Eishockey Bereit für Europa

Es ist soweit: Bei bestem Badewetter wird in München wieder Eishockey gespielt, der EHC empfängt Gegner aus Krakau und Helsinki. Foto:

(Foto: Markus Fischer/Gepa/Imago)

Der EHC München beginnt bei bestem Badewetter mit zwei Heimspielen zur Champions Hockey League die Saison. Der deutsche Meister hat viel vor - auch gegen skandinavische Teams.

Von Christian Bernhard

Gestresst wirkt Don Jackson nur in den seltensten Fällen. Ein sehr ruhiges Gemüt, mehr als sechs Jahrzehnte Lebenserfahrung und sieben gewonnene Meisterschaften in Deutschland, darunter zwei in Serie in München, machen aus dem Mann aus Minnesota einen sehr entspannten Zeitgenossen. Dieser Tage wirkt der Trainer des EHC Red Bull München aber besonders gelassen. Die EHC-Physiotherapeuten laufen derzeit mit einem Grinsen durch die Kabine, erzählt Jackson im VIP-Raum der Münchner Olympia-Eishalle, denn sie haben kaum etwas zu tun. Bis auf Frank Mauer und Maximilian Kastner, die nach ihren Verletzungen auch schon im Mannschaftstraining sind, stehen dem Trainer alle Spieler zur Verfügung.

Eine nahezu komplett gesunde Mannschaft freut jeden Eishockey-Trainer, doch der EHC-Coach hat noch ein paar Sicherheiten mehr. Jackson weiß: Er hat eine für deutsche Verhältnisse wunderbar funktionierende, eingespielte Mannschaft. "Ich denke, das Team ist stärker als in den letzten zwei Jahren", sagt Kapitän Michael Wolf. Das hat auch Patrick Hager schon bemerkt. Der Nationalspieler, der einer von drei Neuen im Kader ist, sagt, der EHC trage "das Sieger-Gen in sich". Er spüre das Selbstvertrauen allerorts in der Kabine.

In Deutschland ist der EHC nach zwei Meistertiteln in Serie das Maß der Dinge, nun soll auch in Europa der nächste Schritt folgen. Da passt es gut, dass das erste Pflichtspiel der Saison der Auftakt zur Champions Hockey League (CHL) ist. An diesem Freitag empfangen die Münchner in der Olympia-Eishalle den polnischen Meister Comarch Krakau (19 Uhr), zwei Tage später gastiert hier der finnische Spitzenklub IFK Helsinki (18 Uhr). Der dritte EHC-Gruppengegner ist Brynäs IF, die zwei Spiele gegen die Schweden finden aber erst im Oktober statt. Informationen über Helsinki gab es vom ehemaligen Münchner Spieler und Co-Trainer Toni Söderholm, der viele Jahre für IFK gespielt hat. Material zu den Polen, die zum zweiten Mal in Serie an der CHL teilnehmen, war schwerer aufzutreiben, doch die EHC-Videoanalysten haben auch Krakau seziert.

Zwei Testspielsiege gegen Bern und Prag "haben dem Team und mir Selbstvertrauen gegeben"

In den letzten zwei Spielzeiten haben die Münchner jeweils die Gruppenphase der Königsklasse überstanden, das Aus folgte dann in der Runde der letzten 32 - erst gegen die Finnen von Lukko Rauma, dann gegen die Växjö Lakers aus Schweden. Wenn der EHC diesmal die Gruppe überstehen will, muss er mindestens einen der beiden Gegner aus dem hohen Norden hinter sich lassen. "Ich habe die Jungs in der Kabine gefragt: Habt ihr schon einen schwedischen oder finnischen Klub geschlagen?", erzählt Jackson. "Die Antwort der meisten war: Nein. Also, sagte ich ihnen, jetzt kommt eure Chance."

Die Zeiten, in denen die skandinavischen und osteuropäischen Eishockey-Mannschaften nur milde lächelten, wenn sie auf eine deutsche trafen, sollen der Vergangenheit angehören. Es solle nicht mehr heißen, "wir sind nur aus Deutschland, alle anderen sind immer der Favorit", sagt Wolf. Sondern: "Wir sind auch eine Mannschaft, die mitspielen kann und will."

Das haben die Münchner kürzlich beim Vorbereitungsturnier in Garmisch-Partenkirchen mit den Siegen gegen den Schweizer Meister SC Bern (7:2) und den letztjährigen CHL-Finalisten Sparta Prag (5:2) bewiesen. Man solle das nicht überbewerten, sagt Wolf, "aber wir haben gezeigt, was wir können". Der Kapitän findet: "Wir müssen uns nicht verstecken." Jackson sagt: "Die Siege gegen Bern und Prag haben dem Team und mir Selbstvertrauen gegeben." Das vermittelt auch Wolf. Der Stürmer hat Krakau als Außenseiter in der Gruppe ausgemacht, die anderen drei Teams sieht er "mit Sicherheit auf einer Wellenlänge". Der Kapitän will die Gruppenphase überstehen, "dann schauen wir weiter". Jackson erhob sich am Ende des Treffens lächelnd vom Tisch, schnappte sich eine kleine Wasserflasche, ging runter zur Eisfläche und sah sich das EHC-Nachwuchstraining an - ganz entspannt.