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Erding Gladiators:Schlussstrich nach vier Jahren

Zu spät: Erdings Abteilungsleiter Bernd Karbach beim Spendensammeln während der Playdowns.

(Foto: Peter Bauersachs)

Der Hauptverein zieht sein verschuldetes Eishockey-Team aus der Oberliga zurück.

Das war's dann. Nach vier Jahren in der Oberliga Süd zieht der TSV Erding die Gladiators vom Spielbetrieb in der dritthöchsten deutschen Eishockeyklasse zurück. Auch wenn sie in den Playdowns gegen den EV Füssen den Klassenerhalt geschafft haben, kann man diesen Rückzug kaum freiwillig nennen. Die Erdinger haben die Saison 2014/15 mit 43 500 Euro Verlust abgeschlossen. Rechnet man Altlasten dazu, ist in den vergangenen vier Jahren ein sechsstelliges Defizit zusammengekommen. Dem Hauptverein war das auf Dauer einfach zu viel. "Es geht nicht anders", sagte TSV-Präsident Günther Weidenhammer nach der entscheidenden Sitzung des Vereinsrats am Dienstagabend, "man muss den ganzen Verein sehen."

Der TSV Erding ist ein Breitensportverein mit 21 Abteilungen von Badminton über Fußball und Kegeln bis Volleyball. Eine weitere, womöglich erneut verlustreiche Eishockeysaison war den anderen Abteilungen nicht mehr vermittelbar. Das spiegelt das Votum des Vereinsrats wider, in dem jede Sparte gleichberechtigt vertreten ist. Für die Frage "Soll es beim TSV Erding in Zukunft weiterhin Profi-Eishockey geben?" gab es eine einzige Ja-Stimme - von Eishockey-Abteilungsleiter Bernd Karbach.

Der Rückzug der Gladiators ist keine Ausnahmeerscheinung. Regelmäßig zerlegt es Oberliga-Vereine aus wirtschaftlichen Gründen. 2014 war für die Mighty Dogs Schweinfurt Schluss, 2012 traf es die Passau Black Hawks. Es wäre längst an der Zeit, dass sich der Deutsche Eishockeybund (DEB) und die Landesverbände ernsthafte Gedanken darüber machen, warum die Oberliga offensichtlich eine ruinöse Spielklasse ist - und wie man mit den wiederkehrenden Pleiten umgeht.

Denn was passiert nun mit den Erdingern, die vier Jahre lang in der Oberliga mitgespielt haben und nun aus Vernunftgründen alle weiteren sportlichen Ambitionen begraben? Die Lage ist unklar. Wenn der Bayerische Eissport-Verband (BEV) seine Eishockeystatuten strikt auslegt, müssten die Gladiators drei Klassen runter in die Bezirksliga, tiefer geht es nicht.

Das Absurde am Fall der Gladiators ist, dass sie es mit einer - sportlich natürlich fragwürdigen - Trickserei viel einfacher hätten haben können. Die Erdinger hätten in den Playdowns absichtlich verlieren können, um sich so die Spielberechtigung für die Bayernliga zu sichern. Nebenbei hätten sie nach der ersten Serie gegen Füssen somit zwei oder drei weitere Heimspiele gegen Weiden gehabt, mit denen sie das Defizit hätten reduzieren können. Im besten Fall wäre Erding so vielleicht sogar mit einer schwarzen Null davongekommen.

Für die Mannschaft stand das offensichtlich nicht zur Debatte. "Natürlich haben wir darüber gesprochen", sagt Torjäger Daniel Krzizok , "finanziell wäre es vielleicht vernünftig gewesen. Aber wir haben uns als Mannschaft darauf verständigt, unser Bestes zu geben, auch um unser Gesicht zu wahren und fair zu bleiben." Er nennt die Entscheidung des Hauptvereins "nachvollziehbar", überrascht ist er nicht. "Jeder, der die letzten drei Jahre verfolgt hat, muss das verstehen", findet er. Während der Playdowns seien Vorstand und Präsidium immer wieder in der Kabine aufgetaucht, fast täglich habe es neue Hiobsbotschaften gegeben. "Man hat das ja auch an den Geldflüssen bemerkt. Spätestens Anfang März war jedem Spieler klar, wohin der Weg führen wird." Eine Aufforderung, die Abstiegsserie gegen Füssen vielleicht besser zu verlieren, habe es seitens eines Verantwortlichen aber nie gegeben.

John Samanski bestätigt das. "Vielleicht wäre es die bessere Lösung gewesen", sagt der Ex-Trainer, andererseits lägen solche Tricksereien nicht gerade in seinem Blut. Noch während der laufenden Serie gegen Füssen, die Erding 3:2 gewann, waren ihm und vier Spielern die Verträge gekündigt worden. Da sei ihm klar gewesen, "dass der Hauptverein keine Lust mehr hat". Er bedauert das, zumindest sportlich; aus Vernunftsgründen könne er den Vereinsrat verstehen. "Schade, wir haben uns in der Oberliga etabliert. Aber in dieser semiprofessionellen Liga gibt es eben auch eine professionelle Seite, in der man verantwortungsvoll mit Geld umgehen muss." Diese Seite sei in Erding schwierig gewesen.

Wie es mit dem Team weitergeht, ist offen. Daniel Krzizok sagt, er werde "nicht gleich in Panik abspringen, dazu bin ich zu lange Erdinger"; er wolle abwarten, bis es Klarheit über die künftige Liga gebe. Aber sicherlich telefoniere jetzt jeder viel. Mehrmals haben Erdings Verantwortliche angedeutet, dass es vielleicht ein Hintertürchen in die Bayernliga gibt, genauer weiß es Krzizok auch nicht. Man sei wohl "von der Gunst der Eishockeykommission", einem Gremium im BEV, "und der anderen Bayernligisten" abhängig. Samanski verhandelt gerade mit einigen Bayernligisten. Kapitän Florian Engel, dessen Kontrakt ebenfalls vorzeitig beendet worden war, wird dem Vernehmen nach zum Oberligisten EHC Klostersee gehen. Samanski und die vier gekündigten Spieler gehen nun juristisch gegen die Gladiators vor, "man ist irgendwie dazu gezwungen", sagt er. Dennoch zieht er ein positives Fazit. Vor Samanski waren die Gladiators zweimal sportlich abgestiegen und nur nachträglich in der Oberliga geblieben, er führte sie einmal in die Playoffs und einmal zum Ligaverbleib über die Abstiegsspiele. "Es sind tolle Fans hier. Das Geld liegt nicht in unserer Hand, aber sportlich haben wir einen guten Job gemacht", sagt er. "Ich denke, wir können ein bisschen stolz sein."