Eishockey Physis für das Powerplay

Stürmer Maximilian Kastner, 26, steht oft da, wo er stehen soll: Im Blickfeld des gegnerischen Goalies, was ihn zu einem der wertvollen Powerplay-Spieler des Meisters macht.

(Foto: M. Engelbrecht/imago)

Angreifer Maximilian Kastner kehrt vor Spiel vier im DEL-Playoff-Viertelfinale gegen Berlin in den Kader des EHC München zurück. Mit ihm soll vor allem das Powerplay wieder mehr Schwung bekommen.

Von Christian Bernhard

Der EHC Red Bull München hat sich diese Woche ungewohnt lange auf eine Playoff-Partie vorbereiten können. Nach zuletzt drei Spielen in fünf Tagen liegen zwischen Viertelfinale Nummer drei, das vergangenen Sonntag 4:1 an den Titelverteidiger ging, und dem vierten Spiel gegen die Eisbären Berlin, an diesem Freitag in Berlin (19.30 Uhr), ganze fünf Tage. Warum? "Das weiß ich nicht", sagte Münchens Nationalspieler Patrick Hager zu diesem ungewöhnlichen Playoff-Rhythmus. "Für uns ist das komisch", erklärte er, da der EHC im Dezember mehr gespielt und ein härteres Programm gehabt habe als jetzt. Aber, so Hager, "die Deutsche Eishockey Liga (DEL) wird schon einen Grund für diese Spielterminplanung haben".

Ein Münchner hatte dieser Ansetzung sicher einiges abzugewinnen: Maximilian Kastner. Der Angreifer war in der vergangenen Woche erstmals seit mehr als zwei Monaten wieder auf dem Eis gestanden, er drehte ein paar lockere Runden nach dem Mannschaftstraining - mehr war nach seiner Beinverletzung aber noch nicht drin. Seit Montag nun trainiert der 26-Jährige wieder mit den Teamkollegen und ist eine Option für Spiel vier am Freitag. Ob er in Berlin zum Einsatz kommt, wird am Spieltag entschieden. Kastner hatte die letzten zwölf DEL-Hauptrundenspiele und das Champions-Hockey-League-Finale in Göteborg verpasst.

In Kastner kehrt ein wichtiger Spieler zurück. Gäbe es beim EHC den Titel "Aufsteiger des Jahres", er wäre diese Saison definitiv an den Garmisch-Partenkirchener gegangen. Der Stürmer half seiner Mannschaft wie schon in den vergangenen Jahren dank seiner Physis in Unterzahl und seinem Defensiv-Fleiß, steigerte sich zudem auch gehörig in der Offensive: 13 Tore und 17 Vorlagen machten ihn zum zweitbesten Münchner Torschützen der DEL-Hauptrunde. "Ich glaube, dass ich einen sehr großen Schritt nach vorne gemacht habe", sagt Kastner, der zugibt, dass er ein kleines bisschen stolz darauf sei, was er in der Hauptrunde erreicht habe.

EHC-Trainer Don Jackson hob ihn mehrfach ungefragt hervor und bezeichnete ihn zusammen mit Jason Jaffray, dessen Saison verletzungsbedingt bereits zu Ende ist, als besten Spieler im Kader, wenn es darum geht, dem gegnerischen Torhüter die Sicht zu nehmen. Damit war Kastner speziell in Überzahl sehr wichtig, fünf Powerplay-Hauptrundentore gingen auf sein Konto. Obwohl der EHC gegen die Eisbären in den ersten drei Viertelfinalspielen zwei Überzahltreffer erzielt hat, ist das Powerplay in Sachen Erfolgsquote - bei lediglich zehn Prozent in den Playoffs - weiterhin eines der wenigen Münchner Sorgenkinder. Über Kastners Rückkehr würden sich auch Mark Voakes und Frank Mauer freuen, die als Trio lange Zeit die harmonischste Angriffslinie des Meisters dargestellt haben.

Einige EHC-Spieler haben in den ersten Spielen der Best-of-seven-Serie, in der die Münchner aktuell mit 2:1 führen, kleinere Wehwehchen davon getragen; es ist nicht ausgeschlossen, dass Jackson am Freitag präventiv auf den ein oder anderen verzichtet. Der Münchner Meistertrainer hatte seinem Team am Dienstag frei gegeben, seit Mittwoch läuft die intensive Vorbereitung auf die Partie beim letztjährigen Endspielgegner. Seit Donnerstag im Übrigen in der Hauptstadt, wo am Freitagabend die Fehler vom ersten Vergleich in Berlin vermieden werden sollen - der bekanntlich 0:4 verloren ging. "Das soll nicht noch einmal vorkommen", sagte Hager, der hofft, dass auch Maximilian Kastner hilft, dies zu umzusetzen.