Eishockey Konter in Köln

Erfolgserlebnis am alten Arbeitsplatz: Patrick Hager erzielte in Köln (im Hintergrund Torhüter Justin Peters) den Ausgleich zum 2:2 für München, der die Wende im Spiel einleitete. Foto: Osnapix/Imago

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Meister EHC Red Bull München korrigiert die 2:5-Heimniederlage gegen Schwenningen am Sonntag mit einem 6:2 bei zahnlosen Haien.

Von Christian Bernhard, Köln/München

Einmal musste Don Jackson lachen, kurz zumindest. Der Moment fiel auf, denn eigentlich hatte es an diesem Abend für den Trainer des EHC Red Bull München nichts zu lachen gegeben. 2:5 hatte der Meister am Freitag zu Hause gegen die Schwenninger Wild Wings des ehemaligen EHC-Trainers Pat Cortina verloren, die ersten drei Schüsse der Schwarzwälder waren alle im Münchner Tor gelandet. 0:3 nach nicht einmal fünf Minuten: Nationalspieler Dominik Kahun sagte, er könne sich nicht daran erinnern, wann er zuletzt so früh so weit zurückgelegen habe.

Jackson war in seiner Analyse ruhig, obwohl er "pissed" war. Stocksauer. Der erfolgreichste Trainer in der Geschichte der Deutschen Eishockey Liga (DEL) zählte minutenlang auf, was im ersten Spiel nach der Länderspielpause nicht gepasst hatte: falsches Positionsspiel, fehlender Fokus, Spieler, die ihren Mitspielern anzeigten, wohin sie zu passen hätten, statt sich selbst freizulaufen. Eine Sache aber betonte er zu später Stunde noch: Nach den seltenen Aussetzern des EHC wie diesem "kommen wir immer gleich zurück". Das sei eine der großen Stärken der Mannschaft.

Köln geht durch Ben Hanowski und Ryan Jones 2:0 in Führung - und danach unter

Danach sah es am Sonntagnachmittag in Köln zunächst nicht aus. Nach zwei Gegentoren innerhalb von 31 Sekunden lag der EHC nach elf Minuten schon wieder 0:2 zurück. Da die Kölner Haie derzeit aber nur eine schlechte Kopie ihrer selbst sind, gewannen die Münchner noch 6:2 (1:2, 3:0, 2:0) - und bestätigten Jacksons Einschätzung. Nachdem die Nürnberg Ice Tigers zuvor beim 2:1-Sieg nach Penaltyschießen gegen die Straubing Tigers einen Punkt hatten liegen lassen, übernahm München dank des besseren Torverhältnisses wieder die Tabellenführung.

Der EHC machte von Beginn an Druck auf den Kasten von Haie-Goalie Justin Peters. Die beste Chance vergab Frank Mauer nach schönem Querpass von Dominik Kahun (6.). Nach neun Spielminuten lautete das Schussverhältnis 14:1 zugunsten der Münchner. Mit ihrem ersten wirklich gefährlichen Angriff beförderten die Kölner zwar die Scheibe ins Tor (9.), der Treffer wurde aber mit Hilfe des Videobeweises zu Recht wegen einer Behinderung von Torhüter Danny aus den Birken annulliert. Zwei Minuten später kam es für den EHC dann aber doppelt dick: Nach einem Scheibenverlust der Münchner im Kölner Drittel machte sich Haie-Angreifer Ben Hanowski, der am Samstag noch sechs Stunden lang seiner Frau bei der Geburt ihrer Tochter beigestanden hatte, alleine auf und davon und bezwang aus den Birken. 31 Sekunden später zappelte die Scheibe schon wieder im Münchner Netz: Nach einem Fehlpass im Haie-Drittel konterte Ryan Jones und hämmerte die Scheibe ins rechte Kreuzeck. "Wir haben unsere Probleme", sagte Kahun nach dem Startdrittel, "wir lassen zu viele Konter zu." Kahun konterte seinerseits, indem er sieben Sekunden vor Ende des ersten Drittels nach einer guten Aktion von Konrad Abeltshauser auf 1:2 verkürzte. Kurz zuvor war ein Schuss von Haie-Kapitän Christian Ehrhoff am Münchner Pfosten gelandet. "Das Momentum war bei den Kölnern", sagte Münchens Verteidiger Yannic Seidenberg. Warum die Haie danach derart einbrachen, "ist nicht unsere Angelegenheit".

München bringt seine Qualität im zweiten Drittel vom Papier aufs Eis

Im Mitteldrittel neutralisierten sich beide Mannschaften lange Zeit, gefährliche Torszenen gab es bis zur 35. Minute kaum. Dann drehten die Münchner auf - und trafen innerhalb von drei Minuten dreimal: Patrick Hager, der Köln vor der Saison im Unfrieden verlassen hatte, egalisierte zum 2:2 (34.), zwei Minuten später brachte Frank Mauer den EHC mit seinem siebten Saisontor erstmals in Führung, ehe Brooks Macek nur eine Minute danach auf 4:2 erhöhte (37.). Drei Tore von drei Nationalspielern - die Münchner brachten ihre nominelle Qualität nun vom Papier aufs Eis.

"Jetzt gilt es, Eier zu zeigen", sagte auf der anderen Seite Kölns Nationalverteidiger Moritz Müller - und stellte sich einem Faustkampf mit dem Münchner Spezialisten Steve Pinizzotto (42.). Müller wollte sein Team aufrütteln, er schlug sich buchstäblich gut, zog sich eine Platzwunde am Auge zu - aufrütteln konnte das sein Team aber nicht mehr. Im Gegenteil: Macek (49.) und Mads Christensen (53.) verpassten den angeschlagenen Haien, die am Freitag bereits 4:7 in Augsburg verloren hatten, noch die Gegentore Nummer zwölf und 13 des Wochenendes.

Am Dienstag dürfte es für den EHC nicht ganz so leicht werden. Der deutsche Meister gastiert dann beim Titelträger von 2015 in Mannheim, das am Sonntag 0:1 in Iserlohn verlor und um seinen Playoff-Platz kämpfen muss.