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Eishockey:Rückkehr als Jäger

Klubrekord verpasst, Tabellenführung dahin: Der EHC München verliert in Schwenningen unter Ex-Coach Pat Cortina mit 2:4 Toren.

Die Text-Bild-Schere war leicht zu entlarven. Nein, antwortete Dominik Kahun am Donnerstag auf die Frage, ob der Rekord unter den Spielern ein Thema sei, "gar nicht". Er glaube, das wisse "nicht mal jemand bei uns", sagte er, ehe er ins Spiel bei den Schwenninger Wild Wings startete. Sein Kopfnicken, das die Frage des Telekom-Moderators begleitete, bewies das Gegenteil: Es war Thema in der Kabine des EHC Red Bull München.

Seit Donnerstagabend gehören diesbezügliche Fragen der Geschichte an. Nach neun Siegen verlor der aktuelle Meister der Deutschen Eishockey Liga (DEL) in Schwenningen 2:4 (0:0, 1:2, 1:2) und verpasste damit einen neuen Klubrekord von zehn Erfolgen in Serie. Die Chance auf einen perfekten Dezember war futsch, ebenso die Tabellenführung. Der Ausflug in den Schwarzwald hatte sich nicht gelohnt.

Grund waren laut Maximilian Kastner, der zum 1:1 ausgeglichen hatte (37.) "ein, zwei gröbere Fehler, die bestraft wurden". Vor dem 0:1 hatte Konrad Abeltshauser die Scheibe im eigenen Drittel an den Ex-Münchner Kai Herpich verloren, der dadurch sein erstes Saisontor erzielen konnte. Beim 1:2 von Mirko Höfflin konnte Frank Mauer den Nachschuss nicht verhindern, und das 1:3 von Stefano Giliati, das nach nur 29 Sekunden des Schlussdrittels fiel, entstand, weil Torhüter Danny aus den Birken die Scheibe nach vorne prallen ließ. "Wir haben heute in den wichtigen Momenten nicht die richtige Balance gehabt", fand Patrick Hager, der beim 2:3 von Michael Wolf (46.) seine 200. DEL-Vorlage gegeben hatte.

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200 Vorlagen in der DEL: Patrick Hager.

(Foto: imago)

Don Jacksons Pressekonferenz-Statement fiel womöglich auch deshalb recht knapp aus. Über 60 Minuten sei der Auftritt seiner Mannschaft nicht gut genug gewesen, um das Spiel zu gewinnen, sagte der Münchner Trainer - und gratulierte den vom ehemaligen EHC-Coach Pat Cortina betreuten Wild Wings zu einem "verdienten" Sieg. Hager verwies darauf, dass der EHC genügend Chancen zum Sieg gehabt hätte, wollte sich aber auch nicht allzu lang mit der ersten Pleite seit einem Monat aufhalten. "Wir werden das erst einmal sacken lassen", sagte er, "haben aber schon die nächsten Spiele vor der Brust."

Schon an diesem Samstag geht es weiter: Die Nürnberg Ice Tigers kommen als neuer Tabellenführer nach München, und der EHC steht obendrein vor einem innerstädtischen Umzug: Die Partie gegen die Franken ist die erste von drei in Serie, die in der großen Olympiahalle ausgetragen werden. Nach dem Spitzenspiel gegen die Ice Tigers gastieren auch die Adler Mannheim (2. Januar, 19.30 Uhr) und die zweitplatzierten Eisbären Berlin (5. Januar, 19.30 Uhr) in der 10 000 Zuschauer fassenden, altehrwürdigen Halle direkt neben dem Olympiastadion. Die Partien gegen Nürnberg und Berlin sind bereits ausverkauft, für jene gegen Mannheim gibt es noch Restkarten. Spiele in der Olympiahalle seien aufgrund des "besonderen Flairs" immer Festspiele, betonte Münchens Manager Christian Winkler.

13 Tore

für ein Halleluja: So lautet die bisherige Bilanz des EHC in der Münchner Olympiahalle. Seit 2015 gibt es diese besonderen Partien unter dem Titel "Hockey Halleluja", bislang waren es zwei pro Saison, diesmal werden es drei sein. Einer Niederlage (1:2 gegen Köln, für das damals der heutige Münchner Patrick Hager traf) stehen drei Siege gegenüber: 3:1 und 3:0 jeweils gegen Berlin, und ein 6:3 gegen Augsburg. Die Schwaben gastierten 2011 schon einmal - noch ganz ohne Halleluja - in der großen Halle, damals siegte München 5:0. cbe

Durch die neue Konstellation an der Ligaspitze - die Münchner rutschten in der Tabelle nicht nur hinter Nürnberg, sondern auch hinter Berlin - ist der Meister wieder in jener Situation, in der er sich laut Kahun wohl fühlt: in der des Jägers. "Uns motiviert es sehr, wenn mal andere vor uns sind", hatte Kahun kürzlich erklärt, da sei der Ehrgeiz viel größer. Gegen die Franken stellt sich die Motivationsfrage aber ohnehin nicht: Nach sechs Niederlagen in Serie gegen die Ice Tigers brennen die Münchner auf einen Sieg.

Daran ändert auch die Niederlage in Schwenningen nichts. "Nur weil jetzt die Serie gerissen ist, heißt das überhaupt nichts", sagte Angreifer Jakob Mayenschein, der aufgrund der Ausfälle von Jason Jaffray, Jerome Flaake und Steve Pinizzotto erneut zum Einsatz gekommen war. "Wir machen genau so weiter." Das Serien-Thema verfolgt den EHC aber auch in sein erstes Olympiahallenspiel: Nürnberg hat seine letzten sieben DEL-Spiele allesamt gewonnen.