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Eishockey:Die Jagd ist eröffnet

Yannic Seidenberg Muenchen bedankt sich bei den Fans beim Spiel Adler Mannheim gegen EHC Red Bull

Yannic Seidenberg, Eishockey-Nationalspieler.

(Foto: Michael Bermel/imago)

DEL-Vizemeister EHC München ist heiß auf die neue Saison. Es gilt zunächst einmal, den Rücktritt von Kapitän Michael Wolf zu kompensieren.

Yannic Seidenbergs Sommer war in mehrfacher Hinsicht ungewohnt. Da sei zum einen die Schulpflicht seiner Zwillingstöchter erwähnt, die erstmals verhinderte, dass der Eishockey-Nationalspieler mit seiner Familie jederzeit und ohne Fesseln verreisen konnte. Den traditionellen Sommer-Besuch bei seinem Bruder Dennis in den USA absolvierte er deshalb alleine. Und da war dieses "ungewohntes Gefühl, nicht als Meister in die Saison zu gehen", berichtete der 35-Jährige. Nach drei Titeln in Serie hatten die Adler Mannheim im April den EHC Red Bull München entthront.

Am Donnerstag startete der EHC mit der Saisoneröffnungsfeier gewissermaßen die "Mission Titel-Rückholung". Manager Christian Winkler blies schon mal das Halali: "Letzte Saison waren wir die Gejagten, dieses Jahr gehen wir auf die Jagd." Nationalspieler Frank Mauer ergänzte, er habe über die Jägerrolle "noch gar nicht nachgedacht". Das dürfte auch damit zusammenhängen, dass sich das Vorbereitungsprozedere unter Trainer Don Jackson, der in seine bereits sechste Saison als EHC-Trainer geht, nicht groß verändert hat. "Wir arbeiten wie in den vergangenen Jahren", sagte Seidenberg, der am Donnerstag aufgrund einer Blessur nicht am Eistraining teilnahm.

Coach Jackson wirkte wie eh und je: ruhig, fokussiert, strukturiert. Er mache den gleichen Eindruck wie immer, sagte Seidenberg, schließlich sei der 62-jährige Erfolgstrainer "von dem Emotionen meistens sehr ausgeglichen und relaxt". Die Spieler schätzen diese Konstanz sehr. Seine gleichbleibende Arbeitsweise mache ihn so stark, sagte Mauer. "Du weißt als Spieler, was du kriegst und das ist das, was du als Spieler magst."

Eine große Umstellung müssen die Münchner Spieler aber dennoch verarbeiten. Michael Wolf, der langjährige stille Leitwolf und Kapitän ist nicht mehr da, nachdem er im April seine Karriere beendet hat. Ungewohnt sei es ohne ihn, betonten Seidenberg und Mauer. So ganz weg ist Wolf aber scheinbar doch noch nicht: Nachdem er schon beim ersten gemeinsamen Mannschaftstraining in der vergangenen Woche zugegen war, ließ er sich auch die Saisoneröffnung nicht nehmen.

"Sein Geist schwebt noch durch die Kabine", erklärte Mauer und betonte schmunzelnd, er habe das Gefühl, dass es einen unterirdischen Gang von Füssen - Wolfs Heimatort - in die EHC-Kabine gebe, den Wolf "wie das Phantom der Oper" benutze. Anders als das Pariser Phantom, das im Untergrund sein Unwesen treibt, tut Wolf seinen Ex-Teamkollegen weiter Gutes. "Wir können uns sicher bei ihm melden und Tipps holen", sagte Mauer.

Wie Wolfs Fehlen aufgefangen werden soll, ist für beide Nationalspieler klar: Es gehe nur im Kollektiv. "Den Wolfi kannst du nicht eins zu eins ersetzen", betonte Mauer. Es gelte, "mit mehreren Jungs diese Lücke zu schließen", erklärte Seidenberg, dem bei der Neuordnung der Hierarchie eine tragende Rolle zukommen dürfte. Mauer unterstrich, nicht jeder "muss den Wolfi machen. Wenn wir das zusammen erledigen, haben wir noch genug Leadership in der Mannschaft".

Frische Elemente bringen die neuen Spieler mit, allen voran die erfahrenen Angreifer Derek Roy, Philip Gogulla und Chris Bourque. Sie sollen mithelfen, einen zusätzlichen Schuss Esprit und Spielwitz in das EHC-Gefüge einzubauen. Seidenberg findet, dass im letztjährigen Kader "vielleicht ein bisschen Kreativität" gefehlt habe. In den Jahren zuvor, als noch Spielmacher wie Keith Aucoin und Dominik Kahun in München waren, habe es "so Momente gegeben, wo die Jungs manchmal aus dem Nichts heraus Spiele drehen konnten", sagte der Verteidiger, der den Großteil seiner Karriere als Stürmer bestritten hat. "Das hat letztes Jahr einfach nicht ganz hingehauen."

Im ersten Testspiel am Sonntag gegen den Oberliga-Kooperationspartner SC Riessersee (16 Uhr, Olympia-Eissport-Zentrum Garmisch-Partenkirchen) kann sich Jackson vor den Augen von Bundestrainer Toni Söderholm erstmals in Spielsituationen einen Eindruck verschaffen, wer mit wem am besten harmonieren könnte. Und die EHC-Spieler bekommen einen Eindruck wie es ist, mal gegen Danny aus den Birken zu spielen. Der Münchner Nationaltorwart wird am Sonntag das Tor des SC Riessersee hüten und sich vermutlich nicht über mangelnde Arbeit beschweren dürfen. Ernst wird es für aus den Birken und seine Mitspieler dann am 29. August, wenn das erste Champions-Hockey-League-Spiel gegen den HC Ambri Piotta aus der Schweiz in München stattfindet.