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Eishockey:Eine Watschn zu viel

Nach der kaum zu erklärenden 5:7-Niederlage gegen Bayreuth hält sich Zweitligist Bad Tölz beim 2:1 in Nauheim schadlos.

So recht schien Kevin Gaudet seine Sprache noch nicht wiedergefunden zu haben. Während Christof Kreutzer, der Trainer der Roten Teufel Bad Nauheim, das Spiel gegen die Tölzer Löwen analysierte, betrieb Gaudet stumme Gesichtsgymnastik: Mal streckte er seine Zunge in den rechten Mundwinkel, mal reckte er sie in den linken. Dort verharrte sie, genau an der Stelle, als Kreutzer über die verloren gegangene Stabilität seiner Mannschaft sprach. Viele Verletzungen, viele Umstellungen: Wie solle eine Mannschaft da stabil bleiben, fragte Kreutzer nach der 1:2-Niederlage seines Teams; Max French (35.) hatte die Führung der Roten Teufel (12.) ausgeglichen, Tyler McNeely mit dem einzigen Treffer im Penaltyschießen den Zusatzpunkt für Tölz gesichert. Die Löwen bleiben Siebter der DEL 2, zwei Zähler hinter Nauheim und zwei vor dem Tabellenzehnten Dresden.

"So ist Eishockey, wenn der Gegner dich leben lässt."

Gaudet hatte gut zugehört, auch er klagt ja über Verletzungen: Zum Schluss, sagte er, "haben wir nur noch mit sieben, acht Stürmern gespielt". Nach zähen 30 Minuten aber "haben wir unsere Beine gefunden". Alles in allem "waren wir viel besser als letztes Mal in Bad Nauheim, da haben sie uns beherrscht". Auch damals, Ende Oktober, gewann Tölz, nach Verlängerung, 3:2. Was Gaudet offenbar aber immer noch mehr beschäftigte als der knappe Sieg in Nauheim war die 5:7-Heimniederlage vom Freitag gegen Kellerkind Bayreuth. "Es ist kaum zu glauben, dass wir dieses Spiel verloren haben. Wir waren so überlegen." 49:24 Schüsse für Bad Tölz wies die offizielle Statistik aus - aber der Sieger hieß Bayreuth. "Wir waren wirklich nicht gut heute", sagte Tigers-Coach Petri Kujala. "Aber so ist Eishockey, wenn der Gegner dich leben lässt." Gaudet erinnerte seine Spieler an eine Grundregel: "Wenn du mit einer 4:3-Führung ins letzte Drittel gehst, dann ist es nicht vorbei." Zu Beginn des Abschnitts leisteten sich die Löwen dann einen 96-sekündigen Aussetzer - und Drew Melanson (45.), Ville Järveläinen (46.) und Henry Martens (47.) drehten die Partie. "Sie haben jeden Fehler bestraft", sagte Gaudet. "Ich bin ein bisschen sprachlos."

Nach dem 3:1 gegen Tabellenführer Kassel am vorvergangenen Sonntag hatte Geschäftsführer Christian Donbeck noch davor gewarnt, gegen Bayreuth und Bad Nauheim gedanklich nachzulassen: "Wir haben genug Watschn bekommen diese Saison." Man möge quasi nicht immer die Wange hinhalten. Aber selbst der in seinen ersten vier Spielen überzeugende Torhüter Maximilian Franzreb vermochte gegen Bayreuth nichts auszurichten. "Ich bin enttäuscht", sagte Kevin Gaudet. "Und ich hoffe, die Spieler sind es auch." Vor dem nächsten Gegner muss der Trainer seine Spieler jetzt jedenfalls nicht groß warnen. Es sind an diesem Dienstagabend (20 Uhr): die Bayreuth Tigers.

© SZ vom 21.01.2020
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