EHC München Stau auf der Strafbank

In einer ruppigen Partie mit vielen Unterbrechungen behielt Meister EHC München gegen die Eisbären die Oberhand, wie hier Torschütze Patrick Hager gegen den Berliner Brendan Ranford.

(Foto: imago images / GEPA pictures)

Nach der herben 0:4-Niederlage in Berlin revanchiert sich der EHC München im emotionsgeladenen dritten Playoff-Viertelfinale mit einem 4:1 in eigener Halle - und geht in der Serie erneut in Führung.

Von Christian Bernhard

Mads Christensen war sehr erfreut, dass die Playoffs laufen. "Zum Glück dauert es nicht lange, bis es weitergeht", sagte der Angreifer des EHC Red Bull München, nachdem er dort, wo er seine ersten drei Meisterschaften in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) gewonnen hatte, eine bittere Niederlage verarbeiten musste. 0:4 hatte der EHC am Freitag Spiel zwei der Viertelfinal-Serie gegen die Eisbären Berlin verloren, es war ein durch und durch misslungener Abend aus Münchner Sicht.

Der letztjährige Meister tat aber das, was man am besten in den Playoffs tut: Er hakte die Pleite ab, zog die richtigen Schlüsse daraus - und schlug sportlich zurück. Am Sonntag gewann er Spiel drei in der heimischen Olympia-Eishalle nach einer lange Zeit sehr überlegenen Vorstellung mit 4:1 (1:0, 2:1, 1:0) und führt in der Best-of-seven-Serie nun mit 2:1.

Jetzt können sich alle Beteiligten etwas abkühlen. Das vierte Spiel ist erst am Freitag in Berlin

Wie schon am Freitag begann der EHC dominant. Derek Joslin hatte gleich in der ersten Minute eine gute Chance direkt vor dem Eisbären-Tor, doch Kevin Poulin war wie in Spiel zwei nicht zu überwinden. In Minute sechs war es aber so weit: Keith Aulie zog von der Blauen Linie ab, die Scheibe fand durch diverse Beine den Weg ins Gäste-Tor. Damit war die Münchner Torsperre gegen Poulin nach etwas mehr als 65 Minuten beendet. Großen Anteil am Treffer hatte Patrick Hager, der erst die Scheibe im Drittel hielt und dann Poulin bei Aulies Schuss die Sicht nahm. Gleich danach bot sich den Münchnern eine vierminütige Überzahl-Situation, da Mark Voakes von Colin Smith mit dem Schläger im Gesicht erwischt wurde. Im Powerplay traf John Mitchell mit einer Direktabnahme den Außenpfosten (7.). "Wir spielen sehr gut und mit viel Druck", fand EHC-Kapitän Michael Wolf in der ersten Werbe-Unterbrechung. Das erste Unterzahlspiel überstand der Meister ebenfalls gut, mehr als ein einigermaßen gefährlicher Schuss von Michael DuPont (12.) war für die Berliner in Sachen Offensive im Startdrittel nicht drin. Danny aus den Birken im EHC-Tor musste nur zwei Schüsse abwehren. "Wir wussten, dass sie mit viel Schwung kommen würden", sagte DuPont zum starken Münchner Auftritt in den ersten 20 Minuten.

Das hatte mit dem Spiel am Freitag zu tun. Die Hälfte der Partie war da noch gar nicht vorbei gewesen, da lag der EHC bereits mit 0:4 zurück. Dabei blieb es auch bis zum Ende. "Sagen wir es so, das war kein guter Abend für uns", sagte Münchens Trainer Don Jackson auf der Pressekonferenz, die er bis auf die Begrüßung in Englisch hielt, was bei ihm meist ein Anzeichen für Angespanntheit ist. Am meisten verwunderte, dass die Münchner ihre Nerven nicht im Griff hatten und phasenweise die Kontrolle verloren. Andreas Eder und John Mitchell bekamen jeweils eine Spieldauerdisziplinarstrafe, Mads Christensen musste für zehn Minuten auf die Strafbank und Yannic Seidenberg kassierte zwei plus zehn Minuten Strafe für einen Bandencheck gegen den quirligen Torschützen Austin Ortega. "Es war ein komisches Gefühl", sagte Jackson, "die Situation war sehr ungewohnt für uns." Er meinte den frühen deutlichen Rückstand, auch die Dünnhäutigkeit einiger seiner Spieler überraschte. Seidenbergs Aktion hatte Folgen: Der Nationalspieler wurde vom DEL-Disziplinarausschuss nachträglich für Spiel drei gesperrt, für den Verteidiger stand Emil Quaas am Sonntag im Kader.

Am Sonntag waren die Münchner physisch sehr präsent, sie spielten aggressiv und deckten die Berliner mit Checks ein, vermieden dabei aber unnötige Strafzeiten. Und sie konnten sich auf ihr Unterzahlspiel verlassen: Yasin Ehliz erhöhte durch einen Konter auf 2:0 (24.). Als Patrick Hager in Überzahl per Nachschuss das 3:0 erzielte (31.), schien die Partie vorentschieden - zu groß wirkte die Münchner Übermacht. Ein Überzahlspiel brachte die Berliner aber ins Spiel zurück: Sean Backman verkürzte mit seinem dritten Tor der Serie auf 1:3 (34.), nur eine Minute später verpasste Louis-Marc Aubry nur knapp das 2:3. "Sie sind schnell und immer gefährlich. Berlin kann aus dem Nichts Tore schießen", sagte Ehliz. Emotionen waren weiterhin reichlich vorhanden, am Ende des Mitteldrittels saßen gleich acht Spieler auf beiden Strafbänken. Besser im Griff hatte sie diesmal aber der EHC, der dank Frank Mauer in Minute 50 das finale 4:1 markierte. Jetzt können sich alle Beteiligten etwas abkühlen. Spiel vier findet erst am Freitag statt, dann wieder in Berlin.