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Eishockey:Erfolgreich im Zwei-Tage-Rhythmus

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Als der EHC München am Sonntag das 3:0 durch Tobias Eder (Nummer 20) bejubelt, stehen die Wolfsburger endgültig auf verlorenem Posten.

(Foto: Jan Huebner/ imago)

Mit dem 4:0 in Wolfsburg ist der EHC München endgültig zurück im Siegesmodus. Ihm bleibt kaum Zeit, um auf sein starkes Kalenderjahr 2018 anzustoßen.

Profi-Eishockeyspieler können nur schmunzeln, wenn zum Jahresende vielerorts von geruhsamen Feiertagen die Rede ist. Für sie heißt es in dieser Phase: Antreten im Zwei-Tage-Rhythmus. Der EHC Red Bull München war am Tag vor Heiligabend noch im 820 Kilometer entfernten Bremerhaven im Einsatz, ehe er am 26. Dezember schon wieder in Ingolstadt spielte. Die Weihnachtspause war also nicht wirklich eine - hat ihm aber trotzdem gut getan. Am Sonntag gewann der aktuelle Meister der Deutschen Eishockey Liga (DEL) auch sein drittes Spiel seit dem zweiten Weihnachtsfeiertag: In der letzten Partie des Jahres siegte er souverän mit 4:0 (0:0, 3:0, 1:0) in Wolfsburg, wodurch er nun als Tabellenzweiter, mit sieben Punkten Rückstand auf die Adler Mannheim, das Kalenderjahr beendet. "Es hat wieder lange gedauert, bis wir das erste Tor geschossen haben", sagte Konrad Abeltshauser, "da müssen wir an der Chancenverwertung arbeiten."

29 Punkte trennten den EHC und die Wolfsburger, die den Münchnern 2016 und 2017 noch im Playoff-Finale gegenüber gestanden waren, vor der Partie; die Niedersachsen gingen als Tabellen-Vorletzter und mit einer 1:8-Pleite gegen Bremerhaven im Gepäck in die Partie. Trotzdem hatte die Mannschaft von Trainer Hans Kossmann zuletzt mit Siegen gegen Köln, Augsburg und Tabellenführer Mannheim aufhorchen lassen. "Die Wolfsburger haben vor der Klatsche sehr gut gespielt", sagte Münchens Kapitän Michael Wolf. "Sie werden alles versuchen, das wieder wettzumachen." Deshalb gelte es für den EHC am Sonntag vor allem, die Startphase zu überstehen.

Ausruhen? Von wegen. Am 8. Januar steht für den EHC schon das vierte Spiel 2019 an

Das gelang den Münchnern sehr gut. Sie standen defensiv hervorragend und tauchten mehrmals gefährlich vor Gerald Kuhn aus. Als nach einem Überzahl-Versuch von Yasin Ehliz in Minute zwei die Scheibe knapp am Kasten vorbei rutschte, hatte Wolfsburgs Torhüter Glück - mit zwei starken Schoner-Paraden gegen Frank Mauer hatte er aber großen Anteil daran, dass es beim 0:0 blieb (9.). Kevin Reich im Münchner Tor hatte lange Zeit kaum etwas zu tun, war aber zur Stelle, als Spencer Machacek in der 13. Minute und Nick Latta (16.) gute Schüsse abgaben. Gegen das statistisch schlechteste Überzahlspiel der Liga gelang Münchens Mark Voakes kurz vor der ersten Pause in Unterzahl beinahe das 1:0. "Hier fühlt es sich wie zu Hause an", sagte der Angreifer, der im Sommer nach vielen Jahren in Wolfsburg an die Isar gewechselt war, "aber ich möchte trotzdem die drei Punkte."

Das Christkind hatte dem EHC neue Angriffslinien beschert. Trainer Don Jackson hatte beim 4:2 in Ingolstadt und dem Penalty-Erfolg über Berlin seine ersten drei Angriffsreihen durcheinander gewirbelt, selbst das seit Monaten stark spielende Trio Voakes-Mauer-Kastner wurde auseinander gerissen. "Wir hatten nicht mehr die Resultate, die wir wollten", sagte Mauer vor dem Wolfsburg-Spiel dazu, deshalb sei so ein "kleiner Impuls" gesetzt worden. In Wolfsburg vertraute Jackson erneut den neuen Kombinationen - und wurde wieder belohnt. Abeltshauser nutzte nach anfänglichen Problemen im Mitteldrittel ein cleveres Zuspiel von Justin Shugg zum 1:0 (28.). Andreas Eder verpasste nach einem Konter das 2:0 (32.), doch sechs Minuten später stand es 3:0 für die Gäste, da Ehliz (34.) und Tobias Eder auf Zuspiel von seinem Bruder Andreas (38.) präzise abschlossen hatten.

Andreas Eder hatte am Freitag im Heimspiel gegen die Eisbären Berlin getroffen und dadurch mitgeholfen, dass der EHC trotz eines 0:2- und 1:3-Rückstandes noch mit 4:3 nach Penaltyschießen gewann. Trainer Don Jackson sah dabei auch etwas, was er sehr lange nicht mehr von seinem Team gesehen hatte: Überzahltore. Justin Shugg und Trevor Parkes trafen im Powerplay, das zuvor fünf Spiele lang ohne Tor geblieben war. In Wolfsburg ging das Münchner Überzahlspiel wieder leer aus, der Sieg war aber nicht in Gefahr, denn Yannic Seidenberg erhöhte zu Beginn des Schlussabschnitts auf 4:0 (43.). Am Ende des 34. Spieltages konnte sich Reich über sein erstes komplettes Zu-Null-Spiel in der DEL freuen.

Nationalspieler Frank Mauer hatte bereits vor dem letzten Spiel des Jahres eine 2018er-Bilanz gezogen. Und diese fiel wenig überraschend sehr positiv aus. Mauer sprach von einem "super erfolgreichen" Kalenderjahr, das dem EHC den dritten Meistertitel in Serie und den erstmaligen Einzug ins Halbfinale der Champions Hockey League (CHL) beschert hat. "Wir haben das Maximale erreicht", sagte er, "ich glaube, mehr geht nicht auf Vereinsebene." Ausruhen ist aber auch über Neujahr keine Option: Am 8. Januar wird der EHC bereits zum vierten Mal im Jahr 2019 gespielt haben. Den Anfang macht er mit dem Heimspiel gegen die Nürnberg Ice Tigers am 2. Januar.