Eishockey K.-o.-Maschine

Meister München schüttelt in der DEL einen Konkurrenten nach dem anderen ab. Binnen drei Tagen schlägt der EHC erst Köln und dann Mannheim.

Von Christian Bernhard, Mannheim/München

Mannheimer Manifest: An Meister München - Daryl Boyle (rechts) gegen Daniel Sparre - reicht derzeit niemand heran.

(Foto: imago/Thomas Frey)

Frust zu verbergen ist nicht jedem gegeben. Sean Simpson versuchte am Dienstagabend erst gar nicht, seinen Ärger zu kaschieren. Der Trainer der Adler Mannheim machte sich gegen den EHC Red Bull München bereits auf den Weg in die Kabine, als das Spiel noch gar nicht zu Ende war. 0,7 Sekunden waren noch auf der Uhr, als Simpson losstapfte. Worauf warten? Das Ding war gegessen.

Wenn der EHC 1:0 führt, gewinnt er auch. Immer. In Mannheim zum elften Mal in dieser Saison

4:1 (1:0, 0:1, 3:0) hieß es Sekundenbruchteile später für den Gast aus München, der damit seine Tabellenführung in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) verteidigte. Simpson entschuldigte sich nach der dritten Niederlage in Serie bei den eigenen Fans für eine Leistung, "die wir uns so nicht vorgestellt haben." Mannheims Frust war nicht nur ihm anzumerken, auch Stürmer Matthias Plachta war kurz angebunden. Ob sich die Adler bei Fünf gegen Fünf schwer getan hätten? "Ja. Das sieht man ja am Ergebnis." Auf das nächste Spiel am Freitag gegen Straubing angesprochen, sagte er: "Wenn wir gewinnen, wird's gut sein. Wenn es schlecht wird, dann wird's eben schlecht. So ist es halt." Frust pur.

Das Wort Frust taucht im Vokabular des deutschen Meisters München nach einem erfolgreichen viertägigen Auswärtstrip nicht auf. Stürmer Dominik Kahun grinste. Der 22-Jährige, der mehrere Jahre in der Mannheimer Jugend gespielt hat, lobte seinen Ausbildungsverein für dessen "clevere" Spielweise: "Mannheim hat es uns sehr schwer gemacht, sie haben sehr gut hinten gestanden und waren gefährlich bei ihren Kontern." Normalerweise, sagte Kahun, der in den drei Spielen seit der Länderspielpause vier Scorerpunkte gesammelt hat, habe der EHC sehr viel Platz: "Heute hatten wir gar keinen."

Trotzdem reichte den Münchnern ein starkes Drittel, um sich der Adler letztlich souverän zu entledigen. Nach den Treffern von Frank Mauer (13., Unterzahl) und des Mannheimers Luke Adam (35., Überzahl) sorgten Jason Jaffray (43.), Kahun (50.) und Michael Wolf (51.) für den deutlichen Münchner Erfolg. Damit gewann der Meister auch das elfte Liga-Spiel der Saison, in dem er mit 1:0 in Führung gegangen war. "Wir haben uns auch durch den Ausgleich nicht durcheinander bringen lassen", stellte Trainer Don Jackson fest. Verteidiger Yannic Seidenberg hatte "wieder eine super Teamleistung von uns" gesehen: "Im letzten Drittel haben wir es besser geschafft, in unseren Forecheck zu kommen. Dann haben wir unsere Chancen mit schnellen Spielzügen und präzisen Schüssen gut abgeschlossen."

Vor der Saison war der EHC, Meister der vergangenen zwei Spielzeiten, von den DEL-Trainern erneut zum großen Titelfavoriten gekürt worden. Dahinter folgten als meistgenannte Tipps: Mannheim und die Kölner Haie. Innerhalb von nur drei Tagen haben die Münchner den Haien und den Adlern nun vor Augen geführt, wie weit diese von etwaigen Ambitionen entfernt sind. Die Kölner trennten sich nach dem sonntäglichen 2:6 gegen den EHC von Trainer Cory Clouston, Peter Draisaitl übernahm dessen Posten. Die von zahlreichen Verletzungen geplagten Mannheimer kassierten durch das 1:4 die neunte Niederlage in den vergangenen zehn Spielen gegen München, die sechste in Serie in eigener Halle. In beiden Spielen verfestigte sich der Eindruck, dass der EHC je nach Belieben das Tempo anziehen kann - und dann den Gegner ausknockt.

