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Eishockey:Er ist so frei

(v.l.n.r.) Yannic Seidenberg (Red Bull Muenchen) Trevor Parkes (Red Bull Muenchen) Kalle Kossila (Red Bull Muenchen) GE

"Heute war es mein Abend": Trevor Parkes (Mitte) feiert hier mit Yannic Seidenberg (links) und Kalle Kossila.

(Foto: Eibner-Pressefoto/Eibner/Imago)

Der EHC Red Bull München dreht nach einem verkorksten Auftaktdrittel die Partie in Schwenningen. Vierfacher Torschütze ist Trevor Parkes - der dabei auch von seinem kongenialen Vorbereiter profitiert.

Von Christian Bernhard, München

Eine Busfahrt von München nach Schwenningen dauert in etwa drei Stunden, bei den aktuellen Straßenverhältnissen womöglich einen Tick länger. Für Trevor Parkes anscheinend Zeit genug, um eine ganz besondere Energie zu generieren. Die war am Samstag aus Sicht des EHC Red Bull München auch nötig. 1:4 lag der EHC nach dem Startdrittel gegen die Schwenninger Wild Wings zurück, die vierte Niederlage binnen fünf Partien war bedenklich nahe, ausgerechnet in der 600. Partie des Vereins in der Deutschen Eishockey Liga (DEL).

Am Ende hieß es aber 6:4 für die Münchner, weil Parkes gleich vier Tore erzielte. Schon eine Woche zuvor hatte der 29-jährige Kanadier beim 3:2-Sieg in Schwenningen spät den entscheidenden Treffer markiert. "Ich tue alles dafür, dass die Mannschaft erfolgreich ist, und manchmal wird man dafür belohnt. Heute war es mein Abend", sagte er bei Magentasport. "Die Rückfahrt im Bus wird sich gut anfühlen." Mit seinen Saisontreffern Nummer sechs, sieben, acht und neun übernahm er am Samstag auch die Führung in der DEL-Torschützenliste.

Als die DEL-Spielzeit im Dezember begann, war Parkes noch in einem kleinen Loch. Die Münchner hatten zwar das Saison-Vorbereitungsturnier gewonnen, Parkes war dabei aber ohne Treffer geblieben. Mehrmals war ihm der Frust über vergebene Chancen unmissverständlich anzusehen gewesen. "Er war ein bisschen angespannt, weil es mit dem Scoring nicht klappte", sagte EHC-Trainer Don Jackson. "Spieler können sich runterziehen lassen, wenn sie nicht treffen." Das gilt besonders für Angreifer.

Im ersten Drittel habe der Verteidigung die nötige "urgency" gefehlt, sagt Abeltshauser: die Dringlichkeit

Mit dem DEL-Start war bei Parkes allerdings keinerlei Negativität mehr zu erkennen. Seit es um mehr gehe, sagte Jackson, "hat er den Schalter angeknipst". In Schwenningen gelang ihm das in Überzahl erstmals in Minute neun - trotzdem ging der EHC mit einem 1:4 in die erste Drittelpause, da in der Münchner Defensive wie schon beim 5:6 gegen Augsburg und dem 4:6 gegen Ingolstadt fehlende Zuordnung und mangelnde Entschlossenheit regierten. "Wir waren immer einen Schritt hinten dran", sagte Jackson. Verteidiger Konrad Abeltshauser vermisste die "notwendige urgency", sprich Dringlichkeit, im Spiel vor dem eigenen Tor.

Die erste Drittelpause tat den Münchnern gut, um diese abermals auftretenden Mängel klar und deutlich anzusprechen. "Ein 1:4 ist nicht akzeptabel", sagte Parkes. "Jeder hat sich gesteigert und wusste, was zu tun ist." Allen voran er selbst: Nach nur 32 Sekunden erzielte er das 2:4. "Das hat das Ganze ins Rollen gebracht", betonte Jackson. Zwei Minuten später hatte der EHC bei einem Pfostentreffer von Maximilian Hadraschek Glück, von da an hatte er die Partie aber im Griff - vor allem defensiv. Herausragend war die Münchner Defensivarbeit im Schlussdrittel, als den Wild Wings erst in der letzten Minute ihr erster Schuss auf Kevin Reichs Tor gelang. Zu diesem Zeitpunkt stand es nach Frank Mauers Treffer ins leere Tor bereits 6:4. "Die letzten zwei Drittel waren wir einfach zu passiv", klagte Schwenningens Trainer Niklas Sundblad. "Wenn man München zu viel Eis und Chancen gibt, dann sieht es so aus."

Mark Voakes bestätigt einmal mehr die Einschätzung, dass er auch im Hinterkopf Augen hat

Parkes war der Vollender, hatte aber auch einen kongenialen Vorbereiter an seiner Seite: Mark Voakes. Der Spielmacher bereitete drei der vier Parkes-Tore vor, herausragend war seine Übersicht, die das späte 4:4 ermöglichte. Jackson hatte soeben Torhüter Reich zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis geholt, da kam Voakes vor dem Kasten von Wild-Wings-Torhüter Joacim Eriksson an die Scheibe. Statt sie irgendwie aufs Tor zu bringen, was keinesfalls eine schlechte Idee gewesen wäre, passte er sie blind mit der Rückhand nach außen, wo Parkes stand und problemlos ins leere Tor traf (58.). Mit dieser Aktion bestätigte Voakes einmal mehr Frank Mauers Einschätzung, wonach Voakes sogar im Hinterkopf Augen habe. "Ich hatte dreimal das freie Tor vor mir", lobte Parkes seinen Mitspieler, der 42 Sekunden vor Ende per Nachschuss auch das spielentscheidende 5:4 erzielte. "Hut ab vor diesen Burschen", sagte Jackson über Parkes und Voakes.

An diesem Montag bekommt es der EHC, der dank des Sieges im Schwarzwald in der Tabelle an den Wild Wings vorbeizog, zu Hause mit den Straubing Tigers zu tun (18.30 Uhr). Gegen die Niederbayern hatten die Münchner kurz vor Weihnachten auswärts mit 4:3 nach Penaltyschießen gewonnen. Es war eines von erst zwei Spielen in dieser Saison, in denen Parkes kein Tor erzielte.

© SZ/lib/sewi
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