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Eishockey:Regenieren, dosieren, rotieren

Die Tölzer Löwen, Aufsteiger, Tabellenletzter, stehen in der DEL 2 vor vier Spielen innerhalb von neun Tagen. Los geht es am Freitag mit dem Derby beim SC Riessersee - und mit neuem Co-Trainer.

Vier Spiele noch, dann haben auch die Tölzer Löwen das Jahr 2018 hinter sich, das für sie mit dem Aufstieg in die DEL 2 den Höhepunkt bereithielt - und seitdem auch ein paar Tiefen. Vier Spiele innerhalb von neun Tagen, da ist man um jeden Mann und jede freie Minute froh. Zumindest das eine hat Trainer Rick Boehm: einen nahezu kompletten Kader. Zwar meldete am Mittwoch Ligakonkurrent Bayreuth, Vorletzter und damit einen Rang besser platziert als die Löwen, die Verpflichtung des Tölzer DNL-Topscorers Timo Gams, 18, der in dieser Saison auch schon zwei Einsätze im Tölzer Profiteam hatte; nach Constantin Ontl, 19, ist Gams bereits der zweite Nachwuchsstürmer, der binnen einer Woche nach Oberfranken wechselt. Trotzdem ist Boehm mit der Personalsituation zufrieden. Bis auf die Verteidiger Thomas Schenkel und Michael Kristic ist sein Kader komplett. "Wir können mit vier Reihen spielen, das kann ein Vorteil sein." Die Devise laute: "Regenerieren, das Training gut dosieren und viel rotieren."

Am Freitag wartet der SC Riessersee zum Derby

Vom Rotieren und Kräfte bündeln verstehen sie etwas, das zeigte sich zu Wochenbeginn, als die Löwen bekanntgaben, dass Florian "Flocko" Funk das Trainerteam verstärkt. Funk, 48, coachte die Löwen von 2010 bis 2015 und feierte mit der Mannschaft 2012 den Titel in der Oberliga - den Aufstieg in die DEL 2 wagte der Klub damals allerdings nicht. Das finanzielle Risiko erschien nach zwei Insolvenzen in den Nullerjahren und der Zwangsrelegation in die dritte Liga zu groß. Auch Funk war der Meinung, Tölz als Ausbildungsstandort sei in der Oberliga gut aufgehoben. Nach seiner Entlassung 2015 und dem dann doch realisierten Aufstieg beerbte Funk, der zwischenzeitlich den Bayernligisten Geretsried übernommen hatte, dann etwas überraschend zu Saisonbeginn Boehm, 58, als hauptamtlicher Nachwuchs-Cheftrainer beim EC Bad Tölz. Nun assistiert also Boehms Nachfolger als Tölzer DNL-Trainer, Funk, seinem Nach-Nachfolger als Löwen-Trainer, Boehm.

Was kurios erscheinen mag, halten die Beteiligten selbst für eine zweckdienliche Lösung. "Ich habe Rick meine Hilfe angeboten", sagt Funk, dessen DNL-Team über Weihnachten drei Wochen spielfrei ist. "Flocko hat mir seine Hilfe angeboten, und ich nehme sie in Anspruch", sagt Boehm, der Funk als zuverlässigen Ratgeber schätzt: "Er sieht sehr viel, er versteht sehr viel vom Spiel, und er ist jemand, dem du vertrauen kannst. Das ist sehr viel wert."

Funks Premiere an diesem Freitag könnte spektakulärer nicht sein: Die Löwen gastieren beim Erzrivalen Riessersee (Beginn 20 Uhr). "Wir sind in der Lage, dort zu gewinnen", glaubt Boehm. Das erste Duell in dieser Saison verlor der Aufsteiger völlig naiv 4:9, zu Hause feierte er fünf Wochen später einen triumphalen 7:3-Erfolg. Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich das Tölzer Leistungsspektrum. "So hoch wie damals haben wir aber nie wieder verloren", sagt Boehm. In der Tat wurden die Spiele enger. Allerdings endeten sie oft zu Ungunsten der Tölzer. Zu oft. So wie am vergangenen Freitag, als die Löwen bis in die Schlussminute in Crimmitschau 4:2 führten, um nach Verlängerung noch 4:5 zu verlieren. Oder am Sonntag beim 3:5 gegen Meister Frankfurt, als es nach zwei Dritteln 3:3 stand. Torhüter Andreas Mechel, 26, macht niemand für die Niederlagen verantwortlich. Dennoch suchen die Löwen nach Verstärkung auf dieser im Eishockey so zentralen Position. "Hier sind wir sehr dünn besetzt", sagt Geschäftsführer Christian Donbeck. Noch haben sie freilich keinen gefunden, der das Team ad hoc verstärken könnte, ohne gleichzeitig den finanziellen Rahmen zu sprengen. Vielleicht bis zum Jahreswechsel. Ist ja nicht mehr so weit hin.