bedeckt München 25°

EHC München:Raumfresser in Wiesnstimmung

Andrew Desjardins (Adler Mannheim, 84) im Zweikampf mit Konrad Abeltshauser (Muenchen, 16) vor dem Tor von Danny aus de

Hinten zupackend, vorne effektiv: Konrad Abeltshauser (links) hat in Mannheim sein erstes Saisontor erzielt.

(Foto: Michael Bermel/imago)

Mit zwei Erfolgen gegen Mannheim und Berlin bestätigt der EHC München seine starke Frühform. Beeindruckend ist vor allem die gute Balance zwischen Defensive und Offensive.

Der Tag danach stand ganz im Zeichen der guten Laune - bei Konrad Abeltshauser gleich aus mehreren Gründen. Der Verteidiger des EHC Red Bull München präsentierte seiner Fangemeinde auf Instagram ein Bild von sich in Arbeitsmontur, also in Eishockey-Ausrüstung, in der er genüsslich lächelte. Warum er wohl so grinse, fragte er seine Fans und gab ihnen vier Antwort-Möglichkeiten vor. Die letzte ("weil Leberkäs-Semmeln im Angebot sind") durfte man getrost in die Humor-ecke schieben. Die anderen drei hatten aber durchaus ihre Berechtigung: Weil die Wiesn beginnt, weil der EHC in Mannheim einen Auswärtssieg gefeiert hat oder weil er damit am dritten Spieltag der Deutschen Eishockey Liga (DEL) die Tabellenführung übernommen hatte.

Dass der Start des Oktoberfestes für einen Ur-Bayern wie Abeltshauser definitiv ein besonderer Tag ist, steht außer Frage. Die Art und Weise, wie der EHC am Freitagabend beim Meister Mannheimer Adler seinen 7:2-Sieg einfuhr, war noch besonderer. "Wir sind nach Mannheim gekommen, um unser bisher bestes Saisonspiel zu spielen", sagte EHC-Trainer Don Jackson. "Das ist uns phasenweise gut gelungen."

Da drei der Münchner Tore in den letzten zwei Minuten fielen, merkten mehrere EHC-Spieler an, dass das Ergebnis etwas zu hoch ausgefallen sei. Die Leistung in jener Arena, in der die Münchner am 26. April den Meistertitel an die Adler verloren hatten, war dennoch bemerkenswert. "Wir haben ein Ausrufezeichen gesetzt und gezeigt, dass mit uns dieses Jahr wieder zu rechnen sein wird", sagte Philip Gogulla. Am Sonntag legten die Münchner mit dem 4:2-Heimsieg gegen die Eisbären Berlin nach, dreimal trafen sie in Überzahl.

In Mannheim hatten die Münchner der Liga ihr ganzes Repertoire vorgeführt. Da war zum einen die läuferische Leichtigkeit, mit der sie sich nicht nur offensiv in gute Positionen brachten, sondern mit ihrem intensiven Forechecking auch verhinderten, dass die Adler Tempo aufnehmen konnten. "Sie waren läuferisch über fast die gesamte Zeit besser", sagte Mannheims Trainer Pavel Gross, "sie haben gut gestört und sind immer am Mann gewesen." Den Druck, den Jackson auf der gesamten Eisfläche sehen möchte, bekam der deutsche Meister gewaltig zu spüren. "München spielt aggressiv, sie nehmen dir Zeit und Raum weg", erklärte Adler-Kapitän Marcel Goc, der auch von einem weiteren Aspekt des EHC-Spiels beeindruckt war: "Sie schalten unglaublich schnell von Defensive auf Offensive und umgekehrt um." Offensiv zeigte der EHC jene Ausgeglichenheit, die sich bereits in der Champions Hockey League angedeutet hatte. Die sieben Münchner Tore gingen auf das Konto von sieben unterschiedlichen Spielern. Damit blieben in den ersten drei Ligaspielen nur die Verteidiger Robert Sanguinetti, der erst vor kurzem zur Mannschaft stieß, und der Profi-Neuling Luca Zitterbart ohne Scorerpunkt.

Diese Balance schlägt sich auch in der Eiszeit nieder: 13 Spieler standen in den ersten drei DEL-Partien um die 15 Minuten oder mehr pro Spiel auf dem Eis. Kapitän Patrick Hager hatte vor dem Saisonstart eine "Aufgabe" darin gesehen, "die Kräfte zu verteilen". Jackson meistert diese Herausforderung derzeit sehr gut.

"Für das Selbstvertrauen der Mannschaft war der Sieg wichtig", sagte Verteidiger Yannic Seidenberg, der in Mannheim nach überstandener Verletzung nicht nur aufgrund einer Torvorlage und einer Plus-Minus-Bilanz von +3 ein gelungenes Saisondebüt feierte. Stellvertretend für das Münchner Selbstvertrauen steht der 17-jährige John Jason Peterka, der in Mannheim in seinem dritten Ligaspiel den dritten Treffer verbuchte. Nach der Schlusssirene vollzog der Angreifer ein kleines Tänzchen mit Abeltshauser, das die These des Verteidigers ("Wir sind eine ganz enge Truppe") bestätigte.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass diese am Montag noch enger wird. Dann steht der Mannschaftsausflug auf die Wiesn an, der den nordamerikanischen Zugängen verlässlich große Augen und bestimmt auch das ein oder andere genüssliche Grinsen ins Gesicht zaubern wird. Die womöglich auftretenden Fragezeichen wird ihnen Abeltshauser gerne nehmen.

© SZ vom 23.09.2019

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite