dann schreiben selbst texanische Grummel-Rocker Lieder wie "Rough Boy". Immerhin enthält der Brause-Blues, den ZZ Top ausschließlich aus Kommerzgründen auf ihr 1985er-Hit-Album "Afterburner" gepresst haben, die interessante Zeile: "I am the one ... they all say just can't be beat." Unschlagbar zu sein, das wäre ja auch für Eishockeyspieler - per Definition harte Jungs - keine schlechte Eigenschaft, zumal wenn sie aussehen wie der Bassist Dusty Hill und Gitarrist Billy Gibbons, die mit Schlagzeuger Frank Beard (sic!) das bärtigste Trio der Rock-Geschichte bilden, ZZ Top. Gut vorstellbar, dass "Rough Boy" nächste Saison des Öfteren in der Tölzer Arena zu hören sein wird. Der Song böte sich an, wenn Tyler McNeely oder Shawn Weller auf die Strafbank müssen. McNeely und Weller, zwei Kerle mit üppigen Bärten, die zuletzt - nein, nicht in Texas - in Bietigheim unter Vertrag standen, sind die ersten Kontingentspieler, die für die kommende Spielzeit in der zweiten Liga einen Vertrag bei den Tölzer Löwen unterschrieben haben. Zwei "Sharp Dressed Men".

McNeely und Weller, beide 32, gehören zu den Top-Stürmern der DEL 2. McNeely spielte vier Jahre für die Starbulls Rosenheim und die vergangenen zwei für die Bietigheim Steelers, Weller für Rosenheim, Ravensburg, Dresden und seit 2015 für Bietigheim. Beide gehörten stets zu den Topscorern der Liga und sind "echte Führungsspieler", wie Löwen-Geschäftsführer Christian Donbeck betont. "Wir haben uns bereits vor der vergangenen Saison über die beiden erkundigt. Damals hatten sie schon in Bietigheim unterschrieben", sagt Donbeck. Diesmal sei "alles ziemlich schnell" gegangen.

Bad Tölz ist für den Amerikaner Weller und den Kanadier McNeely kein Neuland. In den vergangenen beiden Spielzeiten haben sich Löwen und Steelers acht Mal auf dem Eis getroffen, zudem kennen sie die Tölzer Andreas Schwarz, Andreas Mechel, Beppo Frank und Manuel Edfelder aus gemeinsamen Zeiten in Bietigheim und Rosenheim. Frank spielte wohl auch eine Vermittlerrolle bei dem Wechsel. Als der ehemalige Tölzer Verteidiger, der seine Karriere beendet hat, McNeely Anfang April zum Geburtstag gratulierte, kam man ins Gespräch. Vier Wochen später kann Löwen-Geschäftsführer Christian Donbeck Vollzug melden. Und die Provision für den Agenten spart er sich auch noch.

Verteidiger Casey Borer, 33, wird die Löwen dagegen verlassen. Der ehemalige DEL-Profi bleibt in den USA, wie Donbeck bestätigt. Über die Zukunft von Topscorer Stephen MacAulay, Kyle Beach und Kevin Wehrs gibt es noch keine Entscheidung. MacAulay liebäugelt mit einem Wechsel in die DEL oder die internationale EBEL, die Knöchelverletzung von Beach lässt nach wie vor keinen Schluss über die Fortsetzung seiner Karriere zu. "Wir suchen jetzt auf jeden Fall noch einen deutschen Mittelstürmer und einen deutschen Verteidiger", sagt Donbeck. Bass und Gitarre in seiner Band sind gewissermaßen besetzt, Schlagzeuger, Keyboarder und Sänger fehlen noch.