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Eishockey:"Der Trend ist nicht gut"

Kein Päckchen - eine Packung: Das 1:5 in Wolfsburg ist für den EHC München schon die fünfte Niederlage im neuen Jahr. Der Tabellenführer leistet sich wieder einmal zu viele Strafzeiten.

Weihnachten ist schon ein paar Tage her, die letzten unpassenden Präsente dürften umgetauscht sein, und selbst dem robustesten Tannenbaum geht es jetzt an die Nadeln - am Sonntag ist Lichtmess. Vermutlich haben Christian Winkler, Geschäftsführer Sport bei der EHC Red Bull München GmbH, und Pat Cortina, Cheftrainer der Grizzlys Wolfsburg, am Sonntag miteinander geplauscht. Vielleicht haben sie einen Kaffee miteinander getrunken, so wie sie das früher vor Spielen immer getan haben, als Cortina noch Trainer des EHC München war. Sie sind ja immer noch befreundet, auch wenn die gemeinsame Zeit schon bald sieben Jahre zurückliegt; man kann das auch daran erkennen, dass Cortina, 55, mit seinem weißen Vollbart einem gütigen Weihnachtsmann optisch immer ähnlicher wird. Aber Freundschaft hin oder her: Zu verschenken hatten beide nichts am 41. Spieltag der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Der Tabellenachte Wolfsburg braucht jeden Punkt für die Playoffs, Tabellenführer München braucht jeden Punkt, nun, um Tabellenführer zu bleiben. Nach 60 Minuten in der Wolfsburger Eisarena stand fest: Die Grizzlys sind ihrem Ziel drei Zähler näher gekommen. Während Verfolger Mannheim die Kölner Haie 4:3 bezwang, verlor der EHC zum zweiten Mal nacheinander. Das 1:5 gegen die Grizzlys war bereits die fünfte Niederlage im achten Spiel des neuen Jahres für das Team von Trainer Don Jackson. Kein Päckchen, kein Paket - es war eine Packung. Von dem einst 13 Punkte dicken Polster zur Konkurrenz sind gerade einmal drei übrig.

Eigentlich fahren die Münchner gerne nach Wolfsburg. Dort feierten sie am 22. April 2016 erstmals die deutsche Meisterschaft. Vor diesem Sonntag gewann der EHC die jüngsten vier Spiele in Wolfsburg, seit jenem 22. April 2016 war die Bilanz sogar fast makellos: elf Spiele, zehn Siege. "Es ist ein Ort, an dem wir selbstbewusst auftreten, weil wir dort immer gut gespielt haben", sagte Jackson. Bei der einzigen Niederlage, einem 3:4 nach Penaltyschießen am 17. September 2017, traf noch ein gewisser Mark Voakes für die Grizzlys.

Sport Bilder des Tages Grizzlys vs München, DEL Wolfsburg, 26.01.2020, EISHOCKEY - EHC Grizzlys Wolfsburg vs EHC Redbull; Eishockey

Ha, ha, ha: Die Wolfsburger Anthony Rech und Gerrit Fauser (v.li.) bejubeln das 3:0, Justin Shugg und Kevin Reich (im Hintergrund) zeigen erste Anzeichen der Resignation.

(Foto: Darius Simka/imago)

Dieser Mark Voakes fehlte dem EHC am Sonntag ebenso wie Danny aus den Birken, Derek Roy, Mads Christensen, Bobby Sanguinetti und Kapitän Patrick Hager. "Das soll keine Ausrede sein", sagte Christian Winkler. Aber erwähnen darf man es ja mal. Trotz der Erfolgsserie wussten die Münchner natürlich um die Gefährlichkeit des Gegners. "Wir müssen von Anfang an wach sein", hatte Stürmer Frank Mauer gefordert. Das Fazit des Nationalspielers nach der Niederlage fiel umso nüchterner aus: "Das Spiel lief von Anfang an in eine beschissene Richtung." Und dafür gab es einen relativ einfachen Grund: "Wir nehmen zu viele Strafzeiten", sagte Mauer.

Die ersten beiden Strafen gegen Chris Bourque und Konrad Abeltshauser führten direkt zu den ersten Gegentoren (5./9.), das 0:3 (14.) resultierte aus einem für Kevin Reich unhaltbar abgefälschten Schuss. Dank Bourques 1:3 (16.) nahmen die Gäste zwar Hoffnung mit in die erste Pause: "Wir haben schon oft Spiele gedreht", sagte Mauer. Aber dann musste Trevor Parkes auf die Strafbank, und Wolfsburg machte aus der vierten Gelegenheit seinen dritten Überzahltreffer (26.). "Das war auch keine schlaue Strafzeit", sagte Winkler in der zweiten Drittelpause, mit seinem schwarzen Bart sah er aus wie der Krampus. Mit nun 568 Strafminuten steht der EHC in der Fair-Play-Tabelle der DEL an letzter Stelle.

Grizzlys vs München, DEL Wolfsburg, 26.01.2020, EISHOCKEY - EHC Grizzlys Wolfsburg vs EHC Redbull München, DEL, Saison 2; Eishockey

Mit Santa-Claus-Bart: Grizzlys-Coach Pat Cortina.

(Foto: imago images/regios24)

Die Gäste stemmten sich gegen die Niederlage, aber die Hypothek wog zu schwer. In der Schlussminute schob der ehemalige Münchner Brent Aubin den Puck zum Endstand ins leere Münchner Tor. "Der Trend ist nicht gut. Wir müssen achtsam sein", sagte Mauer. Die Saison biegt in die entscheidende Phase, bereits am Donnerstag kommen die Augsburger Panther zum Derby in die Landeshauptstadt. Die Lage ist ähnlich wie am Sonntag: Die zuletzt gegen Düsseldorf (2:0) und Straubing (4:2) zweimal siegreichen Schwaben brauchen jeden Punkt für die Playoffs. Und der EHC? Könnte bei einer weiteren Niederlage erstmals seit dem 2. Spieltag von der Tabellenspitze verdrängt werden. "Vielleicht muss man manchmal Fehler machen", räsonierte Winkler, "vielleicht ist man dann wieder wach." Es ist jedenfalls keine gute Zeit für Geschenke.

© SZ vom 28.01.2020
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