"Wir wollen eigentlich oben in der Tabelle stehen, dort, wo München aktuell ist", sagte Adler-Angreifer Adam. "Aber dann müssen wir solche Spiele auch einfach gewinnen." Die Realität sieht anders aus: Der Rückstand auf die Münchner beträgt nach 23 Spielen bereits 14 (Mannheim) beziehungsweise 19 Punkte (Köln). Die Rolle des Verfolgers nehmen im Moment Nürnberg und Berlin ein, die als einzige mit dem EHC Schritt halten können.

Nach den zwei "Krachern", wie Kahun die Partien in Köln und Mannheim angekündigt hatte, warten am Wochenende auf den EHC: zwei Kracher. Am Freitag (19.30 Uhr) gastiert Wolfsburg im Olympia-Eisstadion, der Gegner der beiden vergangenen Final-Serien, am Sonntag reist der Meister zu den Nürnberg Ice Tigers, die in der Tabelle nur einen Punkt hinter ihm liegen. Die jüngsten fünf Spiele gegen Nürnberg hat der EHC verloren. Mit dabei wird dann wieder Steve Pinizzotto sein. Der Stürmer hatte in Köln seine dritte Disziplinarstrafe in dieser Saison erhalten und war gegen Mannheim gesperrt. Sean Simpson half auch das nicht. Don Jackson wünschte seinem Kollegen am Ende "viel Glück für die nächste Zeit". Der Adler-Coach kann jede Unterstützung brauchen.

Löwen unterliegen U20

Dass mathematische Formeln (zum Beispiel: wenn a = b und b = c, dann a = c) im Sport nur bedingt Gültigkeit besitzen, ist eine Binse. Wenn Team A gegen Team B x:0 gewinnt und Team B gegen Team C y:0, dann lässt sich daraus noch lange nicht das Ergebnis einer Partie zwischen den Mannschaften A und C hochrechnen. Der SC Riessersee etwa steht zurzeit auf Rang drei der DEL2. Ein Testspiel gegen die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft der unter 20-Jährigen (U20) verloren die Werdenfelser 2:3 nach Penaltyschießen. Gegen die Junioren des EC Red Bull Salzburg gelang dem Team von Bundestrainer Christian Künast, das sich auf die WM der Division I (10. bis 16. Dezember) in Frankreich vorbereitet, sogar ein 3:1-Erfolg. Am Dienstag bestritt der DEB-Nachwuchs nun sein drittes und letztes Spiel im Rahmen der "Future Challenge" in Bad Tölz. Die Löwen liegen in der Tabelle der DEL2 auf dem letzten Platz, und wenn man gegen den Dritten schon 3:2 gewinnt, dann müsste man gegen den Letzten doch mal so richtig ... Das Spiel endete 4:3 nach Penaltyschießen für die deutschen Junioren.

Die Führung zur ersten Pause für das DEB-Team erzielte der Rosenheimer Yannik Wenzel. Die Vorlage dazu kam verwirrenderweise von Constantin Ontl, der sonst für die Löwen aufs Eis geht. Tölz glich in der 29. Minute aus, durch U-18-Nationalspieler Leon Hüttl, der von der Blauen Linie zum 1:1 traf. Philipp Schlager brachte den ECT in Führung, ehe Valentin Busch (Nürnberg) und Tim Brunnhuber (Lindau) das Spiel vor dem letzten Drittel wieder drehten. Johannes Sedlmayr stellte in der 53. Spielminute schließlich auf 3:3. Im entscheidenden Shoot-out konnte Dani Bindels (Köln) als einziger seinen Versuch über die Linie bringen. Die U20 gewann das Spiel, und die Löwen - empfangen am Freitag (19.30 Uhr) in der Liga Tabellenführer Bietigheim. Dann zählt das Ergebnis. SZ