Eishockey Fließender Übergang

„Super talentiert“: Die Kanadierin Corie Jacobson – rechts in einem Spiel der NCAA für die Clarkson Golden Knights – soll Planeggs Abwehr stabilisieren.

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Rekordmeister Planegg will mit neuem Trainer seinen DM-Titel im Frauen-Eishockey verteidigen. Allerdings muss er einige Weggänge verkraften.

Von Christian Bernhard

Klaus Wüst hat anstrengende Tage hinter sich. Für den Präsidenten des ESC Planegg-Würmtal hieß es, Kartons zu schleppen. So ein Umzug hat es in sich. "Das Schlimmste haben wir jetzt aber hinter uns", sagt er. Ähnlich erging es ihm bei der Trainersuche für den ESC. Obwohl die Pinguins in der vergangenen Saison die siebte deutsche Meisterschaft im Frauen-Eishockey gefeiert haben, tat sich Wüst schwer, einen Nachfolger für den langjährigen Trainer Michael Lehmann zu finden, der aufgrund seiner beruflichen Situation nicht mehr als Coach zur Verfügung stand. Die "Interesselosigkeit" am deutschen Rekordmeister traf Wüst. Er war, das gibt er zu, darüber sehr enttäuscht.

Die Wahl fiel schließlich auf Matthias Fritsche. Der 33-Jährige trainierte zuletzt die Geretsrieder River Rats in der Landesliga. Planegg ist seine erste Station in der Bundesliga. Mit dem ESC startet er am Wochenende in die neue Saison, die ihn erst einmal nach Hannover führt: Sowohl am Samstag (14.30 Uhr) als auch am Sonntag (16 Uhr) tritt der Titelverteidiger beim SC Langenhagen an. Das erste Heimspiel findet am 1. Oktober gegen den ERC Ingolstadt statt. Fritsche sagt, der Unterschied zur Landesliga sei "an manchen Stellen immens", speziell was die Spielqualität, die individuelle Klasse und die Geschwindigkeit betrifft. Er will vor allem eines implementieren: Disziplin. "Wenn man diszipliniert spielt, trainiert und sich so benimmt, dann kann einen das ein gutes Stück weiter bringen." Sein Disziplin-Drang kommt nicht von ungefähr. Fritsche spielt American Football bei den Starnberg Argonauts. Er kommt also aus einem Sport, der sehr von taktischer Disziplin geprägt ist.

Wüst schätzt Fritsches ruhige Art. "Die Mädels sind zufrieden mit dem Training", sagt er. Bei seiner Bundesliga-Premiere erhält Fritsche Unterstützung von Michael Lehmann. Der vormalige Cheftrainer ist jetzt Mitglied des Vorstands und steht seinem Nachfolger in der Arbeit mit den Spielerinnen bei. Fritsche spricht von einem "fließenden Übergang". Leistungsträgerinnen wie Tabea Botthof (Wechsel in die USA), Tamara Lan Yee Chiu (Ingolstadt), Viona Harrer (Bad Tölz) sowie Monika Bittner und Rekordnationalspielerin Bettina Evers (beide Karriereende) haben den ESC verlassen. "Das sind schon Kaliber", sagt Wüst. "Fast eine komplette Nationalmannschaftsreihe ist weg." Mit dem kleineren Kader werde es für jede einzelne schwerer, prognostiziert Fritsche, "aber wir sind guter Dinge." Jetzt müssten eben andere in Führungsrollen schlüpfen.

Am Saisonziel hat der Umbruch nichts verändert. "Wir wollen den Titel verteidigen", betont Wüst. Dabei werden die neuen Kontingent-Spielerinnen eine große Rolle spielen. Die Kanadierin Corie Jacobson soll die Verteidigung verstärken, Elizabeth Scala aus den USA im Angriff wirbeln. Jacobson sei eine "super talentierte" Spielerin, sagt Fritsche und hebt ihre Schlittschuh- und Stocktechnik hervor; Scala sei eine "brutale Kämpferin". Wüst wünscht sich, dass sie sich im körperlichen Bereich noch verbessert.

Den größten Konkurrenten hat Wüst in Ingolstadt ausgemacht. Der ERC mache einen "sehr starken" Eindruck, sagt er. Memmingen, das die Serie der Planegger Meistertitel 2016 unterbrach und den ESC vor wenigen Tagen im EWHL-Supercup mit 4:3 nach Verlängerung schlug, sowie die Eisbären Juniors Berlin schätzt er ebenfalls stark ein. "Die anderen drehen sich auch nicht nur im Kreis", erklärt Fritsche. In Ingolstadt wird es ein Wiedersehen mit Brooke Ammerman geben, die vor drei Jahren für Planegg gespielt hat. Mittlerweile heißt sie Brooke Reimer, weil sie Ingolstadts Torhüter Jochen Reimer geheiratet hat und dort nun als Nachwuchstrainerin arbeitet.