Eishockey Glückszahlen im Penalty-Lotto

Danksagung: Münchens Verteidiger Ryan Button (Zweiter von links) hat da mal ein nettes kleines Weihnachtspäckchen für EHC-Fans geschnürt (vorne mit Schal und Mütze Dominik Kahun).

(Foto: Markus Fischer/imago/GEPA pictures)

Siebter Sieg in Serie, der 13. gegen Krefeld: Der EHC fährt selbstbewusst nach Köln.

Von Christian Bernhard

Völlig fit war Dominik Kahun am Dienstagabend nicht. Der dicke Schal, den er sich nach dem Spiel um den Hals gebunden hatte, und die angeschlagene Stimme waren Beleg genug. Nichts Schlimmes, sagte der Angreifer des EHC Red Bull München am späten Dienstagabend in den Katakomben der Münchner Olympia-Eishalle, ehe er in die Nacht verschwand. Kahun tat das mit einem guten Gefühl: Nachdem er am Sonntag bei seinem Comeback nach zweiwöchiger Verletzungspause zwei Tore zum 4:2-Sieg gegen Straubing beigesteuert hatte, entschied er zwei Tage später das Heimspiel gegen die Krefeld Pinguine mit zwei verwandelten Penaltys.

Münchens Trainer Don Jackson hatte Kahun aus gutem Grund zweimal ins Lotteriespiel Schütze gegen Torhüter geschickt. Vor knapp zehn Monaten hatte der Stürmer im Derby gegen Augsburg alle drei Versuche im Penaltyschießen erfolgreich abgeschlossen und dem EHC so den Sieg gesichert. "Das war ein Wink mit dem Zaunpfahl", sagte Jackson am Dienstag grinsend. Auch Kahun musste an jenes Spiel zurückdenken: "Deswegen habe ich das Selbstvertrauen", sagte er. Diesmal bekam Krefelds Goalie Patrick Klein zu spüren, dass der Münchner Nationalspieler ein Meister des Fachs Penalty ist. Einfach sei das aber nicht. Der kritischste Moment sei jener, bevor er auf den Torwart zulaufe, sagte der Stürmer. Dann gehen ihm einige Fragen durch den Kopf: "Weiß er, was ich machen werde? Wird er mit dem Schläger rauskommen?" Das sei immer schwer. "Aber zum Glück hat es wieder geklappt."

Das 3:2 war der siebte Sieg in Serie für den Meister, kein Team der Deutschen Eishockey Liga (DEL) kann in dieser Saison eine längere Siegesserie vorweisen. Der Lohn dafür: Platz eins, da sich die Verfolger aus Nürnberg und Berlin im direkten Duell beim 3:2 nach Verlängerung für die Franken gegenseitig die Punkte abnahmen.

Die Gründe für den Aufschwung sieht Kahun in der für Münchner Verhältnisse ungewohnten Situation Ende November, als der EHC erstmals seit knapp drei Jahren drei Spiele am Stück verloren hatte. "Das hat uns vielleicht sogar geholfen", sagte der Nationalspieler. "So haben wir auch einmal die andere Seite kennengelernt." Das habe die Mannschaft sehr motiviert.

Keith Aulie gibt gegen die Haie sein Debüt. "Er wird da hinten aufräumen", sagt Dominik Kahun

Münchens Erfolg gegen die Pinguine war ein klassischer Arbeitssieg. Zweimal lag der EHC zurück, und auch im Penaltyschießen sah es lange nach einem Krefelder Happy End aus. Zweimal legten Marcel Müller und Kollegen vor, doch Kahun und Keith Aucoin behielten die Nerven, ehe Kahun den Sack zu machte. "Wir haben gut gespielt", sagte Pinguine-Trainer Rick Adduono. "Wir waren gut in Überzahl, gut in Unterzahl, haben das zweite Tor zum richtigen Zeitpunkt gemacht und gut gekämpft." Jede Menge Gutes. Und trotzdem überraschte die Krefelder Niederlage niemanden. "Ich bin so langsam müde, Don zum Sieg zu gratulieren", sagte Adduono nach dem 13. Münchner Sieg in Serie gegen die Pinguine. Adduono sagte es mit einem Lachen.

Der EHC reist nun mit einem guten Gefühl zum letzten Spiel vor Weihnachten. Die Münchner gastieren am Freitag bei den Kölner Haien, wo sie mit ihrem 6:2-Sieg vor einem Monat zur Entlassung von Trainer Cory Clouston den letzten Grund geliefert hatten. Seit Peter Draisaitl das Team übernommen hat, treten die individuell top besetzen Haie anders auf. "Wir Spieler als Team, als Einheit, haben im Moment das Gefühl, dass wir synchron laufen", sagte Stürmer Justin Shugg dem Fan-Portal Haimspiel.de. Die Haie haben sechs ihrer vergangenen acht Partien gewonnen.

Draisaitl, der vergangene Woche im Spiel beim damaligen Tabellenführer Berlin ein bemerkenswertes Zeichen setzte, als er Philip Gogulla wegen schwacher Leistungen eine Denkpause verordnet hatte, sieht aber noch mehr Potenzial. Momentan sei seine Mannschaft bei "siebzig Prozent des Weges" angelangt, sagte er. Die Haie treten also wieder so auf, wie es sich für eine Mannschaft mit ihrer Qualität gehört. "Wir haben uns nicht rumschubsen lassen", sagte Kapitän Christian Ehrhoff nach dem 6:3-Sieg zuletzt gegen Augsburg. Das gelte es auch gegen München zu verhindern.

Leicht dürfte das allerdings nicht werden. Jackson kündigte nach dem Sieg gegen Krefeld an, dass der 1,98 Meter große und 103 Kilogramm schwere ehemalige NHL-Verteidiger Keith Aulie, der zuletzt für Chicago in der AHL spielte, in Köln sein Debüt im Trikot des EHC geben wird. Ein großer Junge sei das, sagte der 1,78 Meter große Kahun mit einem Lächeln. "Ich kann mir vorstellen, dass er da hinten aufräumen wird."