EHC Red Bull München Stark und stärker

"Je mehr Zeit vergeht, desto mehr steuert er punktemäßig bei": Matt Stajan erzielte gegen Nürnberg die beiden ersten Münchner Treffer.

(Foto: Marcel Engelbrecht/imago)

Das 4:1 gegen Nürnberg ist der vierte Sieg für den Meister in Serie. Auch das Selbstvertrauen wächst, was besonders gut am Doppeltorschützen Matt Stajan zu beobachten ist.

Von Christian Bernhard

In Kanada, besser bekannt als das Mutterland des Eishockeys, spielt die europäische Champions Hockey League (CHL) keine Rolle. Den Calgary Flames ist sie aber ein Begriff. "Staj ist drauf, Staj ist drauf", hallte es kürzlich durch die Kabine des NHL-Klubs, als das CHL-Spiel zwischen dem EHC Red Bull München und den Malmö Redhawks lief. "Staj" ist der Spitzname von Matt Stajan, der acht Jahre lang für die Flames spielte, ehe er die Provinz Alberta im Herbst verließ, um erstmals in Europa seinem Beruf nachzugehen. Vergessen hat ihn sein Ex-Klub aber keinesfalls. "Sobald die Jungs ihn auf dem Eis sahen, leuchteten ihre Augen auf", sagte Flames-Manager Craig Conroy kanadischen Medien. Obwohl das Malmö-Spiel in Kanada am frühen Nachmittag lief, "haben es sich alle Jungs angeschaut".

Falls die Flames auch die Deutsche Eishockey Liga (DEL) empfangen können und am Mittwochmittag kanadischer Zeit Münchens Spiel gegen Nürnberg lief, konnten seine ehemaligen Teamkollegen Stajan gleich doppelt jubeln sehen. Der 35-jährige Angreifer brauchte beim 4:1-Sieg weniger als elf Minuten, um die ersten zwei Münchner Tore zu erzielen. "Die haben uns sehr gut getan", betonte EHC-Trainer Don Jackson.

Der vierte Sieg in Serie untermauerte den Münchner Aufwärtstrend. "Unser Selbstvertrauen ist im Moment stark", erklärte Jackson. Stajans persönliches Befinden wird auch immer besser. "Speziell Matt wird stärker und stärker", sagte Jackson. "Je mehr Zeit vergeht, desto mehr steuert er punktemäßig bei." Stajan analysierte seine zwei Treffer in typischer Eishockeysprache: Die Scheibe sei ideal gesprungen, sagte er. Seine Liga-Tore Nummer acht und neun taten ihm besonders gut, denn obwohl er seit September in München ist, war zuletzt auch nicht zu übersehen, dass sein Anpassungsprozess an die DEL noch nicht abgeschlossen ist. Selbst für einen Muster-Profi wie Stajan, der mehr als 1000 Spiele in der NHL bestritten hat, ist die Eingewöhnungsphase an die größere europäische Eisfläche kein Selbstläufer. "Es war eine große Umstellung für mich", sagte er, "ein stetes Auf und Ab, durch das du dich durcharbeiten musst." Auch der Spielstil hierzulande forderte ihn heraus. "Ich versuche, mein Spiel einfacher zu halten", sagt Stajan. "Manchmal ist weniger mehr." Seit Jackson ihn am 26. Dezember in eine Linie mit Münchens Topscorer John Mitchell und Trevor Parkes gepackt hat, läuft es für den Angreifer besser. "Die zwei sind sehr talentiert", sagt er. Gewöhnen musste sich Stajan auch an seine neuen Aufgaben: "Ich habe viel mehr Eiszeit, es ist ein völlig neuer Blick auf das Spiel." In seinen letzten NHL-Jahren hatte er eine defensive, physisch geprägte Rolle ausgefüllt - in München werden auch Scoringpunkte von ihm erwartet.

"Wenn du in der NHL bist, hast du deine Rolle und bist voll darauf fokussiert. Deshalb ist es erfrischend zu lernen, wie das Spiel hier interpretiert wird", sagt der Routinier. Statt knapp elf Minuten in seiner letzten NHL-Saison steht er nun mehr als 18 Minuten pro Spiel auf dem Eis. Gegen Nürnberg bekam kein Münchner Angreifer so viel Eiszeit wie Stajan, auch in Über- und Unterzahl leistete er seinen Beitrag und hatte zusammen mit Derek Joslin die meisten Wechsel aller EHC-Spieler (je 25). "Ich fühle mich gut", betont er, die intensive Arbeit mit dem Trainerteam macht sich bezahlt. Das sollen am Wochenende auch die Schwenninger Wild Wings (Freitag, 19.30 Uhr, Olympia-Eissportzentrum) und die Straubing Tigers (Sonntag, 16.30 Uhr) zu spüren bekommen.