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Eishockey:Guter Witz

Shake Hands nach Spielende Eishockey Deutsche Eishockey Liga DEL Saison 2018 2019 29 03 2

Macht’s jut, Freunde: Die Berliner Backman, DuPont und Rankel (in Blau, v.l.), verabschieden sich von den Münchner Halbfinalisten Wolf, Seidenberg und Eder.

(Foto: imago)

Der EHC München freut sich über seinen abermaligen Sieg gegen Berlin - und aufs Halbfinale gegen Augsburg.

Weiter hätte die Text-Bild-Schere kaum auseinander gehen können. "Hey, wir wollen die Eisbären sehen", tönte es am späten Freitagabend durch die Berliner Eishalle, just als Eisbären-Kapitän Andre Rankel ein spezielles Interview gab. Speziell deshalb, da es das letzte eines Berliner Spielers auf einer Eisfläche der Deutschen Eishockey Liga (DEL) in dieser Saison war. Die Eisbären werden trotz des Songs bis zum September nicht mehr zu sehen sein.

Schuld daran ist wieder einmal der EHC Red Bull München. Durch ihren 4:3-Auswärtssieg entschied die Mannschaft von Trainer Don Jackson die Viertelfinalserie mit 4:2 für sich und beendete damit zum dritten Mal in Serie eine Eisbären-Spielzeit. In der vergangenen Saison hatten die Berliner im Finale den Kürzeren gezogen (3:4), das Jahr davor im Halbfinale (1:4).

Nebenbei stellten die Münchner in Berlin einen Rekord auf: Noch keiner Mannschaft war es in der DEL gelungen, zehn Playoff-Serien nacheinander für sich zu entscheiden. "Wir haben in den letzten Jahren vieles richtig gemacht", sagte Kapitän Michael Wolf: "Wir sagen aber nicht: Wir haben etwas geschafft und jetzt hören wir auf. Wir wollen weitermachen, egal wer kommt." Am Mittwoch kommen im ersten Halbfinale die Augsburger Panther nach München. Die Schwaben gewannen Spiel sieben gegen Düsseldorf mit 2:1 und stehen erstmals seit 2010 wieder im Halbfinale. Eine besonders hitzige Serie wäre ob der großen Rivalität zwischen den beiden Klubs alles andere als überraschend.

Die Neuauflage der letztjährigen Finalserie gegen Berlin war für die Münchner indes ein deutlich härterer Prüfstein als die Viertelfinalserien der vorangegangenen drei Meister-Jahre. "Berlin hat uns alles abverlangt", sagte Jackson. Berlins Kapitän Rankel fand nicht ganz zu Unrecht, dass die Serie vom Niveau her kein Viertelfinale, sondern eher ein Halbfinale oder Finale gewesen sei. Die Eisbären seien nicht schlechter, aber München "vielleicht einfach schlauer" gewesen, bilanzierte er.

Womöglich war das 26. Duell zwischen München und Berlin seit März 2017 auch deshalb das letzte für mindestens ein halbes Jahr. Dass der EHC kein siebtes Spiel wie noch im letztjährigen Endspiel brauchte, hatte viel damit zu tun, dass er humorlos auf einen Witz reagierte. Als "absoluten Witz" hatte Maximilian Kastner die Münchner Leistung bei der 0:3-Heimniederlage im vorherigen Spiel bezeichnet, weshalb eine Antwort darauf auf dem Münchner Plan stand. "Das haben wir gemacht", sagte Kastner - und das 4:1 nach dem Startdrittel gab ihm recht.

Kastner (6.), Mads Christensen (14.) und Wolf (17.) mit ihren jeweils ersten Treffern der Serie sowie Justin Shuggs Tor (18.) und Danny aus den Birken mit wichtigen Paraden, darunter einem gehaltenen Penalty beim Stand von 2:1, bescherten dem EHC einen komfortablen Vorsprung. Diesen konnten die Eisbären im Mitteldrittel zwar auf ein Tor reduzierten, aber nicht mehr wettmachen. Es passte, dass am Ende Shuggs Tor zum 4:1 der spielentscheidende war: Mit vier Toren in sechs Spielen war er der Münchner Spieler, der den Eisbären den finalen Stoß von der Eisscholle verpasste.

Selbst das seit Wochen viel gescholtene Münchner Überzahlspiel funktionierte zum Abschluss der Serie. Wolf traf in doppelter Überzahl mit seiner ligaweit bekannten Direktabnahme von der linken Seite, Shugg war bei Fünf gegen Vier erfolgreich. Das freute alle Münchner, aber einen ganz besonders: Clement Jodoin. Der Kanadier hatte bis Mitte Dezember jene Eisbären-Mannschaft trainiert, die er jetzt in den Urlaub schickte. Seit mehr als zwei Monaten ist er als einer von Jacksons Co-Trainern für das Münchner Überzahlspiel mitverantwortlich, zu optimieren gibt es von Montag an nach zwei freien Tagen weiter einiges.

Für einen Münchner beginnt die Woche unterdessen auf eine Art und Weise, die keinem Profisportler zu wünschen ist: Konrad Abeltshauser, der sich in Spiel fünf der Serie gegen Berlin schwer am rechten Knie verletzt hatte, wird am Montag in München operiert. Seine Saison ist bereits zu Ende. Ob Matt Stajan zum Halbfinalstart wieder einsatzfähig sein wird, ist offen. Der Stürmer fehlte am Freitag zum dritten Mal in Serie aufgrund einer Oberkörperverletzung